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Aktuell Deutschland

Wie fühlen sich Frauen in Köln?

Nach den sexuellen Übergriffen an Silvester herrschen in der Stadt diffuse Ängste. Viele Frauen sind vorsichtiger geworden. Was bedeutet die Stimmungslage für das nächste Großereignis, den Karneval?

Tritt man aus dem Bahnhof, geht der Blick fast automatisch die Stufen zum Dom hinauf, dort steht ein Kamerateam, es ist nicht das einzige. Drei Teams allein rund um den Bahnhofsvorplatz und genauso viele Polizeibusse. Die Normalität in Köln sieht anders aus als vor Silvester.

Doch auch die Präsenz von mehr Sicherheitspersonal erzeugt nicht zwangsläufig ein Gefühl von Sicherheit. Eine junge Frau meint auf die Frage, was sie sich von Polizei und Politik erwarte: "Gar nichts mehr, die tun sowieso nichts." Ihre Karnevalspläne führen sie dieses Jahr nach Brüssel, weg aus der Stadt, in der sie sich nicht mehr sicher fühlt.

Der Weg in die Stadt führt über die Treppe zum Dom. Dort liegen Blumen mit einer Gedenktafel für die Opfer der sexuellen Übergriffe an Silvester. Nicht wenige bleiben stehen, um Fotos zu machen.

Nicht eine Stimmung, viele Stimmungen

Das Stimmungsbild in der Stadt ist aber keineswegs einheitlich. Die Diskussion habe sich "verselbständigt" und "von der Sache abgelöst", sagt eine Frau im Businessdress. Eine junge Umweltaktivistin auf dem Fahrrad meint, dass ein falsches Bild erzeugt werde, dass auch deutsche Männer Frauen vergewaltigten und sie vermute, dass am Ende darauf abgezielt werde, die Flüchtlingsdebatte mit einfachen Antworten zu führen.

Zettel mit Aufruf gegen sexuelle Belästigung auf den Stufen vor dem Kölner Dom (Foto: DW/S. Schug)

Aufruf gegen sexuelle Belästigung auf den Stufen vor dem Kölner Dom

Doch die Debatte wird nicht nur im öffentlichen Raum geführt, sondern auch in den Familien. Eine Mutter gibt sofort an, dass sie sich Sorgen mache. Es war ihr wichtig, mit ihrer Tochter über das Karnevalskostüm zu reden. Sie weiß, dass wegen eines Vorfalls nicht plötzlich jeden Tag ein Unglück geschieht, doch eine diffuse Angst ist spürbar.

Man merkt: Die Frauen fühlen sich verletzbarer, selbst wenn sie zu dritt unterwegs sind, stellt sich bei vielen die gewohnte Sicherheit im Nachtleben nicht ein. In dieser Lage steht die Frage im Raum, wie es bei der nächsten Großveranstaltung in Köln ablaufen soll. Karneval, das ist für Köln wie das Oktoberfest für München. Leidet der Karneval, leidet Köln. Die Ratschläge von Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die sich unter dem

Hashtag einearmlänge

verselbständigt haben, sind vor dem Hintergrund dieser Massenveranstaltung wenig nützlich.

Trotzdem sind Selbstkontrolle und Eigenverantwortung durchaus Dinge, die angesprochen werden. Das Kleid nicht zu kurz, die Vorsicht dafür umso größer. Doch bei aller Vorsicht ist auch die Stimme des Trotzes zu hören, dass man sich nicht "einschränken" lassen will. Karneval in Köln war nie vollkommen sicher, und schon die vergangenen Jahre mit immer größeren Besucherzahlen haben die Stimmung verändert.

Überall Gespräche über ein Thema

Vor dem Bahnhof führt eine Gruppe Polizisten einen jungen Mann ab, ein Kamerateam im Schlepptau. Als das letzte Foto dieser Szene geschossen ist, kommentiert ein Mann "Sie machen es richtig: Jage den Jäger!"

Man hört es in den Gesprächen vorbeilaufender Passanten, im Dönerladen, in den Geschäften. Sie drehen sich um Ausländer, Einwanderung, Integration und darum, warum erst so spät über die Vorfälle berichtet wurde. Die Menschen in Köln beschäftigen die sexuellen Übergriffe an Silvester, und das wird auch über Karneval so bleiben.

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