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Kultur

"Wie eine Reise zum Zentrum der Welt"

Rund drei Millionen Pilger aus aller Welt reisen in diesen Tagen nach Mekka zur traditionellen Hadsch. Höhepunkt der Wallfahrt ist die Reise zum Berg Arafat, wo die Pilger Allah um Vergebung bitten.

Betender Muslim auf dem Berg Arafat nahe Mekka, Foto: AP

Der Berg Arafat: Hier soll Abraham einst der Teufel erschienen sein

"Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich dazu überhaupt bereit bin. Es ist etwas, das einem Angst macht und gleichermaßen beruhigend ist. Es ist nicht vergleichbar mit irgendeiner Reise. Das ist schon etwas ganz Besonderes." Sabine Zacher ist 43 Jahre alt und vor mehr als 20 Jahren zum Islam übergetreten. Die Mutter von sieben Kindern ist mit einem deutschen Muslim verheiratet. Die Entscheidung, dieses Jahr die Pilgerreise nach Mekka mitzumachen, hat sie sich nicht leicht gemacht.

Die Kaaba in Mekka, Foto: AP

Die Kaaba in Mekka: Für Muslime das Haus Gottes

Für jeden gläubigen Muslim ist diese Reise eine bedeutende Erfahrung, auf die er sich sein ganzes Leben lang vorbereitet, so wie für die 42-jährige Rukaya Schiller: "Es geht letztendlich um einen Platz im Paradies: Wenn die Hadsch richtig gemacht ist, dann kommt man, ins Paradies."


Lange Vorbereitungsprozedur

Um die Pilgerfahrt durchzuführen, muss ein Muslim nicht nur körperlich, sondern auch finanziell dazu in der Lage sein. Er darf sich nicht verschulden, um die Reise zu finanzieren - weder bei einer Bank, noch bei Freunden oder Verwandten. Ist einmal der Entschluss zur Pilgerfahrt gefasst, meldet sich der Gläubige bei einem der mehr als 50 Reiseveranstalter an, die allein in Deutschland diese Reise anbieten. Auf die teilweise komplizierten Rituale, die den Pilger in Mekka und Medina erwarten, kann er sich anhand von Büchern oder Erfahrungsberichten zurückgekehrter Pilger vorbereiten.

Minaret in Gelsenkirchen, Foto: AP

Auch in Deutschland gibt es viele Mekka-Pilger

Manche Veranstalter bieten aber auch spezielle Hadsch-Seminare an, wie etwa die Firma Merve Hadsch aus Köln: "Wir erklären den Menschen die islamische Geschichte und wie die Hadsch funktioniert. Viele wissen das gar nicht, obwohl sie Bücher zu Hause haben, aber die verstauben in den Regalen", berichtet Geschäftsführer Mevdudi Can. Der 33-jährige Unternehmer, dessen Firma von seinem Vater in den 70er-Jahren gegründet wurde, begrenzt die Anzahl der Pilger in seiner Reisegruppe auf 400, um nicht den Überblick zu verlieren: "Anfangs haben wir uns vor allem an die türkischen Gastarbeiter und die türkischstämmigen Deutschen gewendet. Aber seit einigen Jahren wird die Pilgergruppe immer multikultureller: Wir hatten letztes Jahr 13 verschiedene Nationalitäten."

Pilgern ist trendy

Mevdudi Can beobachtet seit einigen Jahren vor allem bei jungen Muslimen einen wachsenden Trend, die Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten des Islam zu begehen. Allerdings verkürzen diese aus Zeitgründen oft die Reise von vier auf zwei Wochen: "Letztes Jahr hatten wir nur 30 Plätze frei", erinnert er sich. "Das war das erste Mal, das wir so ein Zwei-Wochen-Programm organisiert haben und es war sofort ausgebucht. Dieses Jahr sind es 100 Pilger geworden. Wir haben mit so einem Andrang nicht gerechnet."

Zu den Vorbereitungen der Pilgerfahrt gehört auch, dass man Bittgebete anderer Muslime mitnimmt, um sie dann vor Ort vorzulesen. Auch der deutsche Muslim Faruk Schäfer hat bereits gesammelt: "Es gibt den Berg Arafat. Das ist eine Station während der Hadsch", berichtet er. "Und es heißt, dass die Gebete dort erhört werden. Wenn Leute hören, dass man zur Hadsch geht, dann kommen sie auf einen zu und bitten einen, dass man an diesem Berg Arafat für bestimmte Sachen betet."

Streben nach dem Weihezustand

Millionen von Pilgern rund um die Kaaba von Mekka, Foto: AP

Die Pilger umrunden sieben Mal gegen den Uhrzeigersinn die Kaaba und preisen dabei Allah

An den heiligen Stätten angekommen, nimmt der Pilger während der Wallfahrt einen bestimmten Weihezustand ein - auf Arabisch "Ihram". Männer bedecken ihren Körper mit zwei weißen Tüchern, Frauen tragen lange weiße Kleider. Während der Pilgerfahrt kommen Muslime aus der ganzen Welt an den heiligen Orten des Islam zusammen - bis zu zwei Millionen Menschen zur gleichen Zeit.

Die Idee der Umma, der muslimischen Gemeinschaft, werde dort für viele Gläubige lebendig, sagt Faruk Schäfer: "Man lernt dort Menschen völlig verschiedener Kulturen kennen. Das bringt einen dazu, über das Menschsein nachzudenken, und das führt einen wiederum sehr stark zu sich selbst zurück, es ist in gewisser Weise eine Selbstfindung."

Haareschneiden als Symbol

Drängelnde Pilger, Foto: AP

Weihezustand für Muslime: Männer eingehüllt in weiße Tücher

Erst wenn die offiziellen Riten vollzogen sind, darf der Weihezustand wieder abgelegt werden. Im Anschluss rasieren sich deshalb die männlichen Pilger oft das Haupthaar. Die Frauen schneiden sich eine Haar-Strähne ab. Diese Handlung soll den Beginn eines neuen Lebensabschnitts symbolisieren - befreit von früheren Sünden. Rukaya Schiller jedenfalls hofft, diese Erfahrung auch machen zu dürfen: "Es heißt, dass man neu geboren zurückkehrt, dass das Erlebnis, das man dort hat, so tiefgreifend ist, dass man eine andere Sicht auf das Leben bekommt und seine Religion noch intensiver leben kann."

Faruk Schäfer hat diese Erfahrung gemacht. Er begibt sich dieses Jahr zum zweiten Mal auf die Reise nach Mekka. Für den 36-jährigen Familienvater ein unvergessliches spirituelles Erlebnis: "Als ich diese unglaublichen Menschenmassen in Mekka gesehen habe, die sich um einen einzigen Platz drehen, hatte ich das Gefühl, im Zentrum der Welt angekommen zu sein. Keiner kann sich dort diesem Gefühl entziehen, angekommen zu sein, in der wirklichen Heimat, vielleicht auch in seinem eigenen Selbst."

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