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Politik

Wettlauf gegen die Zeit

Für die Menschen aus der westsudanesischen Bürgerkriegs-Region Darfur, die in den Tschad geflohen sind, wird die Versorgungs-Lage immer schwieriger. Die anstehende Regenzeit wird Hilfslieferungen unmöglich machen.

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Die Not ist groß in den Flüchtlingslagern im Tschad

In wenigen Tagen, spätestens in ein paar Wochen werden die staubtrockenen Flussbetten um Abéché zu reißenden Bächen. Dann ist kein Durchkommen mehr für die Lastwagen. Bisher bringen diese Transporte noch fast täglich Tonnen von Zelten, Decken, Nahrungsmitteln und Medikamenten zu den Flüchtlings-Lagern im Osten des Tschad an der Grenze zum Sudan.

Flüchtlingslager überlastet

Sieben Lager hat das UNHCR in den letzten Monaten in sicherem Abstand zur Grenze eingerichtet, jedes war für 6000 Flüchtlinge gedacht. Doch diese Zahlen sind längst Makulatur, sagt Alphonse Malanda, Missionschef des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) im Tschad: "In nur zwei Monaten hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Und nach unseren Informationen müssen wir selbst während der Regenzeit mit weiteren Flüchtlingen rechnen, wenn die humanitäre Hilfe im Darfur nicht bald effektiv anläuft", sagt Malanda.

Wie im Tschad wollen die Helfer auch dort zunächst die Wasserversorgung sicherstellen. Nach wie vor terrorisieren aber arabische Milizen, so genannte Janjaweed, oft mit Unterstützung sudanesischer Soldaten, die gesamte Region. Sie brennen Dörfer nieder, ermorden die schwarzafrikanische Bevölkerung des Darfur - egal ob Christen oder Moslems - und stehlen die Viehherden. In den letzten Wochen gab es sogar Überfälle auf Flüchtlingsgruppen und Dörfer im Tschad, nahe der Grenze. Deshalb hat das UNHCR die sieben Flüchtlingslager rund 20 Kilometer tief ins Landesinnere gelegt. Außer den rund 76.000 Menschen in diesen Lagern irren noch schätzungsweise 100.000 Menschen ohne Schutz in der Grenzregion umher.

Vermittlungsversuch gescheitert

Eigentlich hatte die Regierung des Tschad Anfang April einen Waffenstillstand zwischen der sudanesischen Regierung und den im Darfur gegen die sudanesische Armee und die Janjaweed-Milizen kämpfenden Rebellengruppen vermittelt - gehalten hat der Waffenstillstand aber nicht. Besonders ernst hat die sudanesische Regierung die Vermittlungsbemühungen des Staatspräsidenten des Tschad auch offenbar nicht genommen. Denn die Armee des Tschad unterstützt vor allem die Rebellen der SLA (Sudan Liberation Army) mehr oder weniger offen.

Dass die Flüchtlinge in den Lagern im Tschad in dieser Situation keine Chance haben, weiß auch Alphonse Malanda. Es müsse eine politische Lösung geben, damit Sicherheit und Frieden im Darfur wiederhergestellt werden können. "Wenn diese politische Lösung nicht bald gefunden wird, wird die Anwesenheit der Flüchtlinge im Tschad enorme Auswirkungen haben."

Putschversuch im Tschad

Diese Auswirkungen sind schon zu spüren: Vor zwei Wochen gab es einen halbherzigen Putschversuch unzufriedener Soldaten in Ndjamena gegen Präsident Idriss Déby. Den konnten loyale Soldaten zwar zurückschlagen, aber mit einem Mal wirkt der starke Mann des Tschads angeschlagen. In Ndjamena halten sich hartnäckig Gerüchte, hinter dem Putschversuch steckten Mitgliedern seines eigenen Clans.

Auch Déby und sein Clan stammen aus dem Osten. Zakawa und Masalit, sesshafte schwarzafrikanische Bauern leben im Westsudan und im Osten des Tschad. Sie sind den arabischstämmigen Viehzüchtern seit langem ein Dorn im Auge und jetzt die Opfer der massiven Vertreibung durch die Janjaweed-Milizen. Streit um Weideland ist ein weiteres Motiv des aktuellen Konflikts. Präsident Débys Clan wirft ihm nun offenbar vor, nicht entschieden genug gegen die Vertreibung der Stammesbrüder aus dem Sudan vorzugehen.

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