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Filme

Warum "Dirty Dancing" weitaus mehr ist als eine Liebesschnulze

Vor 30 Jahren kam "Dirty Dancing" ins Kino. Dass er zu einem der größten Erfolge aller Zeiten werden würde, wusste damals noch niemand. Warum war der Film mehr als "nur" Sommer, Musik, Tanzen und die große Liebe?

Als "Dirty Dancing" vor 30 Jahren in die Kinos kam, hätte keiner vermutet, dass der Film einmal der beliebteste Frauenfilm weltweit werden würde. Bereits zum 20. Jubiläum des Kinostarts waren zehn Millionen DVDs des Blockbusters verkauft - zuvor war es bereits der erste Film überhaupt, der die 1-Million-Marke der DVD-Verkäufe geknackt hatte. Damit nicht genug: Auch die Musical-Version des Films brach bereits beim Vorverkauf in London 2006 alle Ticket-Rekorde. 2007 ergab eine internationale Umfrage, dass "Dirty Dancing" der beliebteste Film bei Frauen ist. Und sie schauen ihn sich gerne mehrmals an.

Seitdem kratzen sich Filmkritiker verwundert den Kopf: Was macht "Dirty Dancing" über all die Jahrzehnte hinweg so erfolgreich? In einer regelrechten Ode, welche die israelisch-amerikanische Journalistin Irin Carmon passenderweise mit ""Dirty Dancing, der beste Film aller Zeiten" betitelte, schreibt sie: "Es ist ein großer, mutiger Film für Frauen." Jennifer Grey würde in der Hauptrolle "Baby" eine willensstarke, idealistische Frau mit eigenen Interessen verkörpern. "Sie muss sich nicht für den Mann verändern - auch wenn sie im Laufe der Geschichte eine Transformation von einem unbeholfenem Mauerblümchen hin zu einer selbstbewussten Bühnentänzerin macht", schreibt Carmon.

Cynthia Rhodes, Jennifer Grey and Patrick Swayze, Filmstil Dirty Dancing 1987 (Foto: Imago)

"Baby" springt für Penny ein, die wegen einer Abtreibung ausfällt

Das sei vielleicht der Grund, warum sich so viele Frauen mit dem Film identifizieren könnten - die Heldin ist beides gleichzeitig: gewöhnlich und doch außergewöhnlich. Und eine Frau, die in Liebesangelegenheiten das Sagen hat.

Mehr als eine bloße Romance

Die vordergründige Geschichte "Häßliches Entlein erfährt die große Liebe" habe dem Film sicherlich bei seinem kommerziellen Erfolg geholfen, so Carmon weiter. Aber "Dirty Dancing" sei mehr als eine Coming-of-age Geschichte oder eine Teenager-Sommerromance. Im Kern sei es ein Blick auf das Erwachsenwerden in den USA der 1960er Jahre samt der damals vorherrschenden Klassenunterschiede.

So ist es die Arzttochter Baby, die sich während eines Familienurlaubs im gehobenen Kellerman's Resort in Johnny verliebt, einen Tänzer der Arbeiterklasse, angestellt, um die Gäste zu unterhalten. Ein uralter Plot: Sich in jemanden zu verlieben, der aus der "falschen" Familie kommt, ist so alt wie die Geschichte von Romeo und Julia. Einige Filmkritiker äußerten sich 1987 vor Kinostart daher nicht gerade wohlwollend.

Dirty Dancing als Musical (Foto: picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Erfolgreich auch als Musical. Hier im Admiralspalast in Berlin

Für die Drehbuchautorin und Produzentin Eleanor Bergstein steckte aber noch weitaus mehr in dem Liebesfilm. Sie platzierte in dem Plot eine subtile Anspielung auf das Thema Abtreibung, die dennoch so zentral wurde, dass sie nachträglich nicht mehr aus dem Film entfernt werden konnte. Obwohl nicht explizit genannt, wird deutlich, dass eine der Tänzerin schwanger wird und sich entscheidet, eine Abtreibung bei einem reisenden Arzt vorzunehmen - ein Eingriff, der 1963 in den USA illegal war. Begeistert waren von diesem Teil der Geschichte weder die Studio-Inhaber noch die Geldgeber. "Das Studio sagte zu mir: 'Okay Eleanor, wir bezahlen Dich, damit Du zurück in den Schneideraum gehst und die Abtreibungsszene rausschneidest'", erinnert sich Bergstein in einem Interview im "Bust"-Magazin.

Das Thema Abtreibung im Jahr 1963

"Ich hatte immer geahnt, dass dieser Tag kommen würde und war entsprechend vorbereitet. Ich antwortete: 'Das würde ich wirklich gerne tun, doch wenn ich die Szene rausschneide, bricht die ganze Geschichte zusammen. Dann wird es keinen Grund mehr geben, warum Baby für die Tänzerin Penny einspringen sollte und entsprechend würde sie nicht mit Johnny tanzen und sich auch nicht in ihn verlieben.'"

Die politischen Untertöne schreckte das Mainstream-Publikum nicht ab. Die meisten, die den Film immer wieder ansehen, finden sich in der Geschichte wieder und fiebern mit: Ein Sommer im Grünen. Musik und Tanzen. Hindernisse überwinden. Fliegen lernen und sich von Familienzwängen befreien. Ein klassischer Coming-of-age, der das Publikum unterhält. Oder wie Hauptdarsteller Patrick Swayze einmal sagte: "Das ist ein Film, der niemals sterben wird."

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