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Aktuell Europa

Warten auf den umstrittenen Hilfskonvoi an der ukrainischen Grenze

Der russische Hilfskonvoi für die Ostukraine rollt weiter in Richtung Grenze. Wie weit die Lastwagenkolonne inzwischen gekommen ist, ist unklar. Bei Kämpfen in der Region Donezk wurden mindestens fünf Menschen getötet.

Die rund 280 Lastwagen des russischen Hilfskonvois hatten sich nach einer nächtlichen Pause in der Stadt Woronesch am Morgen wieder in Bewegung gesetzt, wie die Staatsagentur Ria Nowosti meldete. Nach Fernsehberichten muss die Kolonne bis zur Grenze 500 Kilometer zurücklegen. Sie würden am Abend am Kontrollpunkt Schebekino-Pletnewka erwartet, hieß es in den Berichten. Allerdings war der drei Kilometer lange Konvoi am Mittwochnachmittag laut russischen Medienberichten noch immer mehrere hundert Kilometer von dem Grenzübergang entfernt. Nahe der Stadt Belgorod an der Grenze sollten die Güter an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben werden.

250.000 Menschen ohne Versorgung

Streit gab es zuletzt um die Details. Die Ukraine verlangte ein Umpacken der rund 2000 Tonnen Hilfsgüter auf "neutrale" Fahrzeuge. Russland kritisierte dies als "Hinhaltetaktik". Die Zeit dränge für die Hilfe, die an diesem Donnerstag in Luhansk ankommen soll. In der Stadt sind rund 250.000 Einwohner seit elf Tagen ohne Versorgung. Nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow sind alle Einzelheiten abgesprochen. Moskau habe einer Forderung aus Kiew zugestimmt, dass an der Grenze ukrainische Kennzeichen an den Fahrzeugen montiert würden. Zudem sollten Rotkreuz-Mitarbeiter die Führung der etwa drei Kilometer langen Kolonne übernehmen. Russland sei einverstanden, dass der Konvoi - wie von der Ukraine gefordert - zum Übergang Schebekino fahre, obwohl es ein Umweg sei, sagte Lawrow.

Kiew will Konvoi nicht ins Land lassen

Die ukrainische Regierung teilte hingegen mit, den Konvoi nicht ins Land lassen zu wollen. Innenminister Arsen Awakow schrieb auf Facebook, die Fahrzeuge dürften nicht in die Region Charkiw einfahren. Die Entsendung des Konvois bezeichnete Awakow als Provokation eines zynischen Aggressors. Auch Ministerpräsident Arseni Jazenjuk warf Russland "grenzenlosen Zynismus" vor. "Zuerst schicken sie Panzer, Grad-Raketen und Banditen, die auf Ukrainer schießen, und dann schicken sie Wasser und Salz", sagte er bei einer Kabinettssitzung. Der Sprecher von Präsident Petro Poroschenko, Swjatoslaw Zegolko, äußerte sich diplomatischer. "Kein zivilisiertes Land lehnt humanitäre Hilfe ab", sagte er.

Kiew befürchtet, dass Moskau unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen für Separatisten einschmuggeln könnte. Kremlsprecher Dmitri Peskow nennt den Vorwurf "absurd". In Moskau wurden bei einer nicht erlaubten Gedenkveranstaltung für zivile Opfer des Ukraine-Konflikts insgesamt 25 Demonstranten und Störer festgenommen. Zahlreiche Menschen hatten vor der ukrainischen Botschaft Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet. Störer beschimpften die Teilnehmer aber als "Verräter" und "Faschisten".

Tote in der Region Donezk

Bei schweren Gefechten ukrainischer Regierungstruppen mit prorussischen Separatisten sind in der Konfliktregion Donbass nach Angaben der Behörden erneut mindestens fünf Zivilisten getötet worden. Die ganze Nacht seien Explosionen zu hören gewesen, teilte der Stadtrat in Donezk mit. Damit sei die Zahl der Toten seit Wochenbeginn auf etwa 60 gestiegen, sagte ein Sprecher der Aufständischen der Agentur Interfax.

Die militante Bewegung "Rechter Sektor" teilte zudem in Kiew mit, dass zwölf ihrer Anhänger bei Kämpfen im Krisengebiet getötet worden seien. Die Männer seien in einem Bus in einen Hinterhalt geraten, sagte Parteisprecher Artjom Skoropadski dem Fernsehsender 112.ua. Die rechtsextreme Gruppierung hatte sich nach dem Sturz von Ex-Präsident Viktor Janukowitsch in eine Partei umgewandelt. Kampfwillige Mitglieder schlossen sich der Nationalgarde an.

cr/sti (dpa, afp)