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Deutschland

Wahl-Duell mit stumpfen Klingen

Sie mühten sich redlich, aber erfolglos: Das einzige Fernsehduell zwischen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Steinmeier endete mit einem Patt.

Kanzlerin Merkel und Kanzlerkandidat Steinmeier (Foto: dpa)

Hand in Hand: Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl lieferten sich die Christdemokratin Angela Merkel und der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier am Sonntagabend (13.09.2009) vor einem Millionenpublikum ein 90-minütiges Fernsehduell, in dem der Herausforderer einige Male angriffslustig wirkte, aber selten punkten konnte. Die Kanzlerin wich oft aus, machte jedoch mit großer Detailkenntnis Boden gut. Letztlich geriet das Duell zum Duett - und damit zum Plädoyer für eine Fortsetzung der Großen Koalition.

Lob für Schwarz-Rot

Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD habe gerade in der Krise ordentlich zusammengearbeitet, erklärte Merkel ebenso wie Steinmeier. So sei die Zahl der Arbeitslosen seit 2005 gesunken. Jetzt müsse aber ein noch entschiedenerer Kurs für mehr Arbeit eingeschlagen werden, sagte Merkel. Deshalb spreche sie sich für ein Ende des schwarz-roten Bündnisses aus. Die Kanzlerin wörtlich: "Ich strebe eine andere Koalition an." Mit der FDP seien die Gemeinsamkeiten größer als mit der SPD.

Steinmeier bekräftigte in der weitgehend sachorientiert geführten Debatte in Berlin seinen Anspruch auf das Kanzleramt. Auf die Frage, warum er Merkel ablösen wolle, sagte er: "Weil es eine bessere Alternative gibt - nämlich mich." Der SPD-Vize zeigte sich überzeugt, dass das Bundestagswahl-Rennen - trotz schlechter Umfragewerte für die SPD - noch offen sei. Zugleich wandte er sich abermals gegen eine Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit der Linkspartei auf Bundesebene.

Moderatoren und Duellanten im TV-Studio (Foto: dpa)

Gleich vier Sender übertrugen das Duell zeitgleich: Jeder schickte seinen eigenen Moderator: Frank Plasberg (Das Erste), Peter Limbourg (SAT.1), Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) v.l.n.r.

Zum vergleichsweise härtesten "Schlagabtausch" kam es beim Thema Steuern und Finanzen. Merkel verteidigte das Versprechen der Union, die Steuern zu senken. Zur Überwindung der Krise müssten alle Wachstumskräfte freigesetzt werden, mahnte sie. Steinmeier hingegen hielt der Kanzlerin vor, hier habe sie ein "Glaubwürdigkeitsproblem". Angesichts der hohen Staatsverschuldung Deutschlands seien die von CDU und CSU versprochenen Steuersenkungen völlig unrealistisch.

Richtung links oder rechts?

In seinem Schlussplädoyer betonte Steinmeier, dass es bei der Bundestagswahl um eine "Richtungsentscheidung" gehe. Schwarz-Gelb würde bedeuten, dass die Verursacher der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht zur Verantwortung gezogen würden. Auch dürfe sich "die Schere zwischen Arm und Reich" nicht weiter öffnen. Zudem würde eine Regierung von Union und FDP die Rückkehr zur Atomenergie bedeuten. Er rief die Wähler auf, sich die "Unterschiede klar zu machen". Er wolle eine Regierung führen, "die sozial denkt", und dafür sorgen, "dass Vernunft und Verantwortung in die Wirtschaft zurückkehrt".

Merkel hob zum Abschluss des Duells nochmals hervor, dass in der Wirtschaftskrise eine starke Regierung und eine klare Richtung nötig seien. Das gehe nur mit einer starken CDU/CSU. Das allerwichtigste sei, dass "Arbeit für alle" möglich sein müsse. An die Bürger gerichtet sagte sie: "Gemeinsam können wir viel erreichen, davon bin ich überzeugt."

Gleich zwei Sieger ?

Nach dem Duell sahen Spitzenvertreter von Union und SPD - erwartungsgemäß - jeweils ihre eigenen Partei als Sieger. "Merkel klar vor Steinmeier", erklärte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla pflichtgemäß. Zu einem ähnlich klaren Ergebnis kam SPD-Chef Franz-Müntefering nach den 90 Minuten: "Das war der Durchbruch" - natürlich für seinen Kandidaten. Es habe bisher noch kein Fernsehduell gegeben, bei dem sich einer der Kandidaten so klar durchgesetzt habe.

Laut ersten Umfragen konnten sich allerdings weder Merkel noch Steinmeier entscheidende Vorteile verschaffen. Bei Fragen wie "Wer hatte die besseren Argumente?", "Wen fanden Sie sympathischer?" und "Wer hat das TV-Duell gewonnen?" lagen zwischen den Kontrahenten jeweils nur wenige Prozentpunkte. (wa/SC/ap/dpa/afp)

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