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Wirtschaft

VW-Konzern steigert Ergebnis

Mit überraschend starken VW-Verkaufszahlen hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder seine Position im Machtkampf in der Führungsetage gestärkt. Der Nettogewinn stieg 2005 um rund 60 Prozent.

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VW experimentiert mit neuen Formen

Der Volkswagenkonzern hat einen Blitzstart in das neue Jahr hingelegt: In den ersten beiden Monaten lieferte VW 790.000 Autos und damit 15 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Damit wuchs der Konzern doppelt so schnell wie der Weltmarkt, erklärte VW-Chef Bernd Pischetsrieder am Dienstag (7.3.2006) in Wolfsburg bei der Bilanzvorstellung. Der Manager zeigte sich angesichts der guten Zahlen kampfbereit: "Ich möchte unseren Konzern gemeinsam mit unseren Kollegen zum Erfolg führen", sagte Pischetsrieder.

Restrukturierung

Der Konzernchef machte erste Angaben zur geplanten Restrukturierung bei der Kernmarke VW. Demnach wird die Produktion von Motoren und Getrieben als Kernkompetenz angesehen. Das gilt als Bestandszusage für die Werke Salzgitter (Motoren) und Kassel (Getriebe). Über das Komponentenwerk Braunschweig sagte Pischetsrieder nichts. Von der Sanierung könnten bis zu 20.000 Arbeitsplätze bei der Marke VW in Deutschland betroffen sein.

Pischetsrieder machte klar, dass die Marke VW und vor allem die Traditionswerke in Niedersachsen und Kassel nicht langfristig auf Quersubventionierung der gewinnträchtigen Marken wie Audi hoffen können. "Nachhaltigkeit heißt, dass wir auch in schlechten Zeiten unsere Investitionen finanzieren können, in allen Teilen des Konzerns. Damit vertragen sich Quersubventionen nicht", sagte er. Die Marke VW hatte 2005 nur knapp den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Einige westdeutschen Werke arbeiten mit Verlusten.

Unter Druck

Zu der von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch losgetretenen Diskussion um seine berufliche Zukunft äußerte Pischetsrieder sich nur verklausuliert: "Wir sind uns alle einig, dass wir uns aus innerer Überzeugung nicht auseinander dividieren lassen", sagte er über die Haltung im Konzernvorstand, zu dem auch Audi-Chef Martin Winterkorn gehört, der in Berichten als möglicher Nachfolger Pischetsrieders gehandelt wird. Zu seinem 2007 auslaufenden Vertrag sagte Pischetsrieder, die Diskussion gehöre "nicht in die Öffentlichkeit, sondern in den Aufsichtsrat". Pischetsrieder steht unter Druck, nachdem sein Amtsvorgänger - der jetzige Aufsichtsratschef Piëch - öffentlich über die Zukunft des VW-Bosses spekuliert hatte.

Er schickte ein freundliches Signal in Richtung der Arbeitnehmer, deren Zustimmung zu einer Vertragsverlängerung als offen gilt: "Man kann ein Unternehmen nur mit den Mitarbeitern und nicht gegen die Mitarbeiter führen", sagte er. Er spüre Druck von Seiten des Aufsichtsrats, die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen umzusetzen. "Der Druck des Aufsichtsrates, die finanziellen Ziele zu erreichen, ist da", sagte Pischetsrieder.

5,2 Millionen Autos ausgeliefert

Laut Pischetsrieder sollen in diesem Jahr Auslieferungen und Umsatz leicht steigen. 2005 hatte Volkswagen mit 5,24 Millionen Autos einen Auslieferungsrekord erreicht. "Der Blick in die nahe Zukunft lässt kein dynamisches Wachstum oder wesentliche Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prognostizieren", sagte der Konzernchef. Der Weltmarkt werde um 1,2 Prozent auf 53,6 Millionen Fahrzeuge wachsen. Die starken Zuwächse von VW seit Jahresbeginn würden sich nicht in dem Maß fortsetzen.

Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg 2005 um 54 Prozent auf 3,14 Milliarden Euro, der Reingewinn um 61 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte 2005 um über 7 Prozent auf 95,3 Milliarden Euro. Das Sparprogramm ForMotion brachte 3,5 Milliarden Euro ein. Der größte Teil des Gewinns kam von den Töchtern Audi und Financial Services. Pischetsrieder verdiente im Jahr 2005 rund 2,835 Millionen Euro. Das sind 200.000 Euro oder 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus vorgelegten Bilanz hervorgeht.

In den USA erwartet Volkswagen nach den Worten von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auch für 2006 operative Verluste. Er gehe von einer erheblichen Verbesserung in den USA aus, sagte Pötsch. Der Konzern werde aber auch im laufenden Jahr in den USA noch keine schwarze Zahlen schreiben. Pötsch machte Fortschritte in der angekündigten Sanierung der inländischen Werke zur Voraussetzung für eine Rückkehr in die Gewinnzone in Nordamerika. Der Wolfsburger Konzern hatte 2005 in den USA abermals hohe operative Verluste eingefahren. (stu)

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