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Wirtschaft

20.000 VW-Stellen in Gefahr

Volkswagen kündigt tief greifende Restrukturierung an, schließt aber betriebsbedingte Kündigungen aus. Dennoch seien neue Verhandlungen mit Betriebsrat und IG-Metall nötig, sagte Pischetsrieder am Freitag.

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Der erste Eindruck täuscht: Bei VW läuft es nicht wirklich rund

Europas größter Autobauer Volkswagen setzt bei seinen deutschen Werken den Rotstift an. Die Konzernführung hat am Freitag (10.2.2006) nach einer Tagung des VW-Aufsichtsrat-Präsidiums ein "tief greifendes Restrukturierungsprogramm" zur Verbesserung der Ertragskraft angekündigt. Davon könnten in den nächsten drei Jahren bis zu 20.000 Mitarbeiter im direkten und indirekten Bereich der Kernmarke VW betroffen sein. Bei dieser Zahl handele es sich aber nicht um eine Zielgröße für einen Personalabbau erklärte Konzernchef Bernd Pischetsrieder.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Pischetsrieder schloss betriebsbedingte Kündigungen aus und bekannte sich ausdrücklich zum Tarifvertrag vom November 2004. Demnach sind die gut 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen VW-Werken bis zum 31. Dezember 2011 garantiert. Die Stellen zu erhalten und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, sei unter den "derzeitigen Rahmenbedingungen" aber nicht möglich, erklärte der VW-Chef. Deshalb strebe er zügige Verhandlungen mit Betriebsrat und IG-Metall an.

"Völlig unbefriedigendes Ergebnisniveau"

VW - Pk Bernd Pischetsrieder

VW-Chef Bernd Pischetsrieder nach der Präsidiumssitzung des Aufsichtsrats am Freitag

Schwerpunkte der Umstrukturierung sollen die Beseitigung von Produktivitätsdefiziten, insbesondere in den Fahrzeugmontagewerken, und die Neuordnung der Komponentenfertigung sein. Ziel sei das Erreichen wettbewerbsfähiger Arbeitskosten und die volle Auslastung der Werke durch Kapazitätsanpassung. Presseberichten zufolge erwägt VW den Verkauf mehrerer Komponentenwerke.

Mit Hilfe der Umbaumaßnahmen solle das "völlig unbefriedigende" Ergebnis der Marke angehoben werden, das 2005 "nur knapp über der Null-Linie" gelegen habe, betonte Pischetsrieder.

Wulff: VW muss in fünf Jahren "neu aufgestellt sein"

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) forderte von VW, der Auto-Konzern müsse in fünf Jahren "neu aufgestellt sein". Denn nur "fitte Unternehmen" könnten dauerhaft Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Das Land Niedersachsen ist nach Porsche zweitgrößter VW-Aktionär.

Indes konnte der VW-Konzern sein Ergebnis im vergangenen Jahr dank des Sparprogramms "ForMotion" deutlich verbessern. Das operative Ergebnis nach Sonderposten stieg um 70 Prozent auf 2,792 Milliarden Euro. Im schwächelnden Konzernbereich Automobile verbesserte sich das operative Ergebnis von 1,2 auf rund 1,9 Milliarden Euro.

Damit lag der Anstieg dieser Ertragszahlen höher als von Analysten erwartet, sodass VW-Aktien ihre Kursgewinne - auch als Reaktion auf das angekündigte Restrukturierungsprogramm - ausbauten. Sie zogen um 3,91 Prozent auf 52,60 Euro an. (ana)

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