1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

VW will mit massivem Stellenabbau die Kurve kriegen

Mehrere Tausend Stellen sollen weg - die Mitarbeiter protestieren nicht. Sie fürchten, dass profitable Modelle in Zukunft im billigeren Ausland gefertigt werden, falls VW in Deutschland nicht genügend spart.

default

Bei VW hängt der Haussegen schief - obwohl die Absatzzahlen steigen

Der größte Autobauer Europas will in verschiedenen Ländern kürzen, vor allem aber im deutschen Stammwerk in Wolfsburg mit knapp 50.000 Beschäftigten. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen werden, hat VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder noch im Unklaren gelassen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet von insgesamt etwa 14.000 Stellen.

VW-Zentrale

Dunkle Wolken über dem Werk in Wolfsburg

Für die VW-Belegschaft kam die Nachricht nicht wirklich überraschend. Schon im August hatte Pischetsrieder einige Andeutungen gemacht, bei einer Betriebsversammlung ließ er dann die Katze aus dem Sack. Er sprach über die schwierige Situation des Konzerns und von einem Personalüberhang von mehreren tausend Mitarbeitern. Angesichts des weltweiten Wettbewerbs-Drucks müsse der Konzern in allen Bereichen sparen. Und das trotz steigender Absatzzahlen.

Vorruhestand und Altersteilzeit

"Wir möchten natürlich möglichst wenig Mitarbeiter abbauen", betont Unternehmenssprecher Dirk Große-Leege. Der Weg führe sowohl über weniger Mitarbeiter als auch über andere Kosteneinsparungen, sagt er. "Aber über die konkreten Maßnahmen müssen wir mit dem Betriebsrat reden, das können wir hier nicht öffentlich tun."

Bernd Pischetsrieder

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Bernd Pischetsrieder, sieht seinen Konzern unter Wettbewerbsdruck

Um Stellen abzubauen, will sich VW an den Tarifvertrag halten und dabei Instrumente wie Vorruhestand und Altersteilzeit nutzen. Außerdem will der Konzern Mitarbeiter gezielt ansprechen und ihnen Aufhebungsverträge anbieten. Der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht darin keine Verletzung des Tarifvertrages. Er hat Verständnis für die Maßnahmen: "Wir haben zur Zeit Nachfrage-Probleme, wir können die Standorte nicht so auslasten, wie wir es gerne möchten." Andere Konzerntöchter, wie etwa Skoda in Tschechien, arbeiten dagegen profitabel.

Zugeständnisse für "Marrakesch"

Die Beschäftigten bei Volkswagen reagierten mit Fassung. "Ich denke, das ist der Lauf der Zeit. Das ist halt einfach so", sagt ein Mitarbeiter. "Wir müssen auf jeden Fall den Gürtel enger schnallen. Wir können nicht mit Werken anderer Länder konkurrieren, denn die Kosten bleiben hier ja gleich."

Auch der Streit darüber, welches Werk den neuen VW-Geländewagen "Marrakesch" auf Golf-Basis bauen soll, ist noch nicht entschieden. Wolfsburg soll den Zuschlag nur erhalten, wenn die Beschäftigten zu weiteren Zugeständnissen bei den Arbeitskosten bereit sind. Ansonsten droht der Konzern, die Produktion nach Portugal zu verlagern. Dort könne der Wagen pro Stück 1000 Euro billiger produziert werden. In Wolfsburg würden dann etwa 1000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Zu unentschlossen, zu langsam

Skoda-Werk in Pilsen

Im Gegensatz zur Marke Volkswagen schreibt die tschechische Tochter Skoda schwarze Zahlen

Weht nun ein anderer Wind in den Hallen des Autokonzerns? Zumindest steht viel auf dem Spiel. Denn bislang galt die Kooperation von Geschäftsführung und Gewerkschaften bei Volkswagen als beispielhaft. Doch die Zeiten haben sich geändert, sagt Albrecht Denninghoff, Auto-Analyst der Hypo-Vereinsbank in München. Und der geplante Stellenabbau sei schmerzlich, aber unausweichlich. "Der Konzern hat große Anstrengungen in bessere Produkte gesteckt. Stichwort: Der neue Golf fünf, der im Verhältnis zu seinen Vorgänger-Modellen ein sehr großer Schritt nach vorn ist."

Doch insgesamt, sagt Denninghoff, sei der Konzern zu behäbig geworden. Auf einzelnen Märkten seien Wettbewerber davon gefahren, weil "man nicht entschlossen oder schnell genug mit genügender Sachkenntnis auf den globalisierten Märkten operiert hat".

Die Redaktion empfiehlt