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Wirtschaft

Volkswagen in tiefem Tal

Die fetten Zeiten bei Volkswagen sind vorbei. Nach einem drastischen Gewinneinbruch steht der Konzern vor der radikalsten Sparkur seiner Geschichte. 5000 Arbeitsplätze sind bedroht.

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Auch auf den Golf ist nicht mehr Verlass

"Wir richten uns darauf ein, dass es ein längeres Tal wird", sagte Bernd Pischetsrieder am Dienstag (9.3) bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Wolfsburg. Nachdenklich und ernst gab sich der VW-Chef, der seit zwei Jahren die Geschicke von Europas größtem Autobauer lenkt. Insgesamt vier Milliarden Euro will der Konzern bis Ende 2005 einsparen. Das ist doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Mit dem radikalsten Sparpaket seiner Geschichte reagiert Volkswagen auf die anhaltend schwache Autokonjunktur und den Gewinneinbruch von 2003.

5000 der insgesamt 337.000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, davon 2000 bis 2500 allein in Deutschland. Kürzungen sind beim so genannten "indirekten Personal" geplant. Das sind jene Mitarbeiter, die nicht direkt an den Montagebändern in den Werkshallen stehen. Dazu gehören Verwaltungsangestellte oder Servicepersonal. Die Stellenreduzierung soll durch Vorruhestandsregelungen und freiwillige Kündigungen erreicht werden. Einen Einstellungsstopp oder Werkschließungen werde es nicht geben, versicherte Pischetsrieder.

Sparen, sparen, sparen

Die Stellenstreichungen sind nur ein Teil des Sparpakets "For Motion". Auch bei der Entwicklung sieht Pischetsrieder Einsparpotential. So sollen die Entwicklungszeiten neuer Autos reduziert werden. Auch der Einbau gleicher Teile in unterschiedliche Modellreihen soll deutlich ausgeweitet werden. Ziel ist es, die Stückkosten zu verringern, ohne jedoch die "hohen Qualitätsstandards" zu gefährden. Als Reaktion auf den starken Euro will der VW-Chef mehr Produktion in den Dollar-Raum verlagern. Im mexikanischen Werk Puebla soll künftig ein Modell gebaut werden, das Module der dort bereits gebauten Autos Bora und Jetta nutzt.

Insgesamt zeigte sich Pischetsrieder sehr unzufrieden mit der Lage auf den Automärkten und dem VW-Ergebnis. Das erste Quartal werde für VW auch im Vergleich zum Vorjahr "miserabel", sagte der VW-Chef. 2003 hatten hohe Anlaufkosten für neue Modelle, der starke Euro und die Sanierung des Brasilien-Geschäfts das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen 2003 auf 1,8 Milliarden Euro (minus 62,6 Prozent) gedrückt. Ungeachtet des verlangsamten Wachstums will VW 2004 das operative Ergebnis des Vorjahres von 2,5 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen dennoch übertreffen. Angesichts des zunehmenden Preisdrucks, der schwachen Konjunktur und der ungünstigen Wechselkurse sei dies aber ein "durchaus anspruchsvolles Ziel", sagte Pischetsrieder.

Licht im trüben Tal

Dennoch sieht der Konzernchef auch Lichtblicke. Der neue Golf habe sowohl im Volumen als auch in der Produktqualität "neue Maßstäbe" gesetzt. Der Golf V fahre seit Jahresbeginn allen Wettbewerbern in den Zulassungsstatistiken davon. Allerdings habe sich VW "noch mehr vorgenommen". Seit Mitte Oktober seien bereits 210.000 neue Golf von den Bändern gerollt. Pischetsrieder kündigte an, VW wolle künftig in allen relevanten, lukrativen Nischen vertreten sein.

So werde sich Seat bei der "Modelloffensive" mit neuen Autos in der Preisposition leicht nach oben entwickeln. Die Marke Skoda biete im unteren Bereich der Preisskala eine Alternative etwa zu den asiatischen Wettbewebern. Außerdem will VW 2005 in Europa ein Auto in der Preisklasse "deutlich" unter 10.000 Euro einführen. Dessen brasilianische Variante, der Fox, sei bereits ein großer Erfolg.

Hohes Wachstumspotential bietet für die Wolfsburger China: Auf dem boomenden Markt habe VW es trotz wachsender Konkurrenz geschafft, seinen Marktanteil von rund 30 Prozent zu halten. Auf dem Heimatmarkt Deutschland werde sich VW jedoch noch eine ganze Weile lang schwer tun, räumte Pischetsrieder ein. (stl)

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