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Wirtschaft

Ford und GM vor der wirtschaftlichen Rosskur

Ford und General Motors geht es in den USA schlecht – während Toyota dort kräftige Zuwächse einfährt. GM sehen manche schon in der Insolvenz. Was haben die US-Autogiganten falsch gemacht?

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Verpasste Trends und Kampf mit Altlasten

Während in Detroit auf der North American International Auto Show (noch bis 22. Januar 2006) die Konzeptautos bejubelt werden, haben Ford und General Motors den Blues. Ford hat 2005 vier Prozent weniger Autos verkauft, GM sieben Prozent weniger. Dagegen glänzt Toyota mit einem Zuwachs von elf Prozent, und Honda staubte bei der Auto Show zweimal den Preis für den besten Wagen Nordamerikas ab. Auch viele deutsche Hersteller - Audi, BMW und Porsche zum Beispiel - haben von der Schwäche der Giganten profitiert.

Pensionen als Ballast

Die Entlassungen tun ihm sehr leid, Rick Wagoner von General Motors

General-Motors-Chef Rick Wagoner muss einen harten Sparkurs fahren

"GM und Ford haben Unternehmensstrukturen, die aus der Steinzeit stammen", erklärt Dr. Helmut Becker, Autoexperte beim Münchener Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. "Auch die Führungsethik passt einfach nicht in die Zeit. Sie müsste viel flexibler sein."

Dazu kam in den USA eine Rabattschlacht, die auf Kosten der Erträge ging. Und beide Unternehmen hätten an den betrieblichen Pensions-Verpflichtungen schwer zu tragen, die in früheren Tarifverträgen vereinbart worden seien. Becker schätzt, dass allein dadurch jedes Auto 5000 bis 6000 Dollar mehr kostet. GM häufte auch dadurch in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 einen Verlust in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar an.

Trends verschlafen

General Motors - Auto Show Detroit

Auf North American International Auto Show in Detroit zeigt GM immerhin ein Auto mit Wasserstoffantrieb

Vor allem hätten die beiden Konzerne den Markt falsch eingeschätzt und auf die veränderten Kundenwünsche nicht reagiert, meint Becker. Denn bei Benzinpreisen von zeitweise bis zu drei Dollar pro Gallone – für die USA viel, zumal viele Autos in der Stadt gern 20 Liter schlucken – entdecken die Amerikaner die Kleinwagen. Becker kritisiert: "Das haben Ford und GM verschlafen." Und so stehen in Detroit wieder Spritvernichter wie Fords Truck-Studie Superchief oder der fünf Meter lange Geländewagen GMC Yukon auf den Podesten.

Zwar hat Ford auch die noch recht handliche Studie Reflex am Stand, und Chevrolet den kleinen Aveo. Aber der wird bei der GM-Tochter Daewoo in Korea gebaut. Auch Honda, Nissan und Toyota bringen Kleinwagen einfach schneller auf den US-Markt als die Amerikaner selbst. Hinzu kommt, dass Toyota und deren Nobelmarke Lexus mit dem sparsameren Hybridantrieb längst Punkte machen – "die Amerikaner haben die Technik gar nicht, und die Europäer versuchen es immer noch mit dem Diesel", sagt Becker.

Insolvenz als letzte Rettung?

Saab Autowerke in Trollhättan Schweden General Motors

Von der chronisch defizitären Tocher Saab will General Motors sich nicht trennen - trotz Sparzwang

Jetzt fahren die Konzerne in "Motown" Detroit einen harten Sparkurs. Ford, beheimatet im Vorort Dearborn, will bis zu 30.000 Stellen streichen und zehn Werke zumachen – "harte und schmerzvolle Einschnitte" hat Konzernchef Bill Ford jr. prophezeit. GM plant den Abbau von mindestens genauso vielen Arbeitsplätzen und die Schließung von zwölf Fabriken. Auf europäische Töchter wie Opel und Saab soll das erstmal keine Auswirkungen haben, betonte der Chef von GM Europe, Carl-Peter Forster. Außerdem, schreiben amerikanische Zeitungen, wolle General Motors die Listenpreise seiner Autos senken, um in den meisten Fahrzeugkategorien Preisführer zu werden und von den hohen Rabatten herunterzukommen.

Hier und da wurde schon gemunkelt, General Motors würde Insolvenz anmelden, um sich der Pensionszahlungen zu entledigen. Auch Becker hält das für den einzig möglichen Weg. "Der Absatz schrumpft dermaßen - in einer solchen Lage ist eine Sanierung quasi ausgeschlossen", erklärt er. Dagegen sagte GM-Chef Rick Wagoner, sein Unternehmen werde die Krise anders überwinden.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Sanierung ist Chrysler: Der heutige Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche baute 26.000 von 120.000 Stellen ab; die Modelle kommen auch wieder besser an.

Warnung für Europa Die Krise sollte übrigens auch den europäischen Herstellern eine Warnung sein, selbst wenn hier bisher keine Werke schließen müssten, erklärt Becker: Auch hier hätten die Unternehmen durch Missmanagement, etwa durch BMWs Scheitern bei Rover, Geld "verdaddelt", statt schon früh neue Technologien zu entwickeln.

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