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Aktuell Asien

Viele Tote bei Bombenanschlag in Pakistan

Bei einem Bombenattentat in Pakistan sind mindestens 55 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Der Sprengsatz explodierte während des Freitagsgebets in einer schiitischen Moschee.

Die Wucht der Detonation war so heftig, dass sie das Dach des Gotteshauses in Shikarpur in der Provinz Sindh niederriss. Nach der Explosion, so berichten Augenzeugen, eilten Hunderte Menschen herbei, um Verschüttete aus den Trümmern der Moschee zu befreien.

Selbstmordattentäter oder Sprengsatz?

"Das ganze Gebiet ist voller Blut und Leichenteile, Menschen schreien - es ist das Chaos", erzählt ein weiterer Augenzeuge. Fernsehbilder zeigen, wie die Opfer des Bombenanschlags in Autos, mit Rikschas und auf Motorrädern ins Krankenhaus gebracht wurden. Vor dem Gebäude protestierten wütende Angehörige dagegen, dass die Verletzten angeblich nicht ausreichend versorgt würden.

"Schiiten sind unsere Feinde"

Wie der Sender Geo TV unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, hatte sich ein junger Selbstmordattentäter während des Freitagsgebets mitten unter den Besuchern des schiitischen Gotteshauses in die Luft gesprengt. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings noch nicht. Die Polizei machte zum Hergang bislang keine Angaben.

Zu dem Anschlag bekannte sich die radikalislamische, sunnitische "Jundullah", eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban. Der Anschlag habe der schiitischen Gemeinde gegolten, erklärte ein Sprecher der sunnitischen Gruppe und weiter: "Sie sind unsere Feinde." In Pakistans größter Stadt Karachi blockierte eine Gruppe von Schiiten am Abend aus Protest gegen den Anschlag die Hauptverkehrsstraße.

Zu wenig Schutz für Minderheiten

Schiitenführer Amin Shaheedi kritisierte, die Regierung habe dabei versagt, solche Angriffe zu verhindern. Zudem kündigte er eine dreitägige Trauer an. Premier Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Am Donnerstag hatten die pakistanischen Behörden erklärt, religiöse Minderheiten künftig besser zu schützen. Sicherheitskräfte sollten unter anderem Gotteshäuser verstärkt bewachen. Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) einen mangelnden Schutz der Minderheiten in dem Land beklagt.

Der Bombenanschlag von Shikarpur ist bereits der zweite innerhalb von drei Wochen auf schiitische Gläubige in Pakistan. Erst am 10. Januar hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Attentat auf eine schiitische Moschee in der nordpakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi mindestens acht Menschen mit in den Tod gerissen.

Tausend schiitische Todesopfer

Die Gewalt zwischen den religiösen Gruppen in Pakistan hat deutlich zugenommen. In den vergangenen zwei Jahren wurden etwa tausend Schiiten getötet. Viele Anschläge werden von sunnitischen Extremistengruppen verübt. Sie halten die Angehörige der schiitischen Minderheit für Glaubensabtrünnige. Etwa 20 Prozent der pakistanischen Bevölkerung sind Schiiten.

Demonstranten zeigen ihre Wut über den Bombenanschlag auf die Moschee in Shikarpur (Foto: AFP)

Pakistanische Schiiten protestieren in Karachi gegen den Bombenanschlag in der Mosche von Shikarpur

Mitte Dezember hatten radikalislamische Taliban einen Anschlag auf eine Schule der Armee in der nordwestlichen Stadt Peshawar verübt und dabei fast 150 Menschen getötet, die meisten der Opfer waren Kinder. Das Massaker löste in Pakistan große Empörung und Abscheu aus und wurde auch international scharf verurteilt. Als Reaktion verschärfte die Regierung in Islamabad ihr Vorgehen gegen Extremisten und hob ein Moratorium über die Vollstreckung der Todesstrafe auf.

cw/qu (dpa, rtr, afp)