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Wirtschaft

Viel Kritik und offene Fragen bei der VW-Hauptversammlung

VW-Chef Bernd Pischetsrieder schwört den Autokonzern auf einen noch härteren Sparkurs ein. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wurde von Aktionärsvertretern scharf kritisiert und zum Rückzug aufgefordert.

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Bei VW soll weiter gespart werden

Pischetsrieder schilderte die Lage des Konzerns in düsteren Farben, Einzelheiten der geplanten Sanierung des Autobauers wollte er aber nicht nennen. "Wir werden erst darüber sprechen, wenn Ergebnisse vorliegen", sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch (3.5.2006) in Hamburg auf der Hauptversammlung. Man sei meilenweit von den eigenen Zielen entfernt, betonte er. Details der Sparpläne hielt Pischetsrieder unter Hinweis auf laufende Gespräche weiter geheim. Laut früheren Angaben könnten bis zu 20.000 Jobs betroffen sein, rund ein Fünftel aller Stellen in westdeutschen VW-Fabriken.

Vertragsverlängerung nach wochenlanger Debatte

Der Vertrag des 58-jährigen VW-Chefs war am Vortag um fünf Jahre bis April 2012 verlängert worden. Der Aufsichtsrat entschied einstimmig, obwohl zuvor wochenlang über massiven Widerstand der Arbeitnehmerseite spekuliert worden war.

VW Hauptversammlung Ferdinand Piech und Bernd Pischetsrieder Titel

Die Vertrautheit täuscht: Vorstandsvorsitzender Pischetsrieder (r.) und Aufsichtsratschef Piëch

Aufsichtsratschef Piëch wurde vor allem vorgeworfen, mit seinen öffentlichen Zweifeln an einer Vertragsverlängerung Pischetsrieders den Vorstand geschwächt zu haben. Auch Interessenkonflikte angesichts des Einstiegs von Porsche bei VW wurden angeprangert. Der langjährige VW-Chef Piëch sitzt auch im Porsche-Aufsichtsrat. Die Piëch-Familie ist ein wichtiger Porsche-Aktionär. Porsche ist größter VW-Aktionär mit einem Anteil von rund 21 Prozent.

Ausschuss soll überwachen

Pischetsrieder betonte, der Aufsichtsrat habe bereits im Februar einen Ausschuss eingerichtet, der die Geschäftsbeziehungen von Volkswagen mit Aktionären überwachen soll, die mehr als fünf Prozent der Stimmrechte halten.

Eindringlich forderten Aktionärsvertreter ferner eine lückenlose Aufklärung der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Konzernkosten sowie eine rasche Sanierung der spanischen Tochter Seat.

Keine Quersubventionierungen mehr

Volkswagen müsse weltweit mit schärferem Wettbewerb rechnen, warnte Pischetsrieder. "Es geht nicht darum, dass der Konzern heute in seiner Existenz gefährdet ist. Aber trotzdem müssen wir heute handeln, um morgen den verschärften Angriffen unserer Wettbewerber erfolgreich begegnen zu können." Dabei werde der Konzern ohne eine Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW nicht erfolgreich sein. Kostenstrukturen, die weit über denen der Wettbewerber lägen, könnten nicht dauerhaft "durch Quersubventionen gesundgerechnet werden", sagte Pischetsrieder. Vor allem die Produktion in den westdeutschen VW-Werken ist teilweise deutlich teurer als im Branchendurchschnitt.

Mit einem bisherigen Effizienz-Programm hatte VW 2005 Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro erzielt - 400 Millionen mehr als geplant. Der Preisdruck im Markt und die Wechselkurse hätten den Nettoeffekt der Sparmaßnahmen jedoch geschmälert, so Pischetsrieder. Ziel des nachfolgenden Sparprogramms ist ein Vorsteuergewinn von 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2008, gegenüber 2004 ein Plus von vier Milliarden. Als eine treibende Kraft hinter dem harten Sparkurs gilt VW-Markenchef Wolfgang Bernhard. (kap)

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