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Europa

Verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit

Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien suchen mehr als 5000 Helfer im verwüsteten L'Aquila und der Umgebung nach möglichen Überlebenden der Naturkatastrophe.

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Verzweifelt durchsuchen Rettungskräfte die Trümmerberge nach Überlebenden

Bislang wurden 235 Todesopfer geborgen.. Mindestens 1500 Menschen seien verletzt worden, 100 von ihnen schwer, teilte die Zivilschutzbehörde mit. 15 Personen werden noch vermisst. Die Suche in der von Wassermangel und Energie-Notstand betroffenen Region werde noch 48 Stunden fortgesetzt, "bis zur Gewissheit, niemanden mehr lebend zu bergen zu können", sagte Regierungschef Silvio Berlusconi.

Erdbeben in Italien mehrere Tote

Glücksmoment! Helfer bergen einen Verschütteten lebend

Seit dem Erdstoß am Montag, dem folgenschwersten in Italien seit 1980, als 3000 Menschen ihr Leben verloren, wurden mehr als 280 Nachbeben gezählt. Eines der schwersten ereignete sich 19.42 Uhr am Dienstagabend (07.04.2009). Das Epizentrum lag erneut in den Abruzzen und ließ in der Stadt L'Aquila und mehreren Orten der Umgebung weitere Häuser einstürzen. Es dauerte mehrere Sekunden und war in verschiedenen Regionen Italiens spürbar, auch in der Hauptstadt Rom. Nach Angaben des Katastrophenschutzes erreichte der jüngste Erdstoß eine Stärke von 5,3 auf der Richterskala. Erste Meldungen über ein weiteres Opfer wurden wenig später dementiert.

Berlusconi verspricht raschen Wiederaufbau

Angesichts der Gefahr weiterer Beben warnte Ministerpräsident Sivio Berlusconi die Bewohner evakuierter Stadtteile vor einer Rückkehr. Die bergige Gegend in den Abruzzen erschwert die Arbeit der Bagger und Kräne. Jeder neue Erdstoß sorgt für Panik in der Bevölkerung und verursacht neue Schäden. Unruhe lösten auch falsche Alarmmeldungen über angeblich neue Erdstöße aus, die Unbekannte über Telefon oder per SMS gaben. Berlusconi reiste am zweiten Tag hintereinander nach L'Aquila, um einen raschen Wiederaufbau zuzusagen. "Wir lassen euch nicht im Stich", rief er den notleidenden Menschen zu. 20 Zeltstädte für 14.500 Menschen stünden bereit, sagte er. Die 17.000 betreuten Obdachlosen sind überwiegend bereits in Zelten untergebracht worden. Viele wurden in Unterkünfte an der Adria gefahren.

Inmitten von Schock und Trauer gab es aber auch gute Nachrichten: Rund 42 Stunden nach dem Beben wurde eine Frau von Rettungsmannschaften lebend aus den Trümmern gezogen. Die Helfer entdeckten die 20-jährige Studentin in den Ruinen eines fünfstöckigen Hauses in der Innenstadt von L'Aquila. Sie hatte in einem Hohlraum überlebt. Bis auf eine Verletzung am Arm ist die Frau offenbar in guter Verfassung. Sie wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Etwa 150 Erdbebenopfer konnten bis zur Stunde lebend geborgen werden, doch mit jeder Stunde die vergeht, sinkt die Chance weitere Überlebende zu finden.

Zerstörung durch das Erdbeben in L'Aquila Italien

Zerstörung soweit das Auge reicht

Angst vor Plünderungen

Satellitenbilder zeigen das ganze Ausmaß der Verwüstung in dem etwa 100 Kilometer nordöstlich von Rom gelegenen L'Aquila. In die Diskussion über eine offensichtlich nicht erdbebensichere Bauweise in Mittelitalien hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf eingeschaltet. Das Beben vom Montag habe das Hospital San Salvatore in L'Aquila zu 90 Prozent zerstört, sagte eine WHO-Sprecherin und unterstrich damit die Notwendigkeit katastrophensicherer Krankenhäuser. Auch in Italien kritisierten Fachleute von neuem die unzureichende Bauqualität, zumal auch zahlreiche jüngere Gebäude eingestürzt seien. Die von dem Beben am stärksten betroffenen Regionen wurden von Sicherheitskräften abgeriegelt, um Plünderungen zu verhindern, wie ein Polizeisprecher dem Fernsehsender Sky Italia sagte. Betroffen waren unter anderem die Innenstadt von L'Aquila und die Orte Paganica und Onna. Polizeichef Antonio Manganelli zufolge wurden mehrere Menschen wegen Plünderungen in verlassenen Häusern festgenommen.

Erdbeben in Italien Hunderte Menschen vor einem Zeltlager

Tausende Obdachlose müssen bei Minusgraden die zweite Nacht in Zelten verbringen

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier bot Italien unterdessen Hilfe an. In einem am Dienstag in Berlin veröffentlichen Kondolenzschreiben an seinen römischen Kollegen Franco Frattini heißt es: "Wir sind jederzeit bereit, den Einsatz der italienischen Katastrophenhilfe nach Kräften zu unterstützen." Auch US-Präsident Barack Obama hat dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi Unterstützung zugesagt. Wie das Weiße Haus mitteilte, übermittelte Obama in einem Telefonat am Dienstag sein tiefes Mitgefühl und erklärte, die USA würden für die Menschen in Italien beten. Bisher jedoch lehnt Berlusconi sämtliche Hilfsangebote anderer Staaten mit der Begründung ab, Italien könne das Notwendige allein leisten. Die Opposition nannte das "unverständlich".(fg/dpa/AP/AFP/Reuters)

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