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Aktuell Europa

US-Botschafter von Prager Burg verbannt

Äußerungen des US-Botschafters in Prag haben zu Unmut zwischen den USA und Tschechien geführt. Hintergrund ist die geplante Moskau-Reise von Tschechiens Präsident Zeman zur Parade zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes.

Tschechiens Präsident Milos Zeman war wenig angetan von den Äußerungen Andrew Schapiros. Der US-Botschafter in Prag hatte die geplante Teilnahme Zemans an der Militärparade kritisiert, mit der auf dem Roten Platz in Moskau am 9. Mai alljährlich des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland gedacht wird. Als "ziemlich heikel" hatte Schapiro Zemans Reise-Pläne bezeichnet.

Tschechiens Präsident Milos Zeman bei einer Abstimmung im Parlament in Prag (Foto: REUTERS/Petr Josek)

Verärgert: Tschechiens Präsident Milos Zeman

"Ich lasse mir von keinem Botschafter in meine Auslandsreisepläne hineinreden", konterte Zeman und legte nach: Die Tore des Präsidentensitzes in der Prager Burg seien für Schapiro verschlossen, sagte der tschechische Präsident dem Nachrichtenportal "Palamentnilisty". Seine Teilnahme in Moskau hatte Zeman unter anderem erklärt als "Ausdruck der Dankbarkeit dafür, dass wir in diesem Land nicht Deutsch sprechen müssen".

Die Militärparade am 9. Mai ist vor allem für Russland der Höhepunkt des Gedenkens zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes. Mit mehr als 20 Millionen Toten hat kein Land mehr Verluste erlitten, als die damalige Sowjetunion.

Russische Panzer fahren anlässlich der Militärparade am 9. Mai 2014 über den Roten Platz in Moskau (Foto: REUTERS/Grigory Dukor)

Russische Panzer bei der Militärparade in Moskau am 9. Mai 2014

Viele Europäer machen sich rar

Zum Tag des Sieges über Hitlerdeutschland hat Russland offizielle Einladungen an Dutzende Staaten verschickt. Doch anders als noch 2005 haben viele Staats-und Regierungschefs die russische Einladung abgelehnt. Nach der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim und wegen des anhaltenden Konflikts im Osten der Ukraine sind die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen angespannt. US-Präsident Barack Obama wird ebenso wenig an den Feierlichkeiten am 9. Mai teilnehmen wie die meisten europäischen Spitzenpolitiker. Auch die Staats- und Regierungschefs Frankreichs und Großbritanniens - beide Länder waren während des Zweiten Weltkriegs sowjetische Alliierte - wollen der Parade in Moskau fernbleiben.

Kommen wollen hingegen neben Zeman auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis und der serbische Präsident Tomislav Nikolic zu der Militärparade. Erwartet werden auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jingping und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un.

Merkels Kompromiss

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Teilnahme an der Militärparade abgesagt. Sie will allerdings gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer einen Kranz niederlegen.

Gedenkfeier in Auschwitz fand ohne Putin statt

Die Ukraine-Krise hatte ihren Schatten bereits auf den 70. Jahrestag der Befreiung des Nazi-Vernichtungslagers in Auschwitz durch Sowjettruppen geworfen. Putin nahm nicht wie noch zehn Jahre zuvor an der Gedenkfeier in Polen teil. Es habe "keine persönliche Einladung" gegeben, hieß es aus dem Kreml. Man habe keine formellen Einladungen verschickt, hatte hingegen das polnische Museum Auschwitz-Birkenau mitgeteilt. Wer teilnehmen möge, sei willkommen. Russland wurde bei der Gedenkfeier durch seinen Botschafter in Warschau repräsentiert.

sp/SC (dpa, rtr, afp)