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Aktuell Europa

Ungarn demonstrieren gegen Antisemitismus

Mehrere tausend Menschen haben in der ungarischen Hauptstadt Budapest gegen Antisemitismus demonstriert. Auslöser waren Äußerungen eines rechten Parlamentariers, die Juden in Regierung und Parlament zu "erfassen".

Die von jüdischen Gruppen und einer Kirche organisierte Kundgebung unter dem Motto "Massenprotest gegen Nazismus" richtete sich gegen die antisemitischen Äußerungen des Abgeordneten Marton Gyöngyösi von der rechtsextremen Jobbik-Partei.

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Proteste in Ungarn gegen Sparmaßnahmen (24.10.2012)

Der Politiker hatte am Montagabend in einer Debatte um den Gaza-Konflikt im Parlament gefordert, jüdische Mitglieder der Regierung sowie des Parlaments auf einer Liste zu erfassen, weil sie "ein Sicherheitsrisiko für Ungarn" seien. Am Dienstag entschuldigte sich Gyöngyösi bei seinen "jüdischen Landsleuten" und erklärte, falsch verstanden worden zu sein. So habe er lediglich eine Liste von Bürgern mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft gefordert.

Bei der Kundgebung auf dem Kossuth-Platz warnte der Fraktionschef der regierenden Fidesz-Partei, Antal Rogan, dass alle Völkermorde des 20. Jahrhunderts mit Listen begonnen hätten. "Niemandem sollte es erlaubt sein, die Würde anderer zu verletzten oder sie mit der Androhung von Listen zu stigmatisieren", sagte Rogan.

Rund 10.000 Demonstranten

Während der Rede wandten zahlreiche Demonstranten Rogan aus Protest den Rücken zu. "Ihr habt Jobbik erschaffen", rief einer der Demonstranten. Medienberichten zufolge waren rund 10.000 Menschen zu der Kundgebung gekommen. Der Fidesz unter Ministerpräsident Viktor Orban wird von der Opposition Populismus und eine nationalistisch ausgerichtete Politik vorgeworfen.

Auch die anderen Redner, Attila Mesterhazy, der Vorsitzende der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), und Gordon Bajnai vom Oppositionsbündnis Gemeinsam 2014, sprachen sich gegen antisemitische Erscheinungen im öffentlichen Leben Ungarns aus. Einige Demonstranten hatten sich gelbe Sterne an ihre Kleidung geheftet, in Erinnerung an die Judensterne aus der Nazizeit. In jüngster Zeit hatten sich in Ungarn antisemitische Zwischenfälle gehäuft.

GD/det (afp, dpa)

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