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Erster Weltkrieg

Uncle Sam gegen die "Hunnen"

Lange Zeit hatten sich die USA im Ersten Weltkrieg neutral verhalten. Als Deutschland 1917 jedoch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärte, zogen auch die USA in den Krieg und machten mit griffigen Feindbildern mobil.

Der Teufel höchstpersönlich beschwert sich beim deutschen Kaiser //www.dhm.de/lemo/html/biografien/WilhelmII/:Wilhelm II. – zumindest auf dieser amerikanischen Zeichnung aus dem Jahr 1918. Schauplatz ist der Eingang zur Hölle, ein Schild zeigt an, dass der Höllenpfuhl zu vermieten ist. "Times are hard Your Majesty – you leave us nothing to do", klagt der Teufel verzweifelt, während ein anderes Höllengeschöpf sich die bitteren Tränen abwischt. Wilhelm dagegen zwirbelt sich mit finsterem Gesicht den Bart. Gekleidet ist der Monarch in Uniform und Pickelhaube, unter seinem Umhang lugt sein Schwert hervor – Blut tropft davon auf den Boden.

Propaganda für den Krieg

Krieg der Propaganda USA

Die Versenkung des britischen Dampfers "Lusitania" durch ein deutsches U-Boot kostete über 120 Amerikanern das Leben

1917 begannen die USA, sich auf den Krieg einzustellen – auch propagandistisch. Hintergrund war eine Reihe von deutschen Angriffen auf neutrale, auf amerikanische und auf andere Schiffe. Begonnen hatte alles mit dem britischen Passagierdampfer "Lusitania", den ein deutsches U-Boot am 7. Mai 1915 versenkte. Von den rund 2.000 Menschen an Bord überlebten nur 761. Unter den Toten befanden sich auch über 120 US-Bürger. Dieser Zwischenfall wurde zu einer dauerhaften Belastung der Beziehungen zwischen dem kriegführenden Deutschen Reich und den neutralen USA. Als Deutschland am 1. Februar 1917 den

"uneingeschränkten U-Boot-Krieg"

dem auch die "Lusitania" zum Opfer gefallen war, unter Verweis auf die britische Blockade der deutschen Seewege wieder aufnahm, erklärten die USA dem Deutschen Reich am 6. April 1917 den Krieg.

Der Kaiser und der Teufel

Krieg der Propaganda USA

Als Affe mit Pickelhaube und der Keule "Kultur" in der Hand stellte die amerikanische Propaganda die Deutschen dar

Fortan wurde insbesondere Kaiser Wilhelm II. zum beliebten Ziel amerikanischer Karikaturisten. Als barbarischen Schlächter stellten sie ihn dar, der sogar die Teufel in der Hölle arbeitslos macht, wie oben im Bild gezeigt. Zugleich dämonisierten Filme wie "The Kaiser, the Beast of Berlin" die Deutschen und ihren Herrscher auf der Leinwand. Während der Kinovorführungen traten zudem oft die sogenannten "Four Minute Men" auf: Freiwillige Propaganda-Redner, die während der Vorführungspause vier Minuten zum Publikum sprachen.

Deutsche in den USA

Doch die Propaganda zielte nicht allein ins Ausland. Mit dem Eintritt der USA standen plötzlich Millionen Menschen deutscher Herkunft im Lager der Feinde des Deutschen Reiches: Deutschamerikaner und deren Nachfahren, die in den vorhergehenden Jahrzehnten in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren.

Vorurteile hatten bereits vor Krieg das Verhältnis zwischen Deutschamerikanern und anderen Bevölkerungsgruppen belastet. So hatte Hugo Münsterberg, ein deutsch-amerikanischer Psychologe und Philosoph bereits 1904 geschrieben: "Dem Amerikaner war der Deutsche … ein schwerfälliger und engherziger Pedant, der Freude nur an Pfeife, Bier und Skat hat, Parademarsch übt, …, mit seinem nächsten in Zank lebt und jeden Fortschritt haßt.“

"Grundlagen politischer Freiheit"

Nach dem Kriegseintritt der USA war der Gebrauch der deutschen Sprache weithin verpönt, im Zuge antideutscher Aktionen kam es auch zu Übergriffen auf Menschen deutscher Herkunft. Politisch sollten sich dagegen alle US-Bürger, auch die Deutschamerikaner, hinter das Ziel stellen, den Krieg zu gewinnen. "Die Welt muß sicher gemacht werden für die Demokratie", verkündete US-Präsident

Woodrow Wilson

.

Krieg der Propaganda USA

Bereits im August Sommer 1918 kämpften über eine Million amerikanische Soldaten gegen Deutschland

Die Verantwortlichen in Deutschland hingegen machten sich angesichts des amerikanischen Kriegseintritts zunächst kaum Sorgen. Admiral Eduard von Capelle behauptete Anfang 1917, dass die Amerikaner niemals in Europa landen könnten, "weil unsere U-Boote sie versenken werden". Dieser Aussage zum Trotz kämpften schon im März 1918 über 300.000 amerikanische Soldaten in Europa. Die deutsche Propaganda betonte stets die deutsche Unschuld am Kriegsausbruch und an der Verschärfung des U-Bootkrieges, denn die britische

Seeblockade

, die Deutschlands Versorgung auf den Seewegen verhindern sollte, sei ebenfalls völkerrechtswidrig.

Kampf gegen die "Hunnen"

Den amerikanischen Soldaten wurde dagegen eingeimpft, dass sie im Kampf gegen die Deutschen zugleich gegen das "Böse" kämpften. Plakate stellten die Deutschen als affenähnliche Wesen dar, die wahllos Plünderungen und Vergewaltigungen begingen. In Anlehnung an die martialische "Hunnenrede". Wilhelms II. aus dem Jahr 1900, hießen die Deutschen während der Kriegszeit für Amerikaner nur noch

"Hunnen"

. "Pardon wird nicht gegeben" hatte der deutsche Kaiser in der berühmten Rede in Bezug auf die Chinesen gesagt. So verhielten sich die Deutschen aus amerikanischer Perspektive im Ersten Weltkrieg erneut: rücksichtslos, brutal, bis zum Äußersten bereit.

Krieg der Propaganda USA

Die Aufnahme des "uneingeschränkten U-Boot-Krieges" durch Deutschland führte zur amerikanischen Kriegserklärung

Dem gegenüber gesetzt wurden die Werte der amerikanischen Demokratie, beispielsweise in Form der Freiheitsstatue oder der Figur des "Uncle Sam" aus dem britisch-amerikanischen Krieg von 1812. Dieser wurde fortan auf Rekrutierungsplakate gedruckt, darunter der Slogan: "I want you for US-Army". Bis heute ist die Figur vor allem in Zusammenhang mit Propagandamotiv aus dem Ersten Weltkrieg bekannt. Zugleich gab Präsident Wilson den Soldaten eine Mission mit auf den Weg: Die Welt sicher zu machen für die Demokratie. Die in Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstehende demokratische Weimarer Republik war allerdings nur eine kurze Dauer beschieden, 1933 errichtete Adolf Hitler seine Diktatur. Und 1941 mussten amerikanische Soldaten erneut gegen Deutschland in den Krieg ziehen. 1945 schließlich festigte sich in Deutschland ein ganz neues stereotypes Bild des amerikanischen Soldaten: Das des Kaugummi kauenden Befreiers.

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