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Das Klima der Welt

UN: 2016 wird heißestes Jahr

Die globalen Temperaturen schießen auf neue Rekordwerte hoch: So die Einschätzung der UN-Wetterexperten. Eine andere Studie berichtet, der CO2-Ausstoß habe sich in den vergangenen drei Jahren stabilisiert.

Auch diese Berichte befeuern das Wechselbad zwischen düsteren Befürchtungen und vorsichtigen Hoffnungen beim Klimagipfel in Marrakesch. Das laufende Jahr dürfte nach Einschätzung von UN-Meteorologen einen neuen Wärmerekord brechen: 2016 ist nach deren Angaben das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globalen Temperaturen lagen ungefähr 1,2 Grad Celsius über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters, wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am nordafrikanischen Konferenzort berichtete. Das bisherige Rekordjahr 2015 dürfte damit nach dieser vorläufigen Schätzung noch übertroffen werden. Gleichzeitig sorgt eine Studie für Aufsehen, nach der einer der Hauptverursacher der Erderwärmung, der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) seit drei Jahren so gut wie nicht mehr angestiegen ist.   
 

Und immer wieder El Niño

Zu verzeichnen seien bereits die siebzehn heißesten Jahre quasi seit der Jahrtausendwende, fasste WMO-Generalsekretär Petteri Taalas die dramatische Entwicklung zusammen. Im Vergleich zum Zeitraum zwischen 1961 und 1990 lagen die Temperaturen von Januar bis September 2016 um 0,88 Grad Celsius höher. Zu Jahresbeginn trieb sie insbesondere El Niño in die Höhe. Das Klimaphänomen sorgt mit veränderten Luft- und Meeresströmungen alle paar Jahre für eine deutliche Verschiebung der weltweiten Wetterbedingungen. In der Vorwoche hatte die WMO die Periode zwischen 2011 und 2015 bereits zur wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn erklärt.

Taalas Secretary - Generalsekretär der WMO (Reuters/D. Balibouse)

Peeteri Taalas, WMO-Generalsekretär

Die UN-Organisation mit Sitz in der Schweiz beobachtet das globale Wetter seit den 1950er Jahren. Eine Vorläuferorganisation tat dies bereits seit 1873. Auch langfristige Symptome der Erderwärmung brechen laut WMO neue Rekorde. Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre liege so hoch wie lange nicht, so die UN-Forscher. Das Meereseis in der Arktis war auch in den kalten Monaten nicht mehr so ausgedehnt und mächtig, und Grönlands Eisschild schmolz früh und stark. In Russlands arktischen Regionen lagen die Temperaturen laut WMO sechs bis sieben Grad Celsius über dem längerfristigen Durchschnitt. "Wir messen Temperaturrekorde normalerweise in Bruchteilen eines Grad", erläuterte Taalas. "Das hier ist etwas ganz anderes". 

Umweltgruppen und Klima-Wissenschaftler sahen sich durch diese UN-Analyse bestätigt in ihrer Forderung nach rascher Reduktion der CO2-Emissionen und anderer Treibhausgase.   

Keine Entwarnung 

Positivere Signale kamen am Montag vom internationalen Forscherverbund "Global Carbon Project". Der kommt zu dem Schluss, dass der weltweite CO2-Ausstoß in den vergangenen drei Jahren weitgehend stabil geblieben sei. In einer Zeit starken Wirtschaftswachstums sei eine solche Entwicklung "beispiellos", heißt es in dem Jahresbericht. Es ei aber "viel zu früh", um schon von einer Wende zu sprechen, meinte Co-Autor Glen Peters in Marrakesch. 

Im Jahr 2015 blieb der globale Ausstoß an CO2 laut der Studie im Vergleich zum Vorjahr mit rund 36,6 Milliarden Tonnen stabil. 2014 lag der Anstieg bei 0,7 Prozent, für 2016 wird ein sehr leichter Anstieg von 0,2 Prozent erwartet. In den Jahren von 2004 bis 2013 hingegen war der Ausstoß jährlich im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen.

China Kohlekraftwerk in Shijiazhuang (Reuters/K. Kyung-Hoon)

Masken zum Schutz für Mund und Nase: Kohlekraftwerk im chinesischen Shijiazhuang arbeitet auf Hochtouren

Diese Entwicklung sei ein "klarer und beispielloser Bruch" mit der bisherigen Entwicklung, erklärte die Hauptautorin der Studie, Corinne Le Quéré von der britischen University of East Anglia. "Das ist sehr hilfreich für den Umgang mit dem Klimawandel, aber es ist noch nicht genug."

Chinesen verheizten weniger Kohle 

Das weitgehende Abflachen des Anstiegs führten die Autoren vor allem auf den reduzierten Kohleverbrauch in China zurück, dem mit einem Anteil von 29 Prozent größten CO2-Emittenten weltweit. Nachdem der CO2-Ausstoß in der Volksrepublik ein Jahrzehnt lang jährlich um 5,3 Prozent jährlich gewachsen war, ging er 2015 um 0,7 Prozent zurück. 2016 dürfte er weiter um 0,5 Prozent sinken. Auch die USA, mit einem Anteil von 15 Prozent der zweitgrößte Emittent, reduzierten ihren Ausstoß 2015 um 2,6 Prozent, 2016 dürfte er bei -1,7 Prozent liegen. Grund dafür sei, dass die Kohle zunehmend von Gas und Öl ersetzt werde.

In der Europäischen Union stieg der Ausstoß des Treibhausgases CO2 hingegen im Jahr 2015 erstmals seit langem wieder an, und zwar um 1,4 Prozent. In Indien betrug der Anstieg sogar 5,2 Prozent.

SC/qu (APE, afp, dpa) 

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