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UN-Klimakonferenz

Marokkos ehrgeizige Klimapolitik

Vor Beginn der entscheidenden zweiten Woche der Klimakonferenz in Marrakesch besichtigten Umweltschützer Klimaschutzprojekte auf dem Land. Auch hier bewegt das Ergebnis der US-Wahl viele. Von Jens Thurau, Marrakesch.

Von außen sieht die neue Moschee unscheinbar aus. Die glaslosen Fensteröffnungen werden nach innen schmaler, das hält im Winter die Kälte draußen. Doppelte Wände schützen im Sommer vor der Hitze. Den Strom liefern Sonnenkollektoren auf dem Dach, für Licht sorgen LED-Lampen. In Tadmamet, 40 Kilometer südlich von Marrakesch in den Ausläufern des Atlas-Gebirges gelegen, tragen die ortsansässigen Erbauer zum Klimaschutz bei.

Jan-Christoph Kuntze von der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat das Projekt betreut. "Wir haben vor allem Jugendliche aus den Dörfern hier an den Arbeiten beteiligt und ausgebildet. Das eröffnet ihnen auch Perspektiven, denn die Arbeitslosigkeit ist hoch." Zuschüsse gab es auch von der Regierung in Rabat. Hunderte von Moscheen in ganz Marokko werden derzeit umweltgerecht umgebaut, aber die in Tadmamet ist der erste Neubau dieser Art. Das erfüllt Omar Benaicha, den Leiter der Baustelle, mit Stolz.

Die Bevölkerung mitnehmen

Das ist eines der Merkmale der marokkanischen Energiewende: Die lokale Bevölkerung einbinden und vom Nutzen des Klimaschutzes überzeugen. Bis 2030 will das Land 52 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien bereitstellen. Im Süden des Landes wird am größten solarthermischen Kraftwerk der Welt gebaut, einer von vier Bauabschnitten im Kraftwerk Noor in Ouarzazate ist bereits in Betrieb. 2,2 Milliarden Euro hat das Kraftwerk gekostet, dafür hat allein die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Kredite in Höhe von rund 800 Millionen Euro bewilligt. Und vor allem im Norden des Landes werden Tausende von Windrädern aufgestellt.

Marokko Marrakesch Weltklimakonferenz UN Climate Change Conference COP22 (picture-alliance/dpa/M. Messara)

Vor der entscheidenden zweiten Woche: die UN-Klimakonferenz in Marrakesch

Kurz: Marokko ist ein passender Gastgeber für die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in diesem Jahr. Nach der Einigung auf einen neuen Klimavertrag 2015 in Paris soll es jetzt darum gehen, die Klimapläne der knapp 200 Länder mit Leben zu erfüllen. Da geht Marokko mit seinen ehrgeizigen Zielen voran.

Trump, der Klimaschreck

Gute Nachrichten aus dem Gastgeberland, schlechte aus den USA: Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist auf der Klimakonferenz mit Entsetzen aufgenommen worden. Trump hat oft betont, dass er den Klimawandel für eine Erfindung hält, wahlweise von Ökofreaks oder den Chinesen ersonnen. Wichtige Stellen in den für Umweltschutz zuständigen Behörden will er mit Klimaleugnern besetzen.

"Das ist eine Katastrophe, das war ein rabenschwarzer Tag für den Klimaschutz", klagt Sabine Minninger, Klimaexpertin von Brot für die Welt. Trump kann sich zwar nicht so schnell vom Pariser Abkommen zurückziehen, das geht vertraglich erst in drei Jahren. Aber in Paris haben die USA mit Präsident Barack Obama und China für Bewegung gesorgt. "Die neue US-Regierung wird sicher wieder jeden weiteren Fortschritt blockieren, wie die Amerikaner das auf Klimakonferenzen in vielen Jahren getan haben", fürchtet Minninger. Und das sei die einhellige Meinung auch der meisten Regierungsdelegationen, die in Marrakesch noch eine Woche lang verhandeln.

Marokko | solarbetriebene Pumpstation (DW/J. Thurau)

Solarbetrieben: Pumpstation in Tameslouht nahe Marrakesch

Wie sehr der Klimaschutz aber vor allem der Entwicklung im ländlichen Raum nützt, zeigt die Ortschaft Tameslouht vor den Toren von Marrakesch. 1600 Familien werden hier aus einem Brunnen versorgt, dessen Pumpe mit Sonnenkraft betrieben wird. Umgerechnet rund 8000 Euro hat die Anlage gekostet, in zwei Jahren wollen die lokalen Betreiber die Kosten wieder erwirtschaftet haben. Der Kubikmeter Wasser kostet 20 Cent, halb soviel, wie Wasser, das traditionell mit Diesel- oder Gasgeneratoren aus der Tiefe geholt wird.

Wasser wird in Marokko immer knapper und immer teurer, auch das eine Folge des Klimawandels. Und die Regierung hat die Subventionen für Gas und Diesel gekürzt. Sonnenenergie wird darum attraktiver, überall in Marokko und in ganz Afrika. Daran wird dann auch Donald Trump nichts ändern können.

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