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Politik

Umstrittener Politiker mit Charisma

Kurz vor den niederländischen Wahlen fiel Pim Fortyn, Kandidat der 'Liste Pim Fortuyn', einem Attentat zum Opfer. Seine politischen Ansichten waren höchst umstritten - ein Porträt.

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Dandy, Rechtspopulist, Querdenker - Pim Fortuyn hatte viele Facetten

Pim Fortuyn war nicht nur ein Querdenker, sondern auch ein Quereinsteiger. Er hatte bereits mehrere Laufbahnen hinter sich, als er in die Politik einstieg: Fortuyn war Soziologie-Professor und Journalist. Die politische Bühne betrat er erst im vergangenen Jahr, mit dem Einstieg in die Partei "Leefbar Niederlande" ("Lebenswerte Niederlande"). Fortuyn avancierte zum Spitzenkandidaten. Doch die eigenen Parteigenossen rieten ihm bereits nach wenigen Monaten wieder zum Austritt: wegen seiner Auffassung in Sachen Ausländerpolitik. Anfang 2002 gründete Fortuyn schliesslich seine eigene Partei, der er kurzerhand auch seinen Namen gab: die 'Liste Pim Fortuyn'.

Energische Schritte

Pim Fortuyn Kommunalpolitker aus Rotterdam

Politischer Blick nach Rechts

Fortuyn gab sich volksnah und warf den Parteien Überheblichkeit und Missachtung des Wählerwillens vor. Sein Ton fand Anklang, die Argumente fielen auf fruchtbarem Boden. "Es war eine Figur nötig, die dies gut formulierte", erklärt Phillipp Remarque, Journalist der liberalen Zeitung "De Volkskrant" den Erfolg. Schon lange waren die Niederländer unzufrieden mit ihren Politikern. Jüngste Umfragen ergaben, dass seine Partei durchaus 26 von 150 Sitzen im Parlament erhalten könnte.

Retter des Wählerwillens?

Fortuyns Themenspektrum im Wahlkampf reichte von der Beseitigung der täglichen Verkehrsstaus über die mangelhafte Gesundheitsfürsorge und das Erziehungswesen bis hin zu einer Verschärfung der Asylpolitik. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" kurz vor seiner Ermordung bekräftigte Fortuyn noch einmal seine Positionen, beispielsweise die Abschaffung des Europarats. Auch verteidigte er seinen harten Standpunkt in Sachen Ausländerpolitik: "Die Niederlande sind ein übervolles Land, wir können keine weiteren Flüchtlinge und Asylsuchenden mehr aufnehmen", so Fortuyn.

Ein Rechtspopulist?

Für diese Argumente wurde er besonders angefeindet: Seine Gegner verglichen ihn mit dem österreichischen Rechtspopulisten Haider. Diesen Vergleich aber lehnte er stets ab. Er stehe allenfalls dem bayrischen CSU-Chef Edmund Stoiber nahe, so Fortuyn gegenüber Journalisten. Fortuyn war sich allerdings bewußt, mit einer strikten Ausländerpolitik auch rechtsextreme Wähler anzulocken. Er bezeichnete sich als "anständigen Menschen", bei dem diese Wählergruppe gut aufgehoben sei.

Freundlich verpackte Argumente

Fortuyns Auftreten in der Öffentlichkeit war jedes Mal ein Ereignis: Der stets freundlich wirkende Glatzkopf mit der gepflegten Stimme brachte mit seinem Wahlkampfstil wieder "Schwung und Spaß an der Politik in den Alltag", so die niederländische Zeitungen am Tag seiner Ermordung (06.05.2002). Sein Auftreten in der Politik habe erreicht, dass im Supermarkt, in der Strassenbahn oder in der
Sportkabine wieder über Politik debattiert werde. (pt)

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