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Politik

TV-Duell ohne Sieger

Nach dem TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier beanspruchen beide Seiten den Sieg – natürlich - für sich. Das sieht die Opposition – genauso – ganz anders.

Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier

Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD, r) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, l) im TV-Duell

"Die haben mit Wattebäuschchen geworfen, aber höllisch aufgepasst, dass sie sich nicht treffen", fasste der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, seine Eindrücke zusammen. Die Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einer "Luftgitarren-Meisterschaft", und der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle meinte: "Das war ein Abend, der nach großer Koalition roch aus allen Poren".

Es gibt nur Sieger

Die beiden großen Parteien reklamierten unterdessen den Sieg für sich. Merkel habe Umfragen zufolge bei Kompetenz, Fairness und Eignung als Kanzlerin gepunktet, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla dem Fernsehsender N 24. Merkel habe "mit weitem Abstand beim Thema Wirtschaft und Arbeit" vorn gelegen. Die CDU sei sehr zufrieden.

Symbolbild Bundestagswahl

SPD hofft auf Stimmungswandel

Auch die Sozialdemokraten hoffen nach dem Duell auf einen Schub für den Wahlkampf. "Das war ein Durchbruch", sagte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. Steinmeier habe sich deutlich gegen die Kanzlerin durchgesetzt. Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sieht die SPD deutlich im Aufwind. Steinmeier habe das Duell klar gewonnen, sagte Heil. Dabei stützt er seine Aussagen insbesondere auf Umfragen, wonach bisher nicht festgelegten Wählern Steinmeier besser gefallen habe als Merkel.

Schärfere Töne

Auch die Töne wurden nach der weitgehend ohne persönliche Angriffe geführten Fernsehdiskussion schärfer. Steinmeier nannte die Politik der Kanzlerin völlig substanzlos. "Wir haben es mit der 'Ich-auch-Kanzlerin' zu tun: Wann immer jemand eine Erfolg versprechende Idee hat, sagt Angela Merkel: 'Ich auch'", kritisierte Steinmeier die Kanzlerin in der Parteizeitung "Vorwärts".

Merkel warnte vor einem zunehmenden Drang der Sozialdemokraten in Richtung Linkspartei. Es gebe in der SPD schwere Richtungskämpfe um das Verhältnis zur Linkspartei, sagte sie dem Bonner "General-Anzeiger". Dabei verwies sie auf die Sondierungsgespräche in den Bundesländern Thüringen und Saarland.

Angela Merkel und Ronald Pofalla (Foto: AP)

Setzen voll auf Sieg: Die CDU-Vorsitzende Bundeskanzlerin Angela Merkel, rechts, und CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla

Vor allem die CDU bemühte sich, den Eindruck zu korrigieren, die Union setzte auf die Fortsetzung der großen Koalition. "Wer glaubt, dass eine große Koalition weitere vier Jahre hält, der irrt sich, sagte CDU-Generalsekretär Pofalla. Was die Union aber tun wird, wenn es nach der Bundestagswahl am 27. September nicht für ein Bündnis mit der FDP reicht, sagte er nicht.

Für die Medien eine Enttäuschung

Für die beteiligten Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 entpuppte sich das Duell als Enttäuschung. Nur gut 14 Millionen Zuschauer wollten die Auseinandersetzung zwischen Kanzlerin und Kandidat sehen. Vor vier Jahren, beim Duell zwischen Angela Merkel und dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, waren es noch knapp 21 Millionen gewesen.

Enttäuschung auch für die europäische Presse. "Langweilig" war der einhellige Kommentar von der dänischen Tageszeitung "Berlingske Tidene" bis zum spanischen "El Pais". (gmf/HF/dpa/afp/ap/rtr)

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