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Trump beim G7-Gipfel

Trump und das Ringen um die Fakten

Er werde nicht fair behandelt, wirft US-Präsident Trump Journalisten regelmäßig vor. Manchmal hat er sogar Recht. Beim G7-Treffen etwa kam heraus, dass es Verbesserungsbedarf gibt.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf dem G7-Treffen in Taormina. Alle schlendern durch die Altstadt, heißt es, nur einer nicht: Donald Trump, der amerikanische Präsident düpiert wieder einmal seine Partner. Statt beim Spaziergang den Schulterschluss mit Italien, Frankreich, Deutschland, Japan und Kanada zu suchen, lässt er sich im Golfwagen fahren und kommt auch noch zu spät. Die britische "Sunday Times" titelte: "Trump ist aus dem Gleichschritt geraten", und viele andere, auch die Deutsche Welle, sprangen ebenfalls auf die Geschichte an. Untermauert wurden die Berichte vor allem durch Tweets, wie etwa diesem.

Die Analyse dieser Journalistin, dass "Trump die anderen laufen und selbst lieber fahren ließ", wurde  20.000 mal geteilt.

G7 Gipfeltreffen in Taormina Sizilien Italien (picture-alliance/NurPhoto)

Kleiner Spaziergang von fünf Regierungschefs

Das Problem: Wer sich den Bildbeweis genau anschaut, stellt fest, dass auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe nicht mit durch die Altstadt ging. So wie Trump hatte er das Angebot der Gastgeber angenommen und stieg in einen Golfwagen. Spontan mitlaufen wollte er jedenfalls nicht, bestätigte hinterher ein Diplomat, die Japaner mögen keine kurzfristigen Protokolländerungen. Also hätte es korrekt heißen müssen: Zwei fahren, und fünf laufen spontan die 1,5 Kilometer vom Amphitheater zur Piazza San Domenico. Doch diese Schlagzeile ist eben nur halb so schön. Wäre aber korrekt gewesen. Und darum geht es, in Zeiten, in denen sich Journalisten mit dem Vorwurf "Lügenpresse" herumschlagen müssen.

Am zweiten Gipfeltag dann folgte prompt der nächste irreführende Tweet. Das Video zeigt Trump ohne Kopfhörer, während alle um ihn herum einer Simultanübersetzung lauschen. Der italienischen Gastgeber spricht über das Flüchtlingsproblem. Unser aller Schlussfolgerung zu diesem Zeitpunkt: Trump will Paolo Gentiloni nicht einmal zuhören. Auch diese Meldung brachte 20.000 Retweets, und viele Kollegen fühlten sich bestätigt. Das war der Beweis, alle engagieren sich, nur der isolierte US-Präsident zeigt Desinteresse.

Das Problem: Trump hat wohl doch zugehört. Sein Pressesprecher Sean Spicer tweetete die Erklärung: Wie immer, trage der US-Präsident nur in seinem rechten Ohr einen Minikopfhörer. Der war auf dem Videoausschnitt nicht zu erkennen. Nun ist Sprecher Spicer öfter durch haltlose Erklärungen aufgefallen. Aber wer sich das Material vom Gipfel genau ansieht, muss feststellen: Trump hat auf allen Bildern von anderen Sitzungen jeweils nur den kleinen Kopfhörer im rechten Ohr. Was dabei bitter ist: Die Korrekturmeldung der Kollegen ging mit nur 173 Retweets völlig unter.

G7 Gipfeltreffen in Taormina Sizilien Italien (Getty Images/AFP/J. Ernst)

Hier hat Trump ganz klar den Knopf im rechten Ohr

Welchen Schluss sollte man nun aus zwei Gipfeltagen und diesen beiden zweifelhaften Meldungen ziehen? Zum einen müssen wir auch im hektischen Social-Media-Zeitalter genau arbeiten, selbst wenn ein Tweet dann mal eine Stunde später kommt. Und natürlich: Erzählkunst und Witz gehören seit je zum journalistischen Geschäft, um die Fakten anschaulich zu machen. Und Tatsache war, dass Trump auf diesem Gipfel isoliert danebenstand. Nur dass leider die falschen Bildbeweise herangezogen wurden, um das zu untermauern. Einen Teil der Schuld an dieser Situation trägt der US-Präsident selbst. Nach dem Rüpelauftritt bei der Nato, wo er einen anderen Regierungschef grob zur Seite schubste, war keiner mehr überrascht davon, dass er scheinbar weder zuhörte noch Anschluss suchte. Man traut ihm eben einfach alles zu.

Genau hier liegt der Hund begraben. Es war auch deshalb keiner überrascht, weil eben keiner dabei war. Alle reimten sich das Geschehen über kurze Bildübertragungen und Hintergrundgespräche via Mail zusammen. Der Zugang für Journalisten war weitgehend ausgeschlossen. Die große Mehrheit der 4000 akkreditierten Medienvertreter verfolgte den Gipfel fernab aus dem Pressezentrum. Will man solche Probleme künftig vermeiden, sollte man die Balance zwischen Sicherheit und Zugang für die Presse zugunsten der Öffentlichkeit entscheiden.

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