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G7-Gipfel

Kommentar: Warten auf bessere Zeiten

Dieses G7-Treffen hätte das Ende des Bündnisses bringen können. Doch es gelang sechs Gipfelteilnehmern, den siebten zu bändigen: Donald Trump. Dennoch war die Veranstaltung äußerst peinlich, meint Barbara Wesel.

Egal, ob Donald Trump Deutschland nun "böse" oder "schlecht" genannt hat: Die Gelegenheit ist da, die Beleidigung zurückzugeben: Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Idiot. Bei dieser absurden Mischung aus Unterstellungen und bösem Willen, mit der Trump die deutschen Exporte und die Autoindustrie attackierte, ist vor allem die Dummheit beleidigend. Will Trump wirklich einen Handelskrieg mit der Europäischen Union anfangen? Dann mal los, Herr Präsident. Spätestens wenn europäische Strafzölle für die Produkte einer großen US-Computerfirma fällig werden, endet der Blödsinn schlagartig.

Ein Gipfel ist keine Schulstunde

Für Angela Merkel und ihre Kollegen war die Veranstaltung in Taormina eine echte Geduldsprobe. Als dienstälteste Teilnehmerin fiel vor allem der Kanzlerin die Aufgabe zu, den Bullen Trump an die Leine zu legen, während er durch den Porzellanladen der internationalen Politik trampelte. Und sie tat das mit dem unendlichen Langmut einer Grundschullehrerin, die sich über ein störrisches und lernbehindertes Kind beugt. So will der US-Präsident zum Beispiel nicht einsehen, dass der Klimawandel eine ernste Bedrohung und das Pariser Abkommen eine Notwendigkeit ist.

Die sechs anderen Länder der Staatengruppe haben es Trump im Detail erklärt. Hinterher lobte sein Berater, der Präsident habe in Taormina viel gelernt. Die Gipfeltreffen der wichtigsten Industriestaaten als Nachhilfekurs für einen ahnungslosen und desinteressierten Immobilienmogul zu behandeln, ist eine Unverschämtheit. Nur eine unter vielen, wenn man Trumps Umgang mit seinen internationalen Partnern betrachtet. Leider ist der Mann nebenbei US-Präsident und deshalb darf man nicht die Nerven verlieren.

G7 gerettet - vorerst

Der Volksmund behauptet, dass Dummheit siegt. Und das scheint in diesem Fall wahr zu werden, angesichts von Trumps rüpelhafter, egozentrischer und aggressiver Europatour in seiner Rolle als Bully-in-Chief. Der Mann ist eine Herausforderung für die Erwachsenen im Raum. Aber sie haben sich durchgesetzt und den Club der G7 erst einmal bis zur nächsten Sitzung gerettet.

Barbara Wesel Kommentarbild App *PROVISORISCH*

Barbara Wesel, DW-Korrespondentin in Brüssel

Diplomaten wissen, wie wichtig solche "Formate" sind, rituelle und regelmäßige Treffen, mit Hochglanzatmosphäre und schönen Bildern. Die Treffen sind politisches Showgeschäft und zwingen doch die Regierungschefs auch zur Disziplin. Immer aufs Neue müssen die Mitglieder die Gemeinsamkeiten der Gruppe bekräftigen oder sich am Ende entscheiden, sie zu verlassen. Vor dieser Konsequenz aber ist sogar der irrlichternde US-Präsident zurückgeschreckt. Jemand muss Trumps kurze aufmerksame Momente genutzt und ihm klargemacht haben, dass "Amerika zuerst" in die Isolation von "Amerika allein" führt. Und dass es wohl voreilig wäre, das westliche Staatenbündnis aus schlechter Laune und Desinteresse zu sprengen.

Minimalkonsens statt Fortschritte

Über Trumps soziopathische Charakterzüge, seinen Mangel an Intellekt, Erziehung, Wissen, Anstand und was sonst den Menschen ausmacht, ist genug gesagt und geschrieben worden. Seine Auftritte bei der EU in Brüssel, bei der NATO und beim G7-Gipfel haben nur bestätigt, was wir schon längst über den Mann wussten. Der US-Präsident verwechselt Migration mit Terrorismus, hält Klimaschutz für eine Verschwörung, beschädigt das Verteidigungsbündnis der NATO und demütigt die Regierungschefs anderer Länder. Er hat am Ende verhindert, dass das Treffen substantielle Ergebnisse oder gar Fortschritte erzielen konnte. Man bekommt den Eindruck, als mache es ihm Spaß, die G7-Partner am Ring durch die Manege zu führen.

In den USA sagt man mit schöner Grobheit: Besser, der Gegner bleibt im Zelt und pinkelt raus, als dass er von draußen das eigene Nest beschmutzt. Die schlechte Nachricht ist, dass Donald Trump auch im Zelt pinkelt. Das gibt üblen Gestank, aber den müssen wir vorläufig aushalten. So lange, bis die Wähler oder das politische System in den USA uns von diesem Präsidenten erlösen. Wir warten auf bessere Zeiten und versuchen bis dahin, den Laden so gut wie möglich zusammenzuhalten.

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