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Kultur

Tricks ersetzen das Training

Vor nicht allzu langer Zeit behaupteten internationale Dopingfahnder, das größte Übel des Sports sei einigermaßen eingedämmt. Das Jahr 2004 hat aber gezeigt, dass die Athleten trickreicher werden - und nicht nur die.

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Falsche Proben, keine Visa - Dopingkontrolleure haben es schwer

Der Sportwelt wurde im Jahre 2004 ein Schock nach dem anderen verpasst. Rückwirkend stürzten zum Beispiel jede Menge Medaillengewinner bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen vom Sockel, weil sie von der US-Firma "Balco" jede gewünschte Menge an verbotenen Dopingsubstanzen erhalten hatten.

Die Dopingflut schwillt an; und so stellt die deutsche Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) für ihre nächste Jahresbilanz eine zweifelhafte "Erfolgssteigerung" in Aussicht: 50 Fälle im Jahr 2003, für 2004 sind es schon 80.

Verbesserte Kontrollen

Nina Kraft Doping bei Ironman

Nina Kraft ließ sich als Siegerin des Ironman Germany Triathlon in Frankfurt am Main feiern - kurz darauf gestand sie, gedopt gewesen zu sein

Noch weigert sich NADA-Geschäftsführer Roland Augustin, von einer wachsenden Dopingmentalität zu reden. Für den Anstieg der Sündenfälle in Deutschland macht er verbesserte Fahnungstechniken verantwortlich: "Die Analytik ist in weiten Bereichen deutlich besser geworden."

Vor allem die anabolen Steroide tauchen wieder öfter auf. "Man muss schon konstatieren, dass die Klassiker, sprich die anabolen Steroide, die Rückkehr in den Markt gefunden haben", berichtet Augustin. "Es gibt die neuen Substanzen im Ausdauerbereich - natürlich EPO, aber auch THG als Designer-Steroid. Aber die normalen anabolen Steroide wie Stanozolol, die sind nach wie vor im Markt." Vor allem floriert der Internethandel.

Unfall, Urin und lange Nägel

Um den Dopingmissbrauch zu verschleiern, scheint Erfolgsbesessenen jedes Mittel der recht zu sein. Im Sommer wollten sich die griechischem Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou der Kontrolle entziehen, indem sie einen Motorradunfall inszenierten. Der Leichtathletik-Weltverband will voraussichtlich noch im Dezember 2004 ein Urteil fällen.

Zum Missbrauch verbotener Substanzen kommt in immer stärkerem Maße die technische Manipulation hinzu. Von Penisattrappen und mit Fremd-Urin gefüllten Säckchen, die beizeiten mit langen Fingernägeln aufgeritzt werden, war die Rede. Um Fremd-Urin, der nicht die körpereigene Temperatur hat, unauffällig werden zu lassen, gibt es übrigens bereits entsprechende Kleinstheizungen mit achtstündiger Wirkung. Der Perversion sind keine Grenzen gesetzt.

Die behördliche Bremse

Kenteris

Der griechische Sprinter Kostas Kenteris soll mit seinem Kollegen Ekaterini Thanou einen Motorradunfall vorgetäuscht haben, um der Dopingkontrolle zu entgehen

Apropos Grenzen - deutsche Spitzenathleten beklagen sich immer mehr, dass sie wesentlich häufiger und konsequenter getestet würden als viele ihrer Konkurrenten. Roland Augustin bestätigt das: "Im internationalen Vergleich gibt es ganz klar Defizite. Es gibt Länder, in denen es keine funktionierenden Kontrollsysteme gibt, vor allem, wenn es sich um Trainingskontrollen außerhalb des Wettkampfs handelt."

Hier tauchen dann oftmals gleich zwei Probleme auf. Zunächst ist es sehr schwer, ins Land hineinzukommen. "Wenn die notwendigen Visa erteilt werden, dann werden sie bestenfalls mit extremer Verzögerung ausgestellt, so dass alle für eine Dopingkontrolle in Frage kommenden Athleten frühzeitig gewarnt werden können", klagt Augustin.

BALCO Gründer Victor Conte, ZMA, THG

'Balco'-Grüner Victor Conte

"Wenn dann endlich ein Fahnder doch in ein Land gekommen ist und eine Urinprobe genommen hat, dann bekommt er das Testmaterial oftmals nicht außer Landes - oder es wird wochenlang beim Zoll festgehalten, so dass die Probe anschließend unbrauchbar ist." Der World Anti-Doping Agency seien die Probleme bekannt.

Zu wenig Geld

Zur Problemzone der Dopingfahnder gehört der gesamte arabisch-asiatische Raum, wobei Länder wie Iran, Vietnam, aber auch die Volksrepublik China auf der Sünderliste ganz oben stehen. Doch auch Weißrussland und die Ukraine nehmen auf der Schwarzen Liste der Dopingfahnder eine Spitzenposition ein.

Will man der aktuellen Doping-Flutwelle einigermaßen Einhalt gebieten, bedarf es eines immer größeren finanziellen Aufwands. Der Jahresetat der NADA beträgt jedoch nur 1,2 Millionen Euro. Davon stammen lediglich 13 Prozent aus der Wirtschaft, die andererseits für Sportsponsoring knapp zwei Milliarden Euro einsetzt.

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