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Kultur

Wettkampf der Spritzenathleten

Die beiden Griechen Kentiris und Thanou sind kein Einzelfall: Speziell beim Kugelstoßen verdichten sich die Hinweise auf systematisches Doping - meint der Trainer der deutschen Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss.

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Systematische Dopingkontrollen sind dringend angeraten

Die jüngste Pointe der Doping-Posse von Athen: Griechenlands gestrauchelter Sportheld Kostas Kenteris ist überzeugt, die Doping-Vorwürfe gegen ihn entkräften zu können. "Mir wird Unrecht getan. Ich habe nie verbotene Substanzen genommen", erklärte der 31- jährige 200-Meter-Olympiasieger von Sydney am Dienstag beim Verlassen des KAT-Krankenhauses in Athen - wo er wegen Verletzungen nach einem angeblichen Motorradunfall behandelt wurde, der sich bei der tumultartigen Flucht vor den Dopingkontrolleuren ereignet haben soll.

Kentiris und die unter dem gleichen Verdacht stehende Ekaterini Thanou starteten nach ihren erstaunlichen Erfolgen in Sydney 2000 in den letzten Jahren höchst selten bei internationalen Wettbewerben - augenscheinlich um den dort üblichen Kontrollen zu entgehen. Nichtauffindbarkeit der Athleten wird zwar mit einer Verwarnung wegen des Verstoßes gegen die Meldepflicht-Regel - im Fachjargon "Whereabout"-System - geahndet, es bleibt jedoch eine in der Leichtathletik anscheinend durchaus gebräuchliche Betrugstechnik - wie zum Beispiel im Kugelstoßen. "Drei der fünf Weltbesten sind wie die griechischen Sprinter Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou 2004 nicht im Ausland gestartet - offenbar aus Angst vor Dopingtests", sagt Dieter Kollark, Trainer von Astrid Kumbernuss.

"Olympischer Geist beschädigt"

Im Kampf um die Kugelstoß-Medaillen am heiligen Hain des historischen Olympia fürchtet Kumbernuss nicht die sportliche Stärke der Konkurrenz, sondern deren unerlaubte Hilfsmittel. "Angesichts der Bedeutung dieses Wettkampfes an einem solchen Ort hätte der Weltverband IAAF sie zu Hause kontrollieren müssen. So sehe ich den olympischen Geist beschädigt", meint Kollark, mit neun Goldmedaillen binnen zehn Jahren bei Olympia und WM einer der erfolgreichsten Trainer des deutschen Sports.

Anders als in den meisten übrigen Disziplinen kommt das Gros der Medaillenaspiranten aus der fast "kontrollfreien Zone" der ehemaligen Sowjetunion. Kollark hat in Erfahrung gebracht, dass in der Dopingstatistik des Weltverbandes IAAF für das Jahr 2003 zwar über 1000 deutsche Trainingskontrollen vermerkt sind, aber nur 43 in Russland, 17 in Weißrussland und zwei in der Ukraine.

"Und ich weiß auch, dass unsere Rivalinnen dieses Jahr praktisch nicht kontrolliert worden sind", sagt Kollark mit Blick auf drei der in der aktuellen Weltrangliste vor Astrid Kumbernuss platzierten Konkurrentinnen: Die 1999 bei der Hallen-WM wegen Dopings disqualifizierte und zwei Jahre gesperrte Irina Korschanenko ist Nummer eins mit 20,79 Meter, Swetlana Kriweljowa (ebenfalls Russland) Zweite mit 20,69 Meter, und Natalja Koronenko (Weißrussland) mit 20,04 Meter Vierte.

Von den beiden anderen hat sich die Weltranglisten-Vierte Nadeschda Ostaptschuk (Weißrussland) im Mai immerhin dreimal zu Wettkämpfen im Ausland gestellt, doch in der dopingintensiven Phase drei Monate vor Olympia tauchte auch sie ab. "Über alle Zweifel erhaben ist die Kubanerin Yumileidi Chumba, die jetzt 19,97 Meter gestoßen hat. Sie hat ständig Starts absolviert und war immer für Kontrollen präsent", sagt Kollark. Hinter ihr ist Kumbernuss (19, 60) Nummer sechs in der Welt.

Sechs von zwölf wurden schon erwischt

Erschreckend ist mit Blick auf die Medaillengewinner der drei vergangenen Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften dies: Sechs der zwölf Sieger wurden mindestens einmal wegen Dopings gesperrt - in Ermangelung von Trainingstests jeweils durch Wettkampfkontrollen überführt - wie die aktuelle Olympiasiegerin Janina Koroltschik und der amtierende Weltmeister Andrej Michnewitsch (beide Weißrussland).

Als Siegerin der Hallen-WM im März wurde die Ukrainerin Wita Pawlysch erneut positiv getestet und lebenslang gesperrt wie ihr Trainer Aleksandr Bagatsch, Weltmeister 1997 in Athen. So erging es auch C. J. Hunter, Weltmeister von 1999, und Weltrekordler Randy Barnes (beide USA). Deren Landsmann Kevin Toth, WM-Vierter 2003, wartet nach positivem Test auf seine Strafe. Vorerst letztes Kapitel der unrühmlichen Doping-Akte: Am Sonntag wurde der slowakische Final-Anwärter Milan Haborak nach positivem Test von Olympia ausgeschlossen.

Und auch in Athen kam es letztendlich, wie es kommen musste: Irina Korschanenko musste am 22. August ihre Goldmedaille wegen Stanozolol-Missbrauchs zurückgeben. Kugelstoßerin Olga Schtschukina aus Usbekistan wurde ebenfalls erwischt: Sie hatte das anabole Steroids Clenbuterol genommen. Astrid Kumbernuss kam nicht einmal unter die ersten Zwölf. (sams)

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