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Kultur

Trauer vor den Tet-Feiern

Tausende von Tiere müssen wegen der grassierenden Geflügelpest not geschlachtet werden. Das ist nicht nur ein erheblicher Schaden für die Züchtern – auch die Touristen bleiben weg.

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Geflügelzüchter bangen: Notschlachtungen rauben ihnen die Lebensgrundlage

Für Nguyen Kim Dung wird es das traurigste vietnamesische Neujahrsfest, an das er sich erinnern kann. "Die Epidemie hat uns bisher umgerechnet zwischen 4500 und 5160 US-Dollar gekostet. Das ist mehr als das Jahreseinkommen unserer Familie", klagt der 43-jährige Geflügelzüchter aus der südvietnamesischen Provinz Long An. Sonst ist die Zeit vor den Tet-Feiern, die am Donnerstag (22.1.2004) beginnen, für Dung die turbulenteste Zeit des Jahres.

Doch seit die Vogelgrippe über das Land fegt, muss er seine Tiere töten, statt sie verkaufen zu können. Der Schaden geht landesweit in die Millionen und lastet schwer auf den betroffenen Provinzen, die den Züchtern Ausgleich zahlen. Auch beim Tourismus dürften Einbußen zu erwarten sein.

Notschlachtung: "Keine andere Wahl"

Etwa zehn Millionen Stück Federvieh lassen die Behörden in den beiden am schwersten von der Geflügelpest heimgesuchten Provinzen notschlachten - egal, ob die Tiere krank oder gesund sind. "Es tut uns sehr leid, sie töten zu müssen, aber wir haben keine Wahl", sagt Cao Van Hoa vom Amt für Seuchenkontrolle der südlichen Provinz Tien Giang. Dort müssen 5,8 Millionen Hühner und Enten sterben, was für die Provinz mit umgerechnet 15 Millionen Euro zu Buche schlägt - Geld, das die Regierung eigentlich nicht in der Kasse hat.

Und die Züchter sind zögerlich, ihre Tiere für einen Preis töten zu lassen, der deutlich unter dem Marktwert liegt. "Es ist schwer, Unterstützung bei den Bauern zu finden", sagt Nguyen Duy Long vom Seuchenkontrollamt in Long An. Wenn die Zentralregierung in Hanoi mit mehr Geld einspringen würde, könnte man die Epidemie viel schneller in den Griff bekommen, ist er überzeugt. "Wir brauchen Finanzhilfe von der Regierung, aber darauf warten wir immer noch."

Leere Betten zur Hauptsaison

Auch Vietnams in jüngster Zeit boomender Fremdenverkehr wird möglicherweise einen herben Dämpfer durch die Geflügelpest erleiden. Zwar sind Reisende nach Auskunft des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg bislang nicht gefährdet, solange sie Kontakte zu Vögeln meiden. Dennoch: "Die Leute vermeiden es, nach Vietnam zu fahren", sagt Jamie Hoon vom Reisebüro RTW-Travel in Singapur. Selbst der Nachbarstaat Kambodscha werde als Reiseziel verschmäht, weil Touristen beide Länder in einen Topf werfen würden.

Gerade um die Zeit des Neujahrsfestes seien Reisen nach Vietnam sonst ausgebucht, berichtet Hoon. "Aber in diesem Jahr bleiben wegen der Geflügelpest viele Plätze leer." Trotz seiner immensen Verluste sorgt sich auch Züchter Nguyen Kim Dung eher um das Wohl seiner Angehörigen als ums Geschäft. 3000 Hühner habe er töten müssen, obwohl nur 70 krank gewesen seien. "Aber die Gesundheit meiner Familie und die anderer ist das Wichtigste."

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