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Afrika

Tansania schickt Ruander nach Hause

Jahrzehnte galt Tansania als sicherer Ort für Flüchtlinge und ihre Nachkommen. Nun müssen Tausende Ruander das Land verlassen. Dafür seien politische Spannungen verantwortlich, meinen Beobachter.

"Ich weiß nicht, was ich machen soll", sagt Christopher Lubamba Matata der Deutschen Welle. Seine ganze Familie - Frau, Kinder und Enkel - musste er in Tansania zurücklassen. Sie bleibt vorerst in der Heimat in der tansanischen Provinz Kagera, an der Grenze zu Ruanda. Auch seine 45 Kühe konnte er nicht mitnehmen. Matata hat die ruandische Staatsbürgerschaft - und muss sich mit seinen 53 Jahren nun zum ersten Mal in Ruanda niederlassen. Geboren sei er in Tansania, sagt er, denn bereits sein Vater und sein Großvater, einst als Flüchtling gekommen, hätten dort gelebt: "In Ruanda habe ich keine Verwandten."

Ruandas Paul Kagame und Tansanias Jakaya Kikwete (Foto: AFP)

Gute Mine zum bösen Spiel? Ruandas Paul Kagame und Tansanias Jakaya Kikwete

Dass sich Matata und Tausende andere Bewohner von Tansanias nordwestlichen Provinzen nun nach Ruanda aufgemacht haben, liegt an einer Weisung von ganz oben: Ende Juli 2013 hatte Tansanias Präsident Jakaya Kikwete die Provinz Kagera besucht - und kurz darauf alle "illegalen Migranten" aufgefordert, das Land binnen zwei Wochen zu verlassen. Lokalen Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um rund 32.000 Menschen, überwiegend Ruander.

Ende der tansanischen Gastfreundschaft?

Der Vorwurf gegen die Migranten: Die Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung würden die Gegend unsicher machen. So erklärt es Salva Rweyemamu, der Informationsdirektor des Präsidenten. "Wo der Präsident auch hinging, überall gab es Beschwerden über Banditen: Sie stehlen Autos und Besitztümer, töten sogar", sagt Rweyemamu. Außerdem würden die Viehherden der Einwanderer die Natur zerstören: "Es ging so weit, dass die Herden in die Nationalparks eindrangen." Viele der ruandischen Einwanderer sind Nomaden und leben von Viehzucht - die Mehrheit der lokalen tansanischen Bevölkerung sind sesshafte Bauern.

Ruandische Flüchtlinge (Foto: AFP)

In Tansania normalerweise willkommen: Flüchtlinge aus den Nachbarländern

Tansania ist jedoch nicht für eine harte Hand im Umgang mit Flüchtlingen und deren Nachkommen bekannt. Im Gegenteil: Trotz der eigenen Armut nahm es über Jahrzehnte großzügig Menschen auf, die aufgrund von Konflikten ihre Heimat verlassen mussten - aus Burundi, Ruanda, Uganda oder der Demokratischen Republik Kongo. 2010 erhielten 162.000 burundische Flüchtlinge die tansanische Staatsbürgerschaft, weitere 101.000 wurden 2012 eingebürgert. Auch für Ruander bestehe grundsätzlich die Möglichkeit der Einbürgerung, sagt Rweyemamu im Gespräch mit der DW. Doch wer sich bisher nicht darum bemüht habe, müsse nun erst einmal ausreisen. "Ich glaube schon, dass es Platz für sie gibt", ergänzt er. "Kein Land in dieser Region ist so gastfreundlich wie Tansania."

Gegner im Kongo-Konflikt

Worin die wahren Beweggründe für Tansanias Vorgehen liegen, darüber wird viel spekuliert. Viele der "illegalen Migranten" in Tansania sind Ruander, die ihr Land wegen der ethnischen Konflikte seit den 1960er Jahren verlassen haben. Damals keimten Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi auf, die 1994 in einem Genozid gipfelten. Der tansanische Journalist Jenerali Ulimwengu sagt, dass es innnerhalb der Bevölkerung nie Probleme zwischen Tansaniern und Ruandern gab. "Aber immer, wenn es Streit zwischen der tansanischen und der ruandischen Regierung gibt, sind die Bewohner der Grenzregion die Leidtragenden", so Ulimwengu weiter.

Kämpfe im Ostkongo (Foto: AFP)

Kämpfe im Ostkongo: länderübergreifende Interessen, lokale Opfer

Streit zwischen beiden Ländern gab es zuletzt häufig. Denn ihnen fallen verschiedene Rollen in der derzeitigen Krise in der Demokratischen Republik Kongo zu: Ruanda gilt als Unterstützer der M23-Rebellen, die Teile des Ostkongo beherrschen. Tansania stellt den größten Teil einer neuen Eingreiftruppe der Vereinten Nationen, die diese Rebellen bekämpfen soll. Anfang August erklärte Tansanias Präsident Kikwete, die Beziehungen hätten sich verschlechtert, nachdem er Ruanda im Mai geraten hätte, das Gespräch mit dem kongolesischen Konfliktpartner zu suchen. Die Reaktion seien Beschimpfungen und Spott gewesen. Ruandas Regierung hatte Kikwete als Sprachrohr der ruandischen Rebellenbewegung Demokratische Kräfte für die Befreiung Ruandas (FDLR) dargestellt, die die Regierung in Kigali stürzen will.

Mit diesen Streitigkeiten hat der Viehhirte Christopher Lubamba Matata jedoch nichts zu tun. Er will einfach nur - wieder mit seiner Familie vereint - in Tansania leben .

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