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Musik

Swing-Legende Hugo Strasser ist tot

Seine Musik animierte eine ganze Generation dazu, das Tanzbein zu schwingen. Vor wenigen Wochen stand der Jazzmusiker noch auf der Bühne, da hatte seine Krankheit ihn schon fest im Griff. Strasser wurde 93 Jahre alt.

Der Musiker erlag in seinem Haus in Neukeferloh nahe München einem Blasenkrebsleiden, wie der Sohn seines langjährigen Freundes Max Greger bestätigte. Bei seinem letzten Auftritt im Januar im Deutschen Theater in München saß der Bandleader und Klarinettist bereits im Rollstuhl. "Der Krebs ist zurück. Ich kann nicht mehr stehen", hatte er seinem Publikum danals erklärt.

Berühmt wurde Strasser Anfang der 1950er Jahre als Klarinettist des legendären Max-Greger-Sextetts, 1955 gründete er dann seine eigene 16-köpfige Bigband, mit der er bis zu seinem Tod regelmäßig auftrat. Mehr als 60 Jahre stand er auf der Bühne, sein Tanzorchester galt als eines der besten der Welt. Es spielte bei Bällen und Tanzturnieren und trat im Fernsehen regelmäßig vor einem Millionenpublikum auf.

Hugo Strasser wurde am 7. April 1922 in München-Schwabing geboren. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er als Siebenjähriger bei der "Deutschen Stunde in Bayern", dem Vorläufer des späteren Bayerischen Rundfunks. Schon damals spielte er sich mit seinem Stück "Großmütterchen" in die Herzen der Hörer. Mit 16 begann er seine musikalische Ausbildung an der Akademie der Tonkunst in München. Benny Goodman war sein erklärtes Vorbild.

Vom Kneipenmusiker zum Bigband-Leader

Nach dem Zweiten Krieg verdiente sich Strasser sein Geld als Jazzmusiker in Clubs der US-Armee, bis er 1949 zum Max-Greger-Sextett stieß. Mit seinem eigenem Orchester entwickelte er später den berühmten Strasser-Sound. Zu den bekanntesten von ihm eingespielten Titeln gehören "You're the Cream in My Coffee", "So What's New" und "Wild Cat Blues", und seine Komposition "Lonely Trumpet" wurde ein Welterfolg.

Hugo Strasser und Max Greger

Musikalisches Treffen zweier Freunde: Hugo und Max

30 Jahre lang veröffentlichte das Hugo-Strasser-Orchester die Tanzplatte des Jahres, zeitweise erreichten die Verkaufszahlen bis zu 300.000 Stück jährlich. 1996 war damit Schluss, doch bei Tanzveranstaltungen stand die Truppe immer noch in vorderster Reihe. Der Musiker selbst kokettierte gern damit, dass er selbst nicht tanzen könne beziehungsweise immer aus dem Takt käme.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters dachte Strasser nie ans Aufhören, Musik war sein Leben. Mit 65 Jahren gründete er das Quintett Hot-Five. "Ich möchte so lange weitermachen, wie mich der Herrgott lässt", sagte er 2015 anlässlich seines 60. Bühnenjubiläums. Im laufe seiner langen Karriere wurde er unter anderem mit zwei Goldenen Schallplatten, dem Deutschen Schallplattenpreis und dem Goldenen Tanzschuh ausgezeichnet.

Mit Strasser verabschiedet sich eine weitere Legende der deutschen Swing-Ära. Jazzer Paul Kuhn, "der Mann am Klavier", starb 2013. Er hatte oft mit Strasser zusammengearbeitet. Im August vergangenen Jahres musste Hugo Strasser dann um einen weiteren musikalischen Weggefährte trauern: Max Greger. Damals ließ er es sich nicht nehmen, am Grab die Klarinette für seinen Freund zu spielen. Strasser entschied sich für den Beatles-Klassiker "Yesterday". Jetzt wird jemand an Hugo Strassers Grab stehen und musikalischen Abschied von dem beliebten Jazz- und Swingmusiker nehmen.

suc/wl (bild, dpa)

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