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Wirtschaft

Suu Kyi wirbt um Investitionen

Sie war der Überraschungsgast beim World Economic Forum in Bangkok: die Oppositionsführerin Myanmars, Aung San Suu Kyi. Sie bittet um Hilfe und Geduld. Vor allem Jobs brauche das Land.

Aung San Suu Ki beim WEF Ostasien in Bangkok. Copyright: WEF/Sikarin Thanachaiary

Aung San Suu Ki beim WEF Ostasien in Bangkok

"Was haben Sie gefühlt, als Sie nach 24 Jahren und einem Monat, in denen Sie Ihr Land nicht verlassen haben, in Bangkok aus dem Flugzeug stiegen?", fragt Klaus Schwab, Gründer des World Economic Forum, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Es ist ein bewegender Moment in Bangkok, denn die über 600 Teilnehmer des World Economic Forum erleben eine bewegende Oppositionsführerin, die so gar nicht in die raue Wirtschaftswelt zu passen scheint und doch hier ist, um für Investitionen in ihr Land zu werben.

Mit Kerzen gegen Stromausfälle

"Wissen Sie, lassen Sie mich vor der Landung beginnen. Der Flugkapitän lud mich ins Cockpit ein und dann sah ich die vielen nächtlichen Lichter dieser großartigen Stadt Bangkok. Ich musste daran denken, dass im selben Moment Menschen in Myanmar auf die Straße gehen, um gegen die vielen Stromausfälle zu protestieren. Diese Menschen halten Kerzen in den Händen. Da wurde mir klar, dass vor 30 Jahren, als ich noch nach New York oder London flog, mir das gar nicht so aufgefallen wäre, denn damals war die Situation in meinem Land nicht so, wie sie heute ist."

Aung San Suu Ki und WEF-Gründer Klaus Schwab beim WEF Ostasien in Bangkok. Copyright: WEF/Sikarin Thanachaiary

WEF-Gründer Klaus Schwab im Gespräch mit Aung San Suu Ki in Bangkok

Myanmars schwierige Lage

Aung San Suu Kyi hat mit diesen persönlichen Eindrücken gleich auf die schwierige Lage in ihrem Land aufmerksam gemacht. Myanmar, das frühere Birma, liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung weit hinter anderen asiatischen Ländern und kann trotz vieler natürlicher Ressourcen noch nicht einmal die eigene Energieversicherung sichern.

"Ich bin nicht hier, um Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen, sondern um zu sagen, was wir brauchen", betont sie mit ruhiger Stimme und hat dabei die gespannte Aufmerksamkeit des Auditoriums. "Ja, es ist richtig, dass wir weit hinten liegen, aber vielleicht können wir von anderen lernen und so Fehler vermeiden. Bitte helfen Sie uns."

Jugend ohne Arbeit

Investitionen in Myanmar könnten nicht sofort riesige Erträge bringen, "man braucht einen langen Atem", macht Aung San Suu Kyi klar und betont, dass Investitionen die Lage der Menschen in Myanmar verbessern sollten. "Aber", sagt sie warnend, "mehr Investitionen dürfen nicht mehr Korruption oder mehr Privilegien für diejenigen bringen, die bereits privilegiert sind. Das Wichtigste ist es, Arbeitsplätze zu schaffen und für eine gute Ausbildung zu sorgen."

Dann spricht sie von ihrer Sorge wegen der Perspektivlosigkeit für viele junge Menschen in ihrem Land. "Arbeitslosigkeit heißt Hoffnungslosigkeit", sagt sie. Schon jetzt würden viele Menschen Myanmar verlassen, um in anderen asiatischen Ländern zu arbeiten.

Zwei Millionen Wanderarbeiter in Thailand

Allein in Thailand leben und arbeiten über zwei Millionen Menschen aus Myanmar meist unter schwierigen Bedingungen. Viele arbeiten auf dem Land oder in der Serviceindustrie und bekommen nur geringe Löhne ohne soziale Absicherung. Eine Situation, auf die Aung San Suu Kyi bei ihrem Besuch in Thailand immer wieder hingewiesen hat. Sie traf sich mit Vertretern der Exilarbeiter und forderte in Gesprächen mit Vertretern der thailändischen Regierung eine Gleichstellung der Arbeitnehmer Myanmars mit denen Thailands.

Meilensteine

Die Zukunft ihres Landes sieht sie durchaus optimistisch. Allerdings warnt sie vor Euphorie. Der Reformprozess in Myanmar sei gerade erst am Anfang und bis genug Arbeit für alle da sei, werde es noch dauern. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssten stimmen, damit die Wirtschaft reformiert werden könne. Dies sei noch ein Problem. 2014 wird das Land den Vorsitz der ASEAN-Gruppe übernehmen, ein Meilenstein.

Plichterfüllt für ihr Land

"Seien Sie sicher, wir werden Sie unterstützen!" sagt ein sichtlich beeindruckter Klaus Schwab am Ende des Gesprächs mit Aung San Suu Kyi. Dann fragt er noch, wie sie den Druck der vergangenen Jahre ausgehalten habe. "Put duty above everything else" - als erstes zählt die Pflicht. Das habe sie von ihrer Mutter gelernt, sagt die Friedensnobelpreisträgerin mit einem Lächeln und verlässt den Saal, während die Teilnehmer des World Economic Forum sie mit standing ovations verabschieden.

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