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Politik

Somalische Islamisten nehmen nach Mogadischu auch Jowhar ein

In Somalia haben islamistische Freischärler die letzte Bastion einer angeblich von den USA unterstützten Kriegsherren-Allianz erobert. Die Regierung führt derzeit Verhandlungen.

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Jeeps mit Maschinengewehren der islamististischen Milizen in Mogadischu

In dem Kampf um die Stadt Jowhar seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen und weitere neun verletzt worden, sagte ein Kommandeur der islamistischen Milizen am Mittwoch (14.6.2006). Bestimmt habe es aber mehr Tote gegeben. Truppen der Scharia-Gerichte eroberten die Stadt Jowhar, nachdem mehrere Führer der so genannten Anti-Terror-Allianz geflohen waren, berichtete der britische Rundfunksender BBC. Die 20.000-Einwohner-Stadt Jowhar liegt etwa 90 Kilometer nördlich von Mogadischu.

Kontrolle über Mogadischu

Der militärische Arm der Scharia-Gerichte hatte eine Woche zuvor die Kontrolle in der somalischen Hauptstadt Mogadischu übernommen. Ihr Führer Scheich Sharif Scheich Ahmed war kurz darauf Befürchtungen entgegengetreten, er wolle einen Gottesstaat wie das ehemalige Taliban-Regime in Afghanistan errichten.

Am Wochenende waren Gespräche zwischen der somalischen Regierung und den islamistischen Milizen in Mogadischu gescheitert. Die Freischärler der Scharia-Gerichte hatten Mogadischu nach fast viermonatigen Kämpfen gegen die "Anti-Terror-Allianz" eingenommen. Angeblich unterstützen die USA die Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT), weil sie eine Machtübernahme der islamischen Extremisten am Horn von Afrika fürchten. Somalia gilt als Zufluchtsort für Anhänger der Terrororganisation El Kaida.

Die Bevölkerung leidet

Hilfsorganisationen berichteten, dass immer mehr Menschen im Süden des Landes kaum noch Wasser und Nahrungsmittel haben. "Ärzte ohne Grenzen" äußerte sich besorgt über die mangelnde Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, medizinischer Hilfe und Wasser. Kinder seien besonders von den Engpässen betroffen, sagte die Hilfsorganisation am Mittwoch in Berlin.

Im Einzugsbereich des Gesundheitszentrums in Dinsor, das von der Ärzte-Organisation betreut wird, leben den Angaben zufolge bis zu 650.000 unterversorgte Menschen. Erschwerend komme hinzu, dass kaum noch Hilfsorganisationen in Somalia tätig seien. Viele Menschen müssten zudem in der Hitze lange Entfernungen zurücklegen, um sich dort behandeln zu lassen. Dabei müssten sie immer wieder Kontrollpunkte der Milizen passieren.

Somalia hat seit der Flucht des Diktators Siad Barre 1991 keine zentrale Regierung mehr. Die vor mehr als einem Jahr eingesetzte Übergangsregierung verhandelt derzeit mit Scheich Ahmed über eine Zusammenarbeit. (kap)

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