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Asien

Sierens China: Kampf ums Vergnügen

Disneyland wurde noch vor seiner China-Eröffnung von der Wanda-Gruppe der Kampf angesagt. Spannend wird, wer erfolgreich die Branche bestimmen wird. Disney hat seine Marken, Wanda Heimvorteil, meint Frank Sieren.

China Disneyland Shanghai

Disneyland Shanghai, das am 16. Juni eröffnet werden soll

Im chinesischen Vergnügungsbusiness ist jetzt Schluss mit lustig - zumindest für die Unternehmer. Denn einer von Chinas reichsten Männern hat die Bühne betreten. Und er zielt auf die Marktherrschaft ab. Vergangenen Samstag hat Wang Jianlin, Chef der Dalian Wanda Group, die Türen seines ersten Freizeitparks Wanda City geöffnet - knapp einen halben Monat bevor in Shanghai im Märchenschloss des ersten chinesischen Disneylands die Eröffnungsfeier stattfindet. Auf zwei Quadratkilometern finden Besucher der Wanda City in Nanchang, in der Provinz Jiangxi, einen Themenpark, einen Filmpark, ein Aquarium, Hotels und eine Shoppingmeile. Kosten: 3,2 Milliarden US-Dollar. Bis zu zehn Millionen Besucher pro Jahr sollen nach Wang sich künftig dort vergnügen. Und es ist nur der Erste von 15 bis 20 von Wang geplanten Freizeitparks in ganz China. Einen größeren Maßstab könnten die Pläne des Unternehmers kaum haben.

Wang Jianlin verliert auch keine Zeit, deutlich zu machen, auf wen er es abgesehen hat: Bei einem Auftritt im chinesischen Staatsfernsehen vergangene Woche machte er klar, dass Disney nichts in China verloren habe. Die Ära, in der allein Micky Maus und Donald Duck die Massen begeistert hätten, sei vorbei. Mit seinen Parks will Wang dafür sorgen, dass Disneyworld in China in den nächsten zehn bis 20 Jahren keinen Gewinn machen wird. Dabei wird Wang vielen konservativen Politikern der chinesischen Regierung aus dem Herzen gesprochen haben. Ihnen passt es gar nicht, dass die USA mit seiner verführerischen Softpower in Form von Micky und Donald sich ins Land und die Herzen der Chinesen einschleichen wollen.

Große Nachfrage nach Freizeitparks

Wang hingegen wird vor allem auch als Geschäftsmann gesprochen haben. Und keine Frage, dass sein Auftritt ein PR-Stunt für die kurz darauffolgende Eröffnung von Wanda City ist. Es zeigt aber gleichzeitig, wen Wang als härtesten Konkurrenten sieht. Disneyland Shanghai soll ab dem 16. Juni schon die gleichen Besucherzahlen anlocken wie Wanda City. 5,5 Milliarden Dollar hat Disney sich den Park kosten lassen, ein gutes Stück mehr als das Wanda-Gegenstück in Nanchang. Allerdings soll die renommierte Marke Disney Chinesen aus dem ganzen Land anlocken. Und Disney positioniert sich mit etwa doppelt so teuren Eintrittskarten über seiner chinesischen Konkurrenz. Der Anreiz der Wanda Citys soll im Gegenteil darin liegen, immer in erreichbarer Nähe zu vielen Großstädten zu sein. Gesparte Anfahrtszeit und Eintrittsgelder für ein Erlebnis ähnlich zu Disneyland sind ein gutes Argument für viele Chinesen, so Wangs Hoffnung.

Frank Sieren *PROVISORISCH*

DW-Kolumnist Frank Sieren

Dass die Wanda Freizeitparks Disney in naher Zukunft alle Kunden abstauben werden, ist aber eher unwahrscheinlich. Dafür ist in China die Nachfrage nach Freizeitparks zu groß: 2015 gab es 110 Millionen Besucher, bis 2020 soll die Zahl sich noch einmal verdoppeln. Die gesamte Tourismusindustrie in China ist derzeit etwa 680 Milliarden Dollar wert. Der Wert soll sich nach Schätzung der Regierung in den nächsten vier Jahren ebenfalls noch einmal verdoppeln. Von einer Übersättigung ist man da also noch weit entfernt. Für diesen rasanten Auftrieb sorgt die weiter wachsende Mittelschicht der Chinesen. Mit dem steigenden Wohlstand steigt auch der Wunsch nach Freizeitbeschäftigungen. Und obwohl die Aufhebung der Ein-Kind-Politik nicht den gewünschten Baby-Boom nach sich zieht - einen gewissen Geburtenanstieg wird es trotzdem geben. Mehr Kinder bedeuten mehr Hauptpublikum für Freizeitparks.

Chinesische Version von Hollywood

Aber Wanda setzt nicht nur auf Themenparks: Wang ist dabei, seinen Immobilienkonzern Wanda in den größten Unterhaltungskonzern des Landes umzurüsten. In der Küstenstadt Qingdao baut Wang an einer chinesischen Version von Hollywood. Besitzer der weltweit meisten Kinosäle ist er bereits. Zwischen den beiden Konkurrenten Wanda und Disney entwickelt sich momentan eine Dynamik, die interessant zu verfolgen sein wird. Das amerikanische Original ist prestigeträchtig. Es bringt seine bekannten und geliebten Figuren ins Spiel, die von allein schon als Publikumsmagnet wirken. Viele Kinder und Erwachsene wünschen sich, mal ins "echte Disneyland" zu fahren. Schon vor der Eröffnung des Parks sind fast eine Million schaulustige Chinesen hingefahren, um von außen schon ein Blick in die US-Märchenwelt zu erhaschen.

Diesen ideellen Wert will das Unternehmen auch unter allen Umständen verteidigen. So hat es angekündigt, gegen Kopien seiner Marken in anderen Freizeitparks gerichtlich vorzugehen. Hier wartet eine Sisyphusarbeit auf Disney, sind doch bereits nach zwei Tagen erste Bilder zum Beispiel von Star-Wars Kostümen vor den Läden von Wanda City aufgetaucht. In einer Erklärung sagte Disney: "Wir werden unser geistiges Eigentum mit aller Kraft schützen und Maßnahmen ergreifen, Verletzung zu adressieren." Disney-Figuren und Marken sind in China weit verbreitet. Im Oktober vergangenen Jahres hat die staatliche Verwaltung für Industrie und Handel ein Rundschreiben verschickt, dass sie härter gegen die Verletzung von Disneys Markenrecht in China zwischen Oktober 2015 und Oktober 2016 vorgehen würde. Wanda indessen weicht aus. Auf die Werbung der Aussteller im Park habe das Unternehmen keinen Einfluss. Und selbst wenn: Die Strafen für solche Urheberrechtsverletzungen sind in China nicht sonderlich hoch.

Tiger gegen Horde Wölfe

Wenn Disney der Tiger ist, dann ist Wanda eine Horde Wölfe - so bringt der Wanda-Chef es auf den Punkt. Er hat damit auf unterschiedliche Arten recht. Die Amerikaner sind zwar nicht komplett neu in China, so konnten sie mit ihrem Park in Hongkong bereits Erfahrungen sammeln, aber sie stehen mit dem einen Park auf dem Festland in Shanghai alleine gegen mehr als 15 Anlagen von Wanda. Und die chinesische Konzerngruppe bringt als die größte Immobilienfirma des Landes nicht nur eine Menge Geld mit, sondern auch gute Verbindungen zur Politik. Die lokalen Regierungen, in deren Gebieten die Wanda Citys entstehen, freuen sich über diese Investition. Denn einen einfacheren Weg, den Tourismus anzukurbeln, werden sie kaum finden. Disney kann sich sicher sein, in Wang Jianlin einen mehr als ebenbürtigen Wettbewerber gefunden zu haben, für den ein Misserfolg im Grunde nicht infrage kommt. Bleibt nur die Frage, ob der Tiger auch überleben wird. Groß genug ist China.

Unser Kolumnist Frank Sieren lebt seit über 20 Jahren in Peking.

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