Sexismusdebatte: Gomringer-Gedicht soll übermalt werden | Bücher | DW | 23.01.2018
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Sexismusdebatte: Gomringer-Gedicht soll übermalt werden

Die Alice Solomon Hochschule in Berlin will ein Gedicht des Schweizer Schriftstellers Eugen Gomringer an ihrer Fassade übermalen lassen. Ihm wurde Sexismus vorgeworfen. Nun geht der Dichter auf die Barrikaden.

Der Akademische Senat beschloss am Dienstag (23.01.2018) mehrheitlich, statt des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer ab Herbst die neue Poetik-Preisträgerin Barbara Köhler mit Verszeilen zu Wort kommen zu lassen. Die Fassade der Alice Solomon Hochschule in Berlin soll übermalt werden.

Angehörige der Hochschule hatten moniert, Gomringers auf Spanisch verfasstes Gedicht "avenidas" könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Sie bezogen sich dabei auf den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Der Fall hatte international Aufsehen erregt. Das Deutsche PEN-Zentrum und der Kulturrat warnten vor Zensur.

Der Studentenverein der Hochschule wies in seiner Stellungnahme den Vorwurf der Zensur von sich: "Wir hingegen wollen weder Eugen Gomringer bestrafen, noch sein Werk verbieten, wir stellen noch nicht mal seinen Poetikpreis infrage. Wir wollen eine einfache Wand neu streichen und haben diese Entscheidung in einem langen Prozess durch demokratisch gewählte Gremien erkämpft." Und weiter führen sie aus: "Wir sagen nicht, dass Eugen Gomringer ein Sexist ist und dass er wollte, dass wir uns so fühlen, wenn wir das Gedicht lesen. Wir sagen nicht, dass dieses Gedicht Schuld an unseren sexistischen Erfahrungen ist." 

Gomringer kritisiert Entfernung seines Gedichts

Der Schweizer Lyriker Eugen Gomringer hat die geplante Übermalung seines Gedichts auf der Hochschulfassade in Berlin scharf kritisiert. "Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie", sagte der 93-Jährige am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.

Gomringer sagte, letztlich gehe es den Verantwortlichen um die Entfernung eines "nicht weichgespülten Gedichts" im Sinne einer falsch verstandenen political correctness. Sollte sich der Schritt nicht vermeiden lassen, habe er die Hochschulleitung aufgefordert, mit drei Plakaten an sein Gedicht und die Debatte darum zu erinnern.

jhi/rey (dpa/asta.asfh-berlin.de)

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