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Politik

Schussfahrt ins Ungewisse

Alle wollen Saddam Hussein stürzen – und dann? Die USA haben angeblich Pläne, die irakische Opposition auch. Experten bezweifeln aber, dass es überhaupt jemand schafft, dem Land Frieden zu bringen.

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Die irakische Opposition:
Jeder hat anderes im Blick

Eigentlich sind die irakischen Oppositionsgruppen äußerst uneins. Doch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatten sich einige Mitglieder um Geschlossenheit bemüht und einen Plan für die Zeit nach Saddam Hussein vorgestellt. Der gemeinsame Nenner: ein demokratischer Staat mit förderaler Struktur – und eine selbst aufgestellte Regierung.

Vergessen im eigenen Land

Nahost-Experten sind aber skeptisch, ob die Opposition ihre Ziele erreichen kann. "Sie werden es anfangs hinbekommen durch amerikanische Unterstützung", erklärt Thomas Philipp, Professor an der Universität Erlangen. "Aber einige von ihnen sind seit 30 Jahren außer Landes. Sie haben keine Basis mehr, man kennt sie im Land nicht mehr", sagt der Experte für Politik und Zeitgeschichte des Vorderen Orients im Interview mit DW-WORLD. "Außerdem sind sie alle untereinander sehr zerstritten."

Ähnlich sieht das Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik. In seinen Augen müssen sich die politischen Kräfte im Irak erst noch formieren. "Aber ein pluralistisches Parteiensystem wird sich erst langsam bilden."

Besatzung unerwünscht

Da scheint Hilfe von außen angebracht, obwohl laut Umbach "die Iraker solche Fragen eigentlich selber lösen müssten". Die USA wollen ihre Soldaten nach Kriegsende noch 18 Monate im Irak stationiert lassen und einen Übergangs-Staatschef einsetzen, wahrscheinlich aus den Reihen der UNO. Erst allmählich sollen die Iraker die Herrschaft übernehmen.

Diese Strategie sieht Umbach mit gemischten Gefühlen – anderthalb Jahre seien nicht genug. "Man wird von viel längeren Zeiten ausgehen müssen", ahnt er. Sein Kollege Philipp wird deutlicher: "Das ist das aufgewärmte Konzept einer Mandatsregierung", sagt er. "Es wird sehr schnell das Image einer Fremdherrschaft haben." Denn der Irak sei sich keiner Kriegsschuld bewusst – dann stünden die USA da "als typische Macht, der es nur ums Öl geht".

Öl gegen Aufbauhilfe

In der Tat wollen die USA die Ölfelder schützen – das schwarze Gold soll den Wiederaufbau finanzieren. Allerdings nur in Maßen, sonst würde der Ölpreis fallen und Streit mit den Ölstaaten der OPEC drohen.

Die Europäer dagegen würden sich zumindest beim Thema Öl nur begrenzt engagieren, betont Philipp. Die meisten Länder hätten keine großen Investitionen im Irak. Und die EU, ergänzt Umbach, müsste sich überhaupt erst auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Aus einem Staat werden drei

Was den Experten noch Sorgen macht: Der Irak könnte auseinander brechen, wenn einige Volksgruppen sich für unabhängig erklären – die Kurden im Norden, die Schiiten im Süden. Kurden und Schiiten aus anderen Staaten könnten sich anschließen wollen.

"Das würde zu Kettenreaktionen führen, die man nicht absehen kann", warnt Philipp. Andererseits: Wenn der Irak nicht zerbreche, stünden den USA vielleicht "drei, vier Jahre Guerilla-Krieg bevor".

Heimlich verschwindet der Diktator

Und was geschieht mit Saddam Hussein – sofern er beim Umsturz nicht umgebracht wird? "Wenn er klug wäre, würde er sich jetzt schon absetzen", meint Philipp. "Aber wahrscheinlich wird er später flüchten. Im Ausland kann man ihn dann in irgendeinen Palast setzen und abschließen." Umbach hält einen Prozess vor einem Kriegsgericht für denkbar, vorausgesetzt, man erwische den Diktator.

Alles in allem klagt Umbach über "jede Menge Fragezeichen". Auch der Orient-Experte Philipp sieht schwarz für den Irak: "Man kann da nur sehr pessimistisch sein."

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