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Kultur

Schlecht verteiltes Nass

Eigentlich gebe es keine globale Wasserkrise, heißt es bei der Weltwasserwoche in Stockholm. Massives Missmanagement sei das Problem. Werden in der Zukunft Kriege um das "blaue Gold" geführt?

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Wasser - davon mangelt es rund einem Drittel der Weltbevölkerung

"Jeder dritte Mensch leidet unter der einen oder anderen Form von Wassermangel", heißt es in der Studie, die auf der derzeitigen Weltwasserwoche (20.-26.08.) in Stockholm vom Internationalen Institut für Wassermanagement (IWMI) veröffentlicht wurde. "Es hat ein größeres Ausmaß, als wir dachten. Das ist sehr beunruhigend", kommentierte IWMI-Chef Frank Rijsberman das Ergebnis der Studie.

Allerdings leide die Welt nicht unter Wassermangel, sondern unter schlechtem Wassermanagement, stellte der Gewinner des diesjährigen Stockholmer Wasserpreises, Asit Biswas in seiner Eröffnungsrede zur Weltwasserwoche klar: "Lassen Sie mich einer herrschenden Meinung widersprechen: Die Welt steht keiner Wasserkrise gegenüber", erklärte Biswas, "wir betreiben ein ungeheures Missmanagement von Wasser."

Das Klima ist nicht schuld

Asit Biswas

Asit Biswas, Gewinner des diesjährigen Wasserpreises

Das Ausmaß verdeutlicht die Studie, die auf fünfjähriger Forschung beruht: Wasserknappheit habe zu 98 Prozent "menschliche" und zu zwei Prozent "natürliche Ursachen". Für 78 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs sei demnach die Landwirtschaft verantwortlich, 18 Prozent entfielen auf die Industrie. Zur Herstellung von einem Kilo Weizen würden zwischen 500 und 4000 Liter Wasser verwendet, für ein Kilo Fleisch aus industrieller Produktion 10.000 Liter.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass vor allem in den Entwicklungsländern bessere Wasserrückhaltesysteme und effizientere Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft eingerichtet werden müssten. Empfohlen wird auch die Entwicklung von dürreresistenten Getreidearten. Außerdem sei ein entschlossenes Umdenken nötig. Die Praxis der vergangenen 50 Jahre sei kein Modell zur Lösung der künftigen Versorgungsprobleme, erklärte IWMI-Chef Rijsberman.

Ein weiterer Grund dafür, dass Wasser nicht dort ankommt, wo es soll, ist Korruption. "Ohne Verminderung der oft übersehenen Korruption beim Kampf um die knappe Ressource Wasser ist das Millenniums-Ziel nicht zu erreichen, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser bis 2015 zu halbieren", sagte Håkan Tropp. Er ist Chef des neuen "Wasser-Integritätsnetzwerkes" (WIN), welches die Korruption bei der Verteilung von Wasser vor allem in armen Ländern bekämpfen will. Beteiligt sind daran neben der UN-Hilfsorganisation UNICEF und Transparency International auch die Weltbank und der internationale Branchenverband für private Wasserwirtschaft, Aquafed.

Frank Rijsberman

IWMI-Chef Frank Rijsberman

Machtmissbrauch und Bestechung seien wichtige Gründe dafür, dass weltweit 20 bis 40 Prozent des Wassers für Entwicklungsprogramme verschwänden, so das Netzwerk. "Das fängt an bei der Platzierung einer kleinen Wasserstelle und endet bei Großfirmen, die Wasserleitungen von mieser Qualität bauen oder sie einfach für sich selbst illegal anzapfen", sagte die niederländische Expertin Katherine Schordt.

Wasser als Quelle für Frieden

Bei der jährlich organisierten Weltwasserwoche in Stockholm beraten noch bis Freitag (26.08.) 1.500 Experten aus rund 100 Ländern über eine bessere Verteilung der immer knapper werdenden Ressource. Der Streit um Zugang zu Wasser ist häufig Ursache für Konflikte. Am Rande der Konferenz treffen sich dazu Vertreter aus dem Irak, Syrien und der Türkei, um über ein gemeinsames Wassermanagement zu beraten. Das oft bemühte Zukunftsszenario von unausweichlichen Kriegen um Wasser wird in Stockholm kritisch gesehen. Die Fakten würden doch zeigen, dass "Wasser eine einigende Kraft und eine Quelle für Frieden statt für Krieg ist", ließen die Veranstalter verlauten. Dazu wurde eine UNESCO-Statistik zitiert, laut der es in den letzten 50 Jahren weltweit zwar durchaus 501 Konflikte, aber eben auch 1.228 "kooperative Ereignisse" bei mehrseitiger Wasserknappheit gegeben hat. Demnach würden die Staaten eher zur Kooperation als zum Krieg tendieren. (mit)

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