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Musik

Schlagerstar Gunter Gabriel ist tot

Der deutsche Country- und Schlagersänger Gunter Gabriel ist in Folge eines Sturzes gestorben. Er wurde 75 Jahre alt. Zu den erfolgreichsten Songs des "deutschen Johnny Cash" gehört "Hey Boss, ich brauch mehr Geld".

Geboren ist Gunter Gabriel als Günter Caspelherr 1942 in Westfalen. Seinen Künstlernamen Gabriel, in Anlehnung an seine damalige Freundin Gabriele, legte er sich jedoch schon nach einem seiner ersten Auftritte zu. Aufgewachsen ist er im Nachkriegsdeutschland, ohne Mutter. Sie starb nach einer Abtreibung, als er vier Jahre alt war. Er schlug sich durch, begann eine Ausbildung als Schlosser und entdeckte schließlich den Rock'n'Roll für sich. Auf seiner Gitarre schrieb er erste Songs und entschied sich für den Country. Warum, erklärte er 2009 der "Berliner Zeitung": Country sei ein einfacher Musikstil und er habe hervorragend zu seiner Männlichkeit gepasst. Echte Kerle, rohe Cowboys, beinharte Trucker - das war seine Welt, darum drehen sich seine Songs.

Durchbruch in den 1970ern mit deutschem Country

In den 1970ern dann der Durchbruch: Gabriel hat erste Auftritte in der ZDF-Hitparade, wo sich alle Musikstars, die seinerzeit Rang und Namen hatten, die Klinke in die Hand gaben. Seine Hits hießen "Er ist ein Kerl (Der 30 Tonner Diesel)" (1973), "Hey Boss - ich brauch mehr Geld" (1974) oder "Komm' unter meine Decke" (1976). Er schaffte es mit seiner markanten, tiefen Stimme in die deutschen und österreichischen Charts und erspielte sich eine Fangemeinde, die ihn als deutschen Johnny Cash adelte. Zur gleichen Zeit schrieb er Songs für seine Kollegen, für Frank Farian etwa oder Roland Kaiser.

Absturz in den 1980ern: Kein Glück, kein Geld

An seine Erfolge in den 1970ern konnte der Musiker im Folgejahrzehnt nicht anknüpfen. Auch privat ging es bergab. Seine Ehe ging in die Brüche, bei Immobiliendeals verspekulierte er sich und verlor Millionen und er trank viel zu viel Whiskey.

Gunter Gabriel 80er Jahre (picture-alliance/jazzarchiv/H. Schiffler)

Gunter Gabriel in den Achtzigern

Erst nach der Jahrtausendwende fing er sich wieder. 2002 erschien "Gunterwegs", ein Country-Album, das von der Kritik gelobt wurde. Gleiches gilt für sein vorletztes Album "Gabriel singt Cash - Das Tennessee-Projekt", das er seinem Idol Johnny Cash widmete. Darauf interpretiert er nicht nur den berühmten Song "Ring of fire", sondern zahlreiche weitere Cash-Songs, allerdings nicht auf englisch. Gabriel sang Cash auf deutsch. Aufgenommen hat er die Platte im Studio des Großmeisters persönlich. Eine große Ehre für Gabriel.

Ausflug ins Trash-TV

Doch finanziell lief es immer noch nicht rund. Der kommerzielle Erfolg blieb aus. Er begann, Theater zu spielen, gab Wohnzimmerkonzerte und war sich auch mit über 70 für das Trash-Fernsehen nicht zu schade. Im weißen Nachthemd saß er für die RTL- Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" im australischen Dschungel, den er jedoch nach wenigen Tagen freiwillig wieder verließ. Wer es gut mit ihm meinte, nannte Gabriel einen leidenschaftlichen Musiker, der sich als deutscher Country-Star etabliert hatte. Wer es weniger gut meinte, bezeichnete ihn als mitunter peinlichen Proleten - was Gabriel jedoch gar nicht als Beleidigung empfand. Er gefiel sich in der Rolle des Machos. Nun ist der Musiker im Alter von 75 Jahren in Hannover in Folge eines Sturzes gestorben. Er hinterlässt vier Kinder von vier Frauen.

rey/ka (bild.de/Munzinger/dpa)

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