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Wirtschaft

Schaufenster Deutschland

Herbstzeit – Messezeit. Zwei Drittel aller Weltmessen finden zwischen Rhein und Oder statt. Trotzdem macht sich Hannovers Messechef Sorgen. Konkurrenz aus dem Ausland müssen die Deutschen aber wohl nicht fürchten.

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Messe Frankfurt: Marktführer in Deutschland beim Umsatz

Deutschland ist Messeland - und das seit über 800 Jahren. Natürliche Wegekreuze wie Frankfurt und Leipzig haben sich im Transitland Deutschland schon früh etabliert. Industrialisierung und Auffächerung der Branchen und nicht zuletzt die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges ließen in Deutschland zahlreiche weitere Messeplätze entstehen. Heute sind Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, München, Köln, Berlin, Nürnberg, Stuttgart, Essen, Leipzig und Hamburg die Orte, an denen die Branchenleitmessen der Welt veranstaltet werden.

Deutschland ist Welthandelsplatz Nr. 1

Flaggen zur CeBIT 2003

Cebit: Weltgrößte Messe für Informations- und Telekommunikationstechnik

Zwei Drittel der global führenden Branchenmessen finden in Deutschland statt: Die Ernährungsindustrie geht zur Anuga, die Zweiradhersteller zur Ifma und die Fotoindustrie zur Photokina - allesamt in Köln. Die Tourismusbranche trifft sich auf der ITB, die Unterhaltungselektronik bei der IFA - in Berlin.

Bücher die die Welt bewegen, werden auf der Buchmesse in Frankfurt vorgestellt. Leipzig muss da hinten anstehen, auch dreizehn Jahre nach der deutschen Einheit ist die historische deutsche Messestadt noch nicht wieder die alte. Andere Messeplätze haben zahlreiche Nischen besetzt: Düsseldorf hat die Bootsmesse, die Modemesse Igedo und die Medica. Weitere Nischen belegen Stuttgart und Essen. Und Nürnberg mit seiner einmalig großen Spielwarenmesse.

Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (Auma) in Berlin rechnet vor: Pro Jahr werden allein in Deutschland etwa 140 überregionale Messen und Ausstellungen mit 160.000 Ausstellern auf einer Standfläche von 6,5 Millionen Quadratmetern und neun bis zehn Millionen Besuchern in Deutschland veranstaltet. Zum Vergleich: Der Gesamt-Verband europäischer Messen (Emeca) veranstaltete im Jahr 2000 rund 1000 Veranstaltungen mit knapp 40 Millionen Besuchern - Frankfurt, München und Nürnberg mitgezählt.

Streit ums Zahlenwerk in der Branche

Obendrein definiert jede Messe ihre Ergebnisse anders. So ist in der Emeca-Zahl jede noch so unbedeutende Rassehundeausstellung oder Geflügelschau verzeichnet. "Da gibt es zwischen den einzelnen Messen Streit um die richtige Definition, ob eine Publikumsveranstaltung ohne Leitcharakter, aber mit Massenwirkung, oder eine 'echte' Messe in den Statistiken zählt", sagt Auma-Experte Harald Kötter.

Der Skoda Roomster auf der IAA 2003

Neue Automobiltrends auf der IAA

Das belegen auch die Einzelzahlen, die der Auma vorlegt: So ist die IAA in Frankfurt publikumswirksam, weil keine reine Fachmesse: Im Durchschnitt rund eine Million Besucher bummeln über die Stände von lediglich 1100 Ausstellern. Dagegen hatte die Tourismusbörse ITB in Berlin 2002 knapp 10.000 Aussteller, aber nur 122.000 Besucher. Die Cebit hat von allem viel - Fläche, Aussteller und Besucher: 2002 waren fast 400.000 Quadratmeter belegt, es kamen 673.000 Besucher. Viele von ihnen sind aus dem Ausland: Laut Auma waren im Juli 2003 erstmals 20 Prozent aller Messe-Besucher in Deutschland Ausländer, vor allem aus Europa.

Konkurrenten kaum in Sicht

In Europa und Übersee sind die großen Messe-Namen wesentlich dünner gesät als in Deutschland. Ein großer Messeplatz ist Mailand, bekannt durch die Modemesse und in der Metallindustrie durch die EMO, die jedoch jedes zweite Mal in Hannover stattfindet. Zahlreiche Spezialmessen finden zudem in Birmingham in Großbritannien und Barcelona statt. Paris ist berühmt für die Modenschau Prêt-a-porter und die internationalen Luft- und Raumfahrtschau. Weltweite Anziehungskraft haben die Automobilmessen, neben Frankfurt in Detroit, Genf und Tokio. Aber gerade die Industrieriesen USA und Japan haben kaum nennenswerte Ausstellungen zu bieten. Fehlanzeige auch in Rom, Madrid, Moskau, Wien oder Brüssel.

Gegenseitiges Totbeißen?

Hannover Messe Logo 2003

Wichtige Adresse: Messestandort Hannover

Es ist paradox: "Der Messeplatz Deutschland läuft Gefahr, die führende Position als Mutterland der internationalen Leitmessen zu verlieren", zitierte jüngst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Sepp Heckmann, den künftigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Messe AG in Hannover. Man schneide inzwischen verstärkt aus Großmessen Teile heraus und veranstalte eine Spezialmesse. Deutschland lebe aber von den Leitmesse. "Think big", fordert daher der Hannoveraner Messechef in spé. Aber ernsthafte Konkurrenz wittert er nicht. Auch Auma-Experte Kötter nicht: "Ich denke, Herr Heckmann hat recht, wenn er prophylaktisch warnt. Aber akute Gefahr besteht nicht, auch nicht durch das Ausland", sagt er. Wenige Plätze seien weltweit renommiert. "Hongkong, Las Vegas, Mailand, Birmingham und Paris zählen wir dazu."

Die kleineren deutschen Messen freilich spüren den Druck der Großen. Fusionen und Kooperationen könnten sie international schlagkräftiger machen. Aber noch herrschen oftmals lokale Egoismen vor. Gleichzeitig werden internationale Kooperationen immer wichtiger. Die Messe selbst wird zum Exportartikel.

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  • Datum 05.11.2003
  • Autorin/Autor Detlev Karg
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4Hyf
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