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Europa

Scharfe Worte zwischen Tallinn und Moskau

Für die einen ist es ein Symbol von Freiheit und Heldentum, für die anderen eins der Unterdrückung. Auch nach dem Wiederaufbau des russischen Kriegsdenkmals kommen die diplomatischen Streitigkeiten nicht zur Ruhe.

Das Denkmal in Tallinn: Ein Soldat mit Gewehr und ohne Helm. (Quelle: AP)

Der Bronzesoldat hat mindestens ein Menschenleben auf dem Gewissen

Ein Mann liegt am Boden, blutig (Quelle: AP)

Bei den Protesten in Tallinn floss Blut

Im Streit um ein sowjetisches Ehrenmal in der estnischen Hauptstadt Tallinn haben sich die Spannungen zwischen Russland und Estland am Montag (30.4.07) weiter verschärft. Der Veteranenausschuss der russischen Staatsduma forderte den Rücktritt der Regierung von Estland. "Die Regierung hat die Krise provoziert und versagte beim Umgang mit den Unruhen, bei denen ein Mensch getötet wurde", sagte der Ausschussvorsitzende Nikolai Kowaljow nach Angaben der Agentur Interfax. Er reiste am Montag mit einer Parlamentsdelegation von Moskau nach Tallinn. Der Sprecher des Auswärtigen Ausschusses des estnischen Parlaments bezeichnete die Aussagen Kowaljows als bedauerliche "Propaganda-Stellungnahme".

"Psycho-Terror" nach der Verlegung

Am bisherigen Standort des Kriegerdenkmals exhumierten die Behörden die sterblichen Überreste von zwölf sowjetischen Soldaten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollten die Toten, sofern sie identifiziert werden könnten, an ihre Familien übergeben werden. Nicht zu identifizierende sterbliche Überreste sollen auf dem Militärfriedhof von Tallinn bestattet werden. Dort wurde am Montagnachmittag das strittige Denkmal auf einem neuen Sockel wieder aufgebaut. Für die russische Minderheit in Estland symbolisiert der zweieinhalb Meter große Bronzesoldat den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur und erinnert an die gefallenen sowjetischen Soldaten. Viele Esten denken bei seinem Anblick jedoch an die jahrzehntelange sowjetische Besatzung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Verlegung des Denkmals war eines der zentralen Wahlversprechen von Estlands Regierungschef Andrus Ansip vor der Parlamentswahl am 4. März.

Toomas Hendrik Ilves (Quelle: AP)

Estlands Präsident Ilves will Polizeischutz für seine Botschaft

In Moskau blockierten Kreml-nahe Jugendorganisationen weiter die Botschaft von Estland. Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves warf den russischen Behörden vor, nichts dagegen zu unternehmen. Rund um die Botschaft herrsche "Psycho-Terror", sagte Ilves. In dem Gebäude säßen zwei Dutzend Esten "wie in Geiselhaft" fest, anderen werde der Zutritt verwehrt. Außenminister Urmas Paet sagte im Rundfunk: "Wir konnten eine schwangere Mitarbeiterin herausholen, aber andere Angestellte kommen nicht raus." Russland halte sich nicht an seine Pflicht, diplomatische Einrichtungen zu schützen. Deshalb wolle Estland die Europäische Union bitten sich einzuschalten.

Randale oder Zivilcourage?

Der Streit um die Statue belastet das Verhältnis zwischen Russland und Estland seit Monaten. Das Denkmal war am Freitag unter gewalttätigen Protesten pro-russischer Demonstranten abgebaut worden. Bei den nächtelangen Krawallen in Tallinn waren ein junger Russe getötet und mindestens 150 Menschen verletzt worden. 1000 Menschen wurden festgenommen, 50 von ihnen waren am Sonntag noch in Haft.

Die Russische Kowaljow-Delegation will ihre Freilassung erreichen. Die Demonstranten hätten Zivilcourage bewiesen. "Wir sind ihnen aufrichtig dankbar", sagte Kowaljow. Nach zuletzt heftigen Wortgefechten bemühte sich die estnische Seite am Montag um eine Beruhigung der Lage. Der Besuch der russischen Abgeordneten solle dazu dienen, den Dialog zwischen Moskau und Tallinn wiederherzustellen, erklärte das Außenministerium. (ask)

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