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Aktuell Welt

Russland fordert Waffenruhe nach Flugzeugabsturz

Nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine hat Russlands Präsident Putin die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand aufgerufen. Weltweit herrscht Wut und Trauer über das Unglück.

"Wir verfolgen die Ereignisse in der Ostukraine mit großer Sorge und Trauer. Es ist eine entsetzliche Tragödie", erklärte der russische Präsident Wladimir Putin mit Blick auf den Absturz der malaysischen Passagiermaschine im Osten der Landes. Nun müsse es schnell eine Waffenruhe und direkte Gespräche zwischen der Regierung in Kiew und den prorussischen Rebellen geben, forderte Putin bei einem Treffen mit Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche. Er sei in Kontakt mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

Zuvor hatte Putin die Ukraine für das Unglück verantwortlich gemacht. Präsident Poroschenko beschuldigte seinerseits die Rebellen, einen "Terrorakt" begangen zu haben. Ungeachtet aller Vorhaltungen gedachte auch Putin und seine Mitarbeiter der Opfer:

Mit Bestürzung reagierten Bundespräsident Joachim Gauck und Papst Franziskus auf das Unglück. Das katholische Kirchenoberhaupt bete für die Opfer und ihre Familien, hieß es in einer Mitteilung des Vatikans. Zugleich appellierte der Papst an die Konfliktparteien in dem Land, Verhandlungen für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts aufzunehmen, um weitere Verluste von Menschenleben zu verhindern.

"Deutsche und Malaysier sind im Augenblick der Trauer um die Opfer aufs Engste verbunden", versicherte Bundespräsident in einem Kondolenztelegramm an den malaysischen König Tuanku Abdul Halim Mu'adzam Shah. Dem niederländischen König Willem-Alexander sprach Gauck nach Angaben des Präsidialamts telefonisch sein Beileid aus.

Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Mitgefühl ausgedrückt: "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer", sagte Merkel in Berlin. Die Bundeskanzlerin bestätigte Berichte, nach denen sich auch vier Deutsche unter den Opfern des Absturzes befinden. Sie forderte "nun schnellstmöglich eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls" einzuleiten. Dafür sei ein Waffenstillstand notwendig.

"Es ist dann natürlich auch wichtig, dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Es gibt sehr sehr viele Indizien dafür, dass es sich um einen Abschuss des Flugzeugs handelt". Russland habe eine Verantwortung für das, was in der Ukraine passiert, hob sie hervor. Sie rief Russland und Präsident Putin deshalb dazu auf, einen Beitrag zu leisten, dass es zu einer politischen Lösung des Ukraine-Konfliktes komme.

In einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte habe sie das Beileid der Bundesregierung und der Menschen in Deutschland für die vielen Betroffenen ausgesprochen, sagte Merkel.

Flaggen auf Halbmast

In den Niederlanden selbst hängen die Flaggen auf Halbmast. Viele Familienmitglieder der Passagiere kamen zum Flughafen Schiphol bei Amsterdam, wo der Flug MH17 am Donnerstag nach Kuala Lumpur gestartet war. Ein Großteil der

298 Opfer des Absturzes

kam aus den Niederlanden. Ministerpräsident Rutte zeigte sich "zutiefst schockiert", der niederländische König erklärte, er sei tief traurig über die schreckliche Nachricht: "Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer und bei all denen, die noch nicht wissen, ob ihre Freunde an Bord waren. "

Der Vizepräsident von Malaysian Airlines, Huib Gorter, kündigte an, die Angehörigen würden per Flugzeug an die Absturzstelle gebracht, wenn sie dies wollten. Die Rebellen sagten den Ermittlern den Zugang zur Absturzstelle zu.

Verbrechen oder Unfall?

US-Geheimdienstexperten gehen davon aus, dass die Maschine

von einer Boden-Luft-Rakete getroffen

wurde. Auch Australiens Ministerpräsident Tony Abbott sagte: "Es sieht eher nach einem Verbrechen als nach einem Unfall aus."

Die US-Regierung sieht Russland deshalb in der Mitverantwortung: "Der Vorfall ereignete sich im Kontext einer Krise in der Ukraine, die von russischer Unterstützung für die Separatisten mit Waffen, Material und Ausbildung angeheizt wird", heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Darin wird den Angehörigen der Opfer das tiefe Beileid der US-Regierung ausgesprochen:

Der außenpolitische Sprecher der CDU, Philip Missfelder, fordert eindeutige politische Konsequenzen aus dem Vorfall:

Rückschlag für die AIDS-Bekämpfung

In der Unglücksmaschine saßen offenbar auch bis zu hundert Passagiere, die an der Welt-Aids-Konferenz in Australien teilnehmen wollten. Die australische Zeitung "Sydney Morning Herald" berichtete, rund ein Drittel der Opfer seien Forscher und Aktivisten auf dem Weg nach Melbourne. Die Internationale Aids-Gesellschaft bestätigte, dass zahlreiche "Kollegen und Freunde" an Bord der Maschine waren.

Wellen in den sozialen Netzwerken schlug auch der offenbar witzig gemeinte Facebook-Eintrag des Passagiers Cor Pan, der mit der MH17 flog. Er machte - in Anspielung auf die verschwundene Maschine der Malaysia Airlines MH370 - ein Foto der Maschine und schrieb unittelbar vor dem Start: "Falls sie verschwindet, so sieht sie aus."

ab/mm/sp/pd (dpa, afp, rtr, ap)

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