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Aktuell Europa

Flugzeug mit fast 300 Menschen in der Ost- Ukraine gezielt abgeschossen?

Ein Verkehrsflugzeug mit 298 Menschen stürzt in der Ost-Ukraine mitten im Kampfgebiet ab – es gibt keine Überlebende. Separatisten und Regierungstruppen beschuldigen sich gegenseitig, die Maschine abgeschossen zu haben.

Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines vom Typ Boeing 777 ist auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über dem Osten der Ukraine abgestürzt. Niemand der 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder überlebte den möglichen Abschuss in etwa 10.000 Meter Höhe. Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Fluggesellschaft unter anderem mindestens 154 Niederländer, 27 Australier, 23 Malaysier. Auch alle 15 Crewmitglieder seien malaysische Staatsbürger gewesen. Ein Sprecher des Amsterdamer Flughafens erklärte, auch vier Deutsche seien getötet worden. Das Auswärtige Amt bestätigte dies bisher nicht.

Helfer an der Absturzstelle der Malaysia Airlines MH-17 (Foto: dpa)

Helfer an der Absturzstelle

Russlands Präsident Wladimir Putin gab der Ukraine die Schuld an dem Absturz. "Diese Tragödie wäre nicht passiert, (...) wenn nicht die Kampfhandlungen im Südosten der Ukraine wieder aufgenommen worden wären", sagte Putin in Moskau. Ukraines Präsident Poroschenko sprach von einem "terroristischen Akt". Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben - wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Die ukrainische Luftwaffe habe mit der Tragödie nichts zu tun, so der Präsident, der umgehend eine Untersuchungskommission bilden ließ.

Flugzeug wurde "vom Himmel geholt"

Auch US-Vizepräsident Joe Biden sprach von einem Abschuss der Maschine. Der Absturz sei "kein Unfall", die Maschine sei "vom Himmel geholt worden", sagte Biden nach Angaben des TV-Senders MSNBC in Detroit. Das entspricht der Einschätzung des US-Geheimdienstes, der von einem Raketenbeschuss ausgeht, wie die "Washington Post" berichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen US-Beamten mit der Aussage, die Maschine sei von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden, mit unklarem Startort.

Laut ukrainischem Innenministerium wurde die Boeing 777 von einer Rakete vom Typ Buk getroffen. Sie sei bei Schachtjorsk, etwa 60 Kilometer westlich der russischen Grenze, niedergegangen. Die Region wird von ukrainischen Separatisten kontrolliert. Das in den 1980er-Jahren von sowjetischen Militärs entwickelte Lenkwaffen-System kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. Die ukrainischen Aufständischen erklärten, sie besäßen keine Waffensysteme, um Maschinen in dieser Höhe abzuschießen. Die Separatisten warfen ihrerseits den ukrainischen Streitkräften den Abschuss vor.

Der ukrainische Geheimdienst teilte inzwischen mit, er habe Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Aufständische den Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeugs eingestanden hätten. Wenige Minuten nach dem Absturz der Boeing hätten die Separatisten dem russischen Militär übermittelt, dass Kosaken-Milizen das Flugzeug getroffen hätten. Möglicherweise seien die Aufständischen davon ausgegangen, auf ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonow An-26 zu schießen. Der ukrainische Geheimdienst SBU veröffentlichte die Telefonate, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt.

OSZE darf zur Absturzstelle

Die Aufständischen gaben an, sie hätten den Flugschreiber der Boeing gefunden. "Die Black Box wurde sichergestellt", sagte einer ihrer Sprecher. Auch Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) machten sich auf den Weg zum Wrack. Die Separatisten boten am Abend eine befristete Feuerpause während der Bergungsarbeiten an. Zudem sicherten sie Einsatzkräften und Ermittlern freien Zugang zum Wrack zu, wie die OSZE in Wien mitteilte.

Nach dem Absturz ändern mehrere Airlines ihre Flugrouten. Die Lufthansa teilte am Abend mit, sie haben entschieden, "von sofort an den ukrainischen Luftraum weiträumig zu umfliegen". Auch Frankreich, Großbritannien und die US-Luftfahrtbehörde FAA forderten Fluglinien auf, den Luftraum über der Ukraine zu meiden. Andere Gesellschaft fliegen schon seit der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland im März aus Sicherheitsgründen um die Krisenregion herum.

re/cw/kle (rtr, dpa, afp, ap, tagesschau.de)

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