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Europa

Putin in der Normandie

Wladimir Putins Besuch bei den D-Day-Feierlichkeiten wurde genauestens beäugt. Denn zum ersten Mal seit Beginn der Ukraine-Krise traf der russische Präsident direkt auf seine Kritiker im Westen.

Kommt Putin überhaupt? Oder sagt er in letzter Minute noch ab? Wer soll neben ihm sitzen auf der Ehrentribüne? Wer will das überhaupt? Selten war vor einem Staatsbesuch ein derart undiplomatisches Aufhebens gemacht worden, wie jetzt um den Besuch des russischen Präsidenten in der Normandie. Seit der Annexion der Krim durch Russland ist Putin im Westen eine politische persona non grata, aus der Gruppe der wichtigsten Industriestaaten wurde Russland bis auf weiteres ausgeschlossen. Putin trat die Reise nach Frankreich wohl auch an, um aus der Isolation heraus zu kommen. Dafür zahlte er einen Preis, der in Vier-Augen-Gesprächen zu entrichten war.

Einzelgespräche mit dem Gast aus Moskau

Als erster las der britische Premier David Cameron ihm die Leviten. "Das war ein Treffen mit einer ganzen Reihe klarer und fester Botschaften", so Cameron hinterher. Und die britische Delegation streute, die beiden hätten sich nicht einmal die Hand gegeben. Am Freitag (06.06.), kurz vor den offiziellen Feiern zum 70. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie, traf sich dann Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Putin. Zwar begrüßten die beiden sich mit Handschlag, doch die Bilder der Unterredung vermitteln Anspannung, Unbehagen, Ernüchterung. Die Kanzlerin habe Putin aufgefordert, seine "Verantwortung" für die Lage In der Ost-Ukraine wahr zu nehmen, hieß es anschließend.

Putin und Merkel 06.06.2014 Ouistreham

Sichtbare Anspannung: Putin und Merkel in Ouistreham

Am Freitag Mittag dann stand Frankreichs Präsident Francois Hollande vor Schloss Benouville, um seine Gäste, Staats- und Regierungschefs, in Empfang zu nehmen. Als Putin vorfuhr, war die Spannung noch spürbar. Doch dann bugsierte der französische Präsident seinen Gast ins Innere und verschwand mit ihm. Das Protokoll in der sengenden Mittagshitze übernahm Premierminister Manuel Valls. Hollande moderierte derweil ein Gespräch zwischen Putin und dem gewählten - aber noch nicht vereidigten - ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Bisher hatte die Führung in Moskau die Präsidentschaftswahlen in Kiew und damit Poroschenko nicht eindeutig anerkannt. Beobachter werteten die Unterredung dementsprechend als kleinen Vermittlungserfolg, zumal beide gemeinsam zum Gewaltverzicht in der umkämpften Ost-Ukraine aufriefen.

"Informeller Austausch" mit Obama

D-Day Feier 06.06.2014 Obama und Putin

Im Hintergrund: Putin in ungewohnter zweiter Reihe

Auch mit US-Präsident Obama sprach Putin, zehn Minuten lang, vielleicht zwölf, vielleicht sogar zweimal. Jedenfalls beeilte sich das Weiße Haus festzuhalten, dies sei lediglich ein informeller Austausch gewesen, nichts Offizielles. Und während die Journalisten noch rätselten, wer mit wem wie lange gesprochen hatte, begaben sich die Ehrengäste zum Strand von Ouistreham, zur zentralen Gedenkfeier.

Als Obama vorfuhr, klatschte auch Putin brav Beifall und unterhielt sich dann weiter mit Angela Merkel, diesmal recht entspannt. Frankreichs Präsident schließlich rühmte den "Mut der Roten Armee", die einen "entscheidenden Beitrag" zum Sieg über Nazi-Deutschland geleistet habe. Dem schwierigen Gast aus Moskau war dies offenkundig eine wichtige Geste.

D-Day Feier 06.06.2014 Ouistreham Leinwand Obama und Putin

Trickkiste: Obama (li.) und Putin von der Bildregie vereint

Für einen kurzen Moment schienen sich die Spannungen mit Russland dann ganz zu verflüchtigen. Obama und Putin saßen nicht nebeneinander auf der Tribüne, dafür hatte das Protokoll gesorgt. Der Bildregie des Großereignisses gefiel das nicht; sie montierte die beiden Politiker durch einen elektronischen Trick auf der Großleinwand in einem Bild nebeneinander. Hunderte Besucher der Gedenkfeier klatschten spontan und lachten. Selbst Putin lächelte – wenn auch nur kurz.

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