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Essen

Prozess zu Anschlag auf Sikh-Tempel beginnt

Im April hatten Jugendliche eine Bombe in Essen gezündet, um "Ungläubige" zu töten. Einer der Täter nimmt nun Abstand von der islamistisch motivierten Tat.

Prozessbeginn nach Anschlag auf Sikh-Gebetshaus in Essen (picture alliance/dpa/R. Weihrauch)

Das Sikh-Gemeindezentrum in Essen am 21. April 2016, fünf Tage nach dem Bombenanschlag

Drei Jugendliche müssen sich vor dem Landgericht Essen wegen eines Bombenanschlags auf einen Sikh-Tempel im April verantworten. Die Angeklagten waren zu dem Tatzeitpunkt alle 16 Jahre alt. Zusätzlich werden sie auch wegen zweier Probesprengungen in einem Gelsenkirchener Skater-Park im Januar angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Mord vor, außerdem gefährliche Körperverletzung, Herbeiführen einer Explosion und gemeinschädliche Sachbeschädigung.

Die Teenager hatten das Attentat auf den Essener Sikh-Tempel im April mit einer selbstgebauten Bombe verübt, um "Ungläubige" zu töten. Die Bombe war vor einer Eingangstür des Sikh-Gebetshauses explodiert. Der Priester und zwei Besucher wurden verletzt.

"Die Gemeindemitglieder sind bis heute noch geschockt über diesen Vorfall", sagte der Nebenklage-Anwalt des damals schwer verletzten Priesters kurz vor Beginn des Prozesses. Der 60-jährige Geistliche habe lange im Krankenhaus gelegen und könne sein Amt nicht weiter ausüben.

Ein Angeklagter distanziert sich

Die drei Jugendlichen kommen aus Gelsenkirchen, Essen und Schermbeck und handelten vermutlich aus islamistischen Motiven. Der Verteidiger des Angeklagten Yusuf T. sagte über seinen Mandanten: "Er wendet sich heute ganz klar von diesen falschen Vorstellungen ab und sagt: 'Das war alles ein paranoider Wahnsinn, den ich heute selbst nicht mehr nachvollziehen kann.'"

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So schreibt es das Jugendgerichtsgesetz vor. Ein Urteil wird voraussichtlich im Februar gesprochen.

Der Sikhismus ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Wanderprediger Guru Nanak zurückgeht. Die meisten Anhänger leben in Indien, wo die Glaubensgemeinschaft ihren Ursprung hat. In Deutschland leben rund 25.000 Sikhs.

lf/mak (epd, dpa)

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