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Kultur

"Perspektive Europa"

Welche Perspektive hat Europa? Und wie sieht man von außen auf uns? Die Berliner Akademie der Künste wollte es wissen und lud prominente Schriftsteller aus fast allen Kontinenten zu einem Kongress ein.

Klaus Staeck vor 'seiner' Akademie der Künste in Berlin

Klaus Staeck vor "seiner" Akademie der Künste in Berlin

In seinem sonnendurchfluteten Büro sitzt ein gut gelaunter Klaus Staeck. Hinter ihm das Brandenburger Tor im Sonnenschein. Doch es ist nicht der Sonnenschein, der den Leiter der Akademie der Künste so zufrieden macht. Es ist ein Kongress, den sein Haus im Auftrag des Auswärtigen Amts organisiert hat. "Perspektive Europa" - ein Kongress, zwei Tage und sieben Schriftsteller aus allen Kontinenten. Klaus Staeck konnte sich vor allem über zwei Literaturnobelpreisträger freuen. "Es war ein hervorragender Auftakt. Unser Ziel war ja auch, endlich mal den Blick von außen auf Europa kennen zu lernen, weil wir doch immer mehr dazu neigen, Europa nur noch als Binnenmeer im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen und unsere Grenzen zu verteidigen."

Bundesaußenminister Steinmeier mit den Schriftstellern Ilija Trojanow, Elias Khoury und Assia Djebar

Bundesaußenminister Steinmeier mit den Schriftstellern Ilija Trojanow, Elias Khoury und Assia Djebar

Am Abend zuvor hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in der Akademie der Künste den Kongress eröffnet. Eine Art intellektueller TÜV sollte die Veranstaltung werden, um die Fahrtauglichkeit der alten Dame Europa zu überprüfen. "Das hier ist in der Tat keine Selbstverständlichkeit“, sagte Steinmeier. "Autoren und Intellektuelle machen gemeinsam mit uns, mit der Präsidentschaft der EU, einen Spaziergang rund um den europäischen Standort und helfen bei der Überprüfung und der Neubesichtigung europäischer Positionen und Sichtweisen.“

Der Nobelpreisträger und der Bayer

Wole Soyinka

Wole Soyinka (Archivbild)

Die Positionen und Sichtweisen eines geografischen und kulturellen Konstruktes besichtigen - dafür hatte die Akademie der Künste mehrere Diskussionsrunden mit prominenten Schriftstellern organisiert. Etwa mit dem afrikanischen Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der mit Sandra Maischberger über den Spagat zwischen nationaler und europäischer Identität sprach. "Ich habe heute eine E-Mail von einem meiner Freunde bekommen“, erzählte Soyinka. "Ein Bayer, der stolz ist einer zu sein. Ich nenne ihn deshalb auch immer den Bayern. Aber er ist genauso ein Deutscher. Ich denke das ist die Realität, in der wir leben. Die einzelne Identität wird konstruiert aus vielen verschiedenen Identitäten, um das Zusammenleben in einem Staat zu vereinfachen.“

Imre Kertész

Imre Kertész (Archivbild)

Ein anderer Literaturnobelpreisträger machte die Europäer auf die Schwierigkeiten der Osterweiterung aufmerksam. Der Ungar Imre Kertész warnte vor dem wieder erstarkenden Nationalismus in den neuen Mitgliedstaaten, die Europas Freiheit nicht so sehr schätzen könnten. Gerade weil sie sich ihre Freiheit nicht selbst erkämpft hätten, habe der Zusammenbruch der Sowjetunion noch immer Folgen für die Ex-Sowjetrepubliken, so Kertész "Ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Gesellschaft erlebte die Freiheit, die in ihren Schoß gefallen war im Grunde eher als Zusammenbruch.“

Offene Grenzen und Gastfreundschaft

Carlos Fuentes

Carlos Fuentes (Archivbild)

Auch der mexikanische Schriftsteller Carlos Fuentes mahnte die Europäer, ihre Geschichte nicht zu vergessen. Europa sei heute ein großer Erfolg, aber das sei keine Selbstverständlichkeit. "Es gibt eine europäische Jugend, die nicht mehr über die Vergangenheit nachdenkt. Die Gegenwart ist erfreulich und komfortabel. Die Grenzen sind offen, Popkultur braucht keinen Pass, die Vergangenheit ist vorbei, Geschichte vergessen.“

Assia Djebar

Assia Djebar (Archivbild)

Ein starkes Europa wünschten sich viele der angereisten Europabegutachter. Aber nicht nur das. Die erfolgreiche algerische Schriftstellerin Assia Djebar, übrigens die einzige Frau, die angereist war, wünschte sich auch eine andere Seite Europas stärker entwickelt zu sehen. "In meinem Wunsch-Europa müsste das Wort Gastfreundschaft zumindest ein kleines bisschen mehr Realität werden, egal über welches Land aus diesem Europa wir sprechen.“

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