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Politik

Pekings PR-Desaster

Peking muss sich endlich mit dem Dalai Lama auseinandersetzen. Ein Boykott der Olympischen Spiele in Peking wäre aber wenig hilfreich, meint Gui Hao.

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Was für ein PR-Desaster für die chinesische Regierung: Etwa 30 Mönche schafften während einer Pressekonferenz in Lhasa eine spontane Protestkundgebung. Eigentlich diente die strikt organisierte Journalistenreise dazu, das normale Leben in Tibet zu zeigen und die Macht der Regierung zu demonstrieren. Die Mönche jedoch unterbrachen die Rede eines chinesischen Regierungsbeamten, erzählten den ausländischen Journalisten über die blutige Niederschlagung der Unruhen und bestritten, dass der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, die Aufstände angezettelt habe.

Was müssen diese friedliebenden Buddhisten seit der Besatzung durch die Kommunisten 1951 erlitten haben, um sich dazu zu bewegen, langjährige Haftstrafen und Folter zu riskieren und gegen den Fremdherrscher zu protestieren. Der Gegner, den sie vielleicht nie besiegen können, ist das kommunistische China, die aufsteigende Weltmacht. Die Meldungen in den letzten Tagen beweisen, dass auch nach der Beruhigung der Lage immer noch viel Unmut und Unzufriedenheit in Tibet herrscht. Die Menschen dort sehen ihre kulturelle Identität bedroht.

Chinas Arroganz

Die moralischen Appelle aus dem UN-Menschenrechtsrat und der EU werden die Pekinger Führung ebenso wenig berühren wie die eindringliche Forderung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, in einen "substanziellen Dialog" mit Vertretern des Dalai Lama einzutreten. Voller Arroganz betont Peking zum wiederholten Mal, Tibet sei die innere Angelegenheit Chinas. Den Dalai Lama hat China zum Separatisten und Saboteur der Olympischen Spiele verdammt. Jegliche Einmischung aus dem Ausland wird von der Pekinger Regierung als politisches Armutszeugnis und Gesichtsverlust betrachtet. Sie erweckt nämlich den Eindruck, die Kommunisten hätten den Vielvölkerstaat nicht unter Kontrolle.

China fehlt die Kultur der Diskussion kontroverser Themen wie in westlichen Ländern. Nicht jeder darf dort seine Meinungen frei und öffentlich äußern. Die Ansichten der protestierenden Tibeter wurden in den staatlich kontrollierten Medien nie berücksichtigt. So wenden sie sich an die ausländischen Journalisten.

Änderung nur duch Spiele

Es hilft aber nicht wirklich viel, wenn man aus Protest gegen das harte Vorgehen die Olympischen Spiele oder die Eröffnungsfeier boykottiert. Denn nur mit der Teilnahme durch Tausende von Sportlern und Trainern werden gleichzeitig die westlichen Wertvorstellungen über Demokratie und Menschenrechte nach China exportiert. Allein das wird die chinesische Gesellschaft verändern.

Um eine friedliche Lösung für den Tibet-Konflikt zu finden, ist das direkte Gespräch zwischen Peking und dem Dalai Lama zwingend notwendig. Die letzten schweren Auseinandersetzungen zeigen, dass die junge Generation in Tibet doch noch zu Gewalt bereit ist. China hetzt gegen den Dalai Lama und hofft, dass sich der Konflikt von selbst löst. Die Realität zeigt: Die Lage könnte ohne den Dalai Lama nur prekärer werden.

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