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Politik

"Die Menschenrechtsverletzungen nehmen noch zu"

Handschellen als Olympische Ringe: Damit protestierte Jean-Francois Julliard bei der Entfachung des Olympischen Feuers gegen die Lage in China. Im DW-WORLD.DE-Interview erläutert er seine Gründe.

Mit diesem Banner protestierte Reporter ohne Grenzen in Olympia (24.3.2008, Quelle AP)

Mit diesem Banner protestierte "Reporter ohne Grenzen" in Olympia

Mit zwei Kollegen wurde Jean-Francois Julliard, Sprecher von Reporter ohne Grenzen, am Montag (24.3.2008) bei der Entfachung des Olympischen Feuers in Griechenland inhaftiert. Die drei Aktivisten hielten während der Rede des Chefs des chinesischen Olympischen Komitees, Liu Qi, ein Banner in die Kameras, das Handschellen in der Form der Olympischen Ringe zeigt.

DW-WORLD.DE: Worauf wollten Sie bei der Zeremonie mit Ihrem Protest aufmerksam machen?

Jean-Francois Julliard: Wir haben das gemacht, weil die Lage der Menschenrechte und die Pressefreiheit in China sich verschlechtern. Die Chinesischen Behörden hatten einige Versprechen gemacht, als ihnen die Ausrichtung der Spiele 2001 zugesagt wurde – aber sie haben nichts davon eingehalten. Es werden mehr Journalisten und Internet-User inhaftiert als 2001. Die chinesischen Behörden wollen die Menschenrechtslage vor den Spielen auch gar nicht verbessern. Wir haben jetzt weniger als fünf Monate bis zur Eröffnungszeremonie und wir müssen diese Zeit nutzen, um China unter Druck zu setzten und um das Thema Menschenrechtsverletzungen zur Sprache zu bringen.

Entfachungszeremonie in Olympia (24.3.2008, Quelle AP)

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" störte die süßliche Zeremonie

Heißt dass, Ihre Aktion hatte gar nichts mit der Situation in Tibet zu tun?

Wir haben das schon vor Wochen geplant. Auch wenn in Tibet nichts passiert wäre, hätten wir demonstriert. Die Situation in Tibet ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass die chinesischen Behörden nicht bereit für Verbesserungen sind, um Journalisten frei arbeiten oder die Tibeter friedlich demonstrieren zu lassen.

Sie wurden inhaftiert und später gegen Kaution wieder entlassen. Was werfen die griechischen Behörden Ihnen vor?

Wir wurden für zehn Stunden inhaftiert und dann dem Staatsanwalt vorgeführt. Uns wurde vorgeworfen, ein nationales Symbol anzugreifen, da wir das Olympische Zeichen auf unserer Flagge genutzt haben. Uns drohen ein Jahr Gefängnis und Geldbußen. Natürlich ist Griechenland in der EU und wir können uns nicht wirklich vorstellen, dass wir ins Gefängnis müssen, weil wir dort demonstriert haben. Aber es wird im Mai eine Verhandlung geben. Wir werden dann zurück nach Griechenland reisen, um bei der Verhandlung das Thema der Menschenrechte in China erneut anzusprechen – ein paar Monate bevor die Spiele beginnen.

Werden Sie zu den Olympischen Spielen nach China reisen?

Wir würden gern, doch können leider nicht. Wir haben schon im Dezember versucht, nach China zu kommen. Ich glaube, wir stehen in China jetzt auf einer Schwarzen Liste.

Viele Leute sagen, dass die Olympiade sich aus der Politik komplett heraushalten soll. Wie bewerten Sie das?

Es ist gut, dass diese Debatte jetzt geführt wird. Wir glauben, dass sich die Situation in den nächsten Wochen ändern wird. Der französische Präsident hat erst am Dienstag gesagt, dass alle Optionen offen stehen. Vielleicht wird er also einem Boykott der Eröffnungszeremonie zustimmen. Vielleicht wird er auch nur ein paar klare Worte sprechen. Wir wissen es nicht.

Sie unterstützen keinen Total-Boykott der Spiele, aber einen Boykott der Eröffnungsfeier?

Wir denken, ein Total-Boykott würde die Athleten strafen und die tragen keine Verantwortung. Sie haben nicht entschieden, dass die Spiele dort ausgerichtet werden. Aber wir bitten die Staatschefs, nicht an der Zeremonie teilzunehmen. Es wäre ein starke Geste zu sagen, wir wohnen einer Sportveranstaltung bei, aber nicht einer politischen Veranstaltung - die die Eröffnungszeremonie nun einmal darstellt.

Besteht nicht die Gefahr, dass durch diese Art Protest China noch härter reagiert?

Nein, sie können keine noch härtere Linie fahren. Wir haben Monate gewartet mit dieser Aktion. Wir waren geduldig. Wir haben Gespräche mit den Chinesen gesucht, aber das war alles nicht erfolgreich, es hat überhaupt nichts gebracht. Jetzt können wir nicht länger warten.

Planen Sie weitere Proteste?

Das kann ich Ihnen jetzt natürlich nicht sagen. Wir wollten die Entfachungs-Zeremonie schon nutzen, um vieles auszurichten und weiter zu geben. Das Olympische Feuer wird durch Städte in der ganzen Welt getragen und wir hoffen, dass es dabei auch viele Demonstrationen geben wird. Das Olympische Feuer wird in London und Paris sein, in den nächsten zehn Tagen, vielleicht wird das unser nächster Schritt sein.

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