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Politik

China greift hart durch

Die Tibet-Krise nimmt kein Ende: Chinesische Polizisten haben offenbar erneut auf Demonstranten geschossen. Nach Angaben der Exil-Tibeter sind in ihrem Heimatland bereits 1200 Menschen festgenommen worden.

Chinesische Patrouille in Lhasa

Stärke demonstieren: Chinesische Patrouille in Lhasa

Chinesische Sicherheitskräfte eröffneten nach exiltibetischen Angaben in Luhuo in der Provinz Sichuan das Feuer auf demonstrierende Mönche und andere Tibeter. Rund 400 Mönche hätten dort gegen den Tod eines 18-jährigen Tibeters protestiert, der am Vortag durch Schüsse der Polizei ums Leben gekommen sei, berichtete am Mittwoch (26.3.08) das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus Indien. Die Demonstranten forderten demnach auch eine Rückkehr des Dalai Lamas sowie Unabhängigkeit für Tibet.

Rund 660 tibetische Demonstranten haben sich nach chinesischen Angaben inzwischen der Polizei gestellt. Allein in Lhasa seien es 280 gewesen. Nach exiltibetischen Angaben wurden mehr als 1200 Tibeter festgenommen. Rund 100 seien verschwunden. Das TCHRD äußerte die Befürchtung, dass den Inhaftierten "Folter und äußerst unmenschliche Behandlung" drohen, um Geständnisse zu erzwingen.

Belagerung der Klöster dauert an

Tibeter protestieren in Indien gegen die Olympischen Spiele, Quelle: AP

Schaut auf diese Flamme: Tibeter protestieren in Indien gegen die Olympischen Spiele in Peking

Die Lage in den Klöstern, die von Sicherheitskräften abgeriegelt worden sind, bleibt unklar. Nach Darstellung von Exiltibetern mangelt es an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Ein Mönch sei im Kloster Rampoche bei Lhasa verhungert. Die Behörden in Lhasa verweigerten eine Stellungnahme.

Chinas Regierung will unterdessen eine "patriotische Erziehungskampagne" in den Klöstern verstärken. Das kündigte der Leiter des Krisenstabs in Lhasa an. Die tibetische Zeitung "Xizang Ribao" rief die Tibeter zur "Liebe zur Kommunistischen Partei, Liebe zum Vaterland und Liebe zum Sozialismus" auf. Die gewalttätigen Aktivitäten in Tibet seien nur noch ein letztes Aufbäumen des Dalai Lamas "vor seinem Tod".

Potala-Palast wieder geöffnet

In Lhasa wurde unterdessen der Potala-Palast wieder für Besucher geöffnet. Die frühere Residenz des Dalai Lama sei nach Ausbruch der Unruhen aus "Sicherheitsgründen" geschlossen worden, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Die anti-chinesischen Proteste in Tibet hatten am 10. März begonnen und waren vier Tage später eskaliert. Die tibetische Exilregierung wirft Peking vor, 140 Menschen bei der Niederschlagung der Proteste getötet zu haben. Die chinesische Regierung spricht von insgesamt 20 Toten.

Nach dem Verbot für ausländische Journalisten, frei nach Lhasa und andere Unruheregionen zu reisen, forderte der Club der Auslandskorrespondenten in China die chinesische Regierung auf, die Beschränkungen wieder aufzuheben. Auch mit dem Besuch einer Journalistengruppe in Lhasa bleibe Peking hinter den Versprechungen zurück, eine freie Berichterstattung zu gewährleisten. 26 Journalisten von 19 Medien trafen am Mittwoch zu einem streng reglementierten Besuch in Lhasa ein.

Boykott-Stimmung im Europäischen Parlament

Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit

Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit will einen Olympia-Boykott nicht ausschließen

Der im Exil lebende tibetische Parlamentspräsident Karma Chopel hat an die internationale Gemeinschaft appelliert, auf ein Ende der Unruhen zu dringen. "Wir müssen versuchen, das Gewissen der Weltgemeinschaft mit Blick auf die Geschehnisse in Tibet zu wecken", sagte er in Brüssel. Im EU-Parlament nehmen derweil die Forderungen nach einem Olympia-Boykott zu. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Daniel Cohn-Bendit, und der Vorsitzende der Tibet-Gruppe, Thomas Mann (CDU), sprachen sich nach Parlamentspräsident Pöttering (CDU) dafür aus, einen Boykott in Erwägung zu ziehen. Am Dienstag hatte Frankreichs Präsident Sarkozy bereits angedeutet, er könne die Olympia-Eröffnungsfeier in Peking boykottieren.

Die deutsche Wirtschaft lehnt ökonomischen Druck auf China ab. Besser seien politische Gespräche, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben in Berlin. Mit Sanktionen würde auch die deutsche Wirtschaft getroffen. Auch der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels sprach sich gegen Sanktionen aus. Der Vorsitzende der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Johannes Pflug (SPD), hatte einen Wirtschaftsboykott ins Gespräch gebracht. (tos)

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