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Aktuell Welt

Pakistanische Taliban greifen Flughafen an

Sie kamen mit Raketenwerfern, Sturmgewehren und Granaten: Bei einem spektakulären Überfall pakistanischer Taliban auf den Flughafen der Wirtschaftsmetropole Karachi sind mindestens 28 Menschen getötet worden.

Erst nach zehnstündigen Feuergefechten haben Polizei, Paramilitärs und Eliteeinheiten der Armee die Lage auf dem Flughafen von Karachi, der mit zehn Millionen Einwohnern größten Stadt Pakistans, endgültig wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Zu dem Angriff bekannten sich die radikal-islamischen Extremisten der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP).

Alle Extremisten getötet

Nach Angaben von Sicherheitskräften und Ärzten wurden bei den Kämpfen alle zehn Angreifer getötet, bei den weiteren Opfern handelt es sich zumeist um Wachleute und Angestellte der pakistanischen Fluglinie PA. 26 weitere Menschen wurden verletzt, offenbar aber keine Passagiere. Die Behörden zeigten später die Leichen der mutmaßlichen Angreifer - mindestens drei von ihnen hatten sich demnach selbst in die Luft gesprengt.

Die Taliban-Kämpfer waren als Polizisten verkleidet auf das Flughafengelände gelangt. Sie drangen in ein Terminal ein, das unter anderem von muslimischen Pilgern für ihre Flüge nach Mekka genutzt wird. Während der Kämpfe wurde der Flugverkehr auf dem Airport eingestellt und Passagiere in Sicherheit gebracht. Auf dem Rollfeld saßen Reisende in mehreren Maschinen stundenlang fest.

Taliban: Vergeltung für Luftangriffe

Die Taliban bezeichnete den Angriff auf den Flughafen als einen Racheakt für den Tod "unschuldiger" Menschen bei Bombardements der Luftwaffe in den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze. Im Mai waren rund 100 Extremisten bei Luftschlägen getötet worden - nachdem die TTP eine Waffenruhe im April nicht verlängert hatte. TTP-Sprecher Shahidullah Shahid erklärte zu dem Überfall in Karachi: "Das ist eine Botschaft an die pakistanische Regierung, dass wir noch am Leben sind." Der Angriff ist ein weiterer Rückschlag für die Bemühungen der Regierung von Ministerpräsident Nawaz Sharif, mit den Taliban Friedensgespräche aufzunehmen.

Die TTP und andere Extremisten kämpfen seit Jahren gegen die Regierung Pakistans und für die Schaffung eines streng islamischen Staates. Tausende Menschen wurden bei Anschlägen, Überfällen und Angriffen getötet. Nach Auffassung des pakistanischen Sicherheitsexperten Imitaz Gul sind die Taliban nicht wirklich an Friedensgesprächen interessiert. Vielmehr wollten sie Pakistans "strategische und wirtschaftliche Interessen" treffen und dafür sorgen, dass Ausländer zunehmend das Land meiden.

Ein weiterer Terrorüberfall ereignete sich derweil an der pakistanischen Grenze zum Iran. Die Angreifer töteten mindestens 24 schiitische Pilger die ihrer Glaubensrichtung heilige Stätten im Iran besucht hatten. Die rund 300 Pilger waren nach Angaben der örtlichen Grenzschutztruppen mit zehn Bussen aus dem Iran zurückgekehrt und gerade auf dem Weg in ihre Hotels, als die Angreifer Granaten warfen und das Feuer eröffneten. Zwei der drei Täter sprengten sich selbst in die Luft, einer wurde von Sicherheitskräften erschossen. Zu dem Angriff bekannte sich die wenig bekannte sunnitische Extremistengruppe "Jaishul Adil".

wl/haz (dpa, afp, rtr)

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