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Asien

Kommentar: Pakistan braucht Hilfe

Der blutige Überfall auf den Flughafen von Karachi zeigt einmal mehr, dass Pakistan mit seinem Terror-Problem überfordert ist. Hilfe, nicht militärische, muss von außen kommen, meint Florian Weigand.

Porträt von Florian Weigand (Foto: DW/Per Henriksen)

Florian Weigand, Leiter der DW-Redaktion Pashtu/Dari

Es gehört wohl zu den unausrottbaren Reflexen auf dem Subkontinent, dass immer zuerst das Nachbarland beschuldigt wird, wenn es zu Terrorangriffen kommt - so auch im Fall des Angriffs auf den Flughafen in Karachi. Die Feuergefechte waren noch voll im Gange, als pakistanische Medien meldeten, die Waffen und die Munition der Angreifer stammten aus Indien. Weit gefehlt: Nur Stunden später übernahmen die pakistanischen Taliban die Verantwortung. So ist eines klar: Die Ursachen für den genau geplanten Terrorangriff mitten in der größten Metropole Pakistans sind hausgemacht.

Monate des vorsichtigen Umkreisens und vorsichtiger Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Gotteskriegern sind Makulatur. Nun sprechen wieder die Waffen. Die pakistanische Luftwaffe bombardierte als Reaktion auf den Anschlag Stellungen der Taliban in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan, gleichzeitig wurde erneut der Flughafen in Karachi angegriffen.

So mancher in den Stäben der Armee und des Geheimdienstes mag sich nun fragen, ob die Taktik der vergangenen Jahre klug war, die Taliban im regionalen Machtpoker als Karte im Ärmel zu bewahren. Zur Erinnerung: Pakistan, immer in Angst, zwischen den Nachbarn Indien und Afghanistan zerrieben zu werden, päppelte die Taliban - zumindest im Verborgenen - als ewigen Stachel im Fleisch der Regierung in Kabul und seiner westlichen Verbündeten. Islamabad wollte sich damit den Einfluss im Nachbarland sichern. Dabei war lange billigend in Kauf genommen worden, dass die Extremisten in Pakistan ihre Stützpunkte errichteten, als Rückzugs- und Ausbildungslager für den Kampf um den Hindukusch.

Die Geister, die die Zauberlehrlinge in Islamabad riefen, werden sie aber nun nicht mehr los. Im Gegenteil: Während die Afghanen den Taliban erst im April deutlich die rote Karte zeigten und trotz der Drohungen der Extremisten in langen Schlangen an den Wahlurnen zur Präsidentschaftswahl anstanden, beweisen nun die Taliban in Pakistan auf drastische Weise, dass sie an Schlagkraft gewinnen.

Auf den großen Magier, der wie im Gedicht den Spuk des Zauberlehrlings beendet, wird Pakistan nun vergeblich warten. Die Einsätze der Kampfflieger in den Stammesgebieten scheinen kein probates Mittel zu sein, die Gewalt zu stoppen. Der erneute Angriff auf den Flughafen in Karachi ist ein weiteres Beispiel dafür, dass konventionelle Streitkräfte einen Guerilla-Krieg nicht gewinnen können. Die pakistanischen Militärs sollten die Lehren aus den Erfahrungen der Supermacht USA im Irak und Afghanistan ziehen.

Auf der anderen Seite: Verhandlungen mit Extremisten sind eine bittere Pille und führen nur selten zu dauerhaftem Erfolg. Um Frieden zu schaffen, sind andere Mittel nötig. Eines davon ist die wirtschaftliche Entwicklung jener Gebiete, wo die Extremisten stark sind. Investitionen in Infrastruktur, Gesundheits- und Energieversorgung können den Extremisten den Nährboden entziehen. Hier ist die internationale Gemeinschaft gefordert, denn Frieden in der Region ist von globaler Bedeutung. Pakistan ist eine Atommacht. Zu schrecklich wäre die Vorstellung, dass die Gotteskrieger ihre Hand an Nuklearwaffen legen könnten.

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