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Asien

Angst nach Flughafen-Attentaten in Pakistan

Zwei Angriffe auf den internationalen Flughafen von Karachi zeigen, wie mächtig die Islamisten in Pakistan sind. Experten machen Sicherheitslücken verantwortlich - und die Sturheit der Politiker.

Der Flughafen der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi ist am Dienstag (10.06.2014) erneut Ziel eines Taliban-Angriffs geworden. Nach Angaben eines Flughafensprechers lieferten sich Bewaffnete an einem Kontrollposten am Rande des Flughafengeländes einen Schusswechsel mit Sicherheitsbeamten. Schon in der Nacht zum Montag war es zu einem groß angelegten Angriff der radikalislamischen Taliban auf den internationalen Flughafen der südpakistanischen Stadt gekommen. Dabei gelang es den Taliban-Kämpfern wenige Stunden vor Mitternacht, Terminal 1 zu stürmen und bis zum frühen Montagmorgen zu belagern. 37 Menschen starben.

Der internationale Flughafen in Karachi ist der Flughafen mit dem größten Verkehrsaufkommen

Pakistans

. Täglich nutzen ihn rund 44.000 Passagiere.

Regierung als Hauptziel des Angriffs

Niemand in Pakistan hatte daran gezweifelt, dass die

Taliban

in der Lage seien, ein groß angelegtes Attentat zu planen: In der Vergangenheit hatten sie Militärbasen im ganzen Land angegriffen. Doch kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sie versuchen würden, die Kontrolle über den schwer bewachten Flughafen von Karachi zu übernehmen. "Was haben unsere 'allgegenwärtigen' Geheimdienste dagegen unternommen? Sie waren wohl gerade damit beschäftigt, kritische Nachrichten-Kanäle und Facebook-Seiten zu verbieten, anstatt mit den Taliban zu verhandeln und sie zu beschwichtigen", kritisiert ein pakistanischer Twitter-Nutzer.

Von Beginn an herrschten Zweifel an den Erfolgschancen der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung von Premierminister Nawaz Sharif und der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP). Die Gespräche gerieten vor rund einem Monat ins Stocken, als die Taliban ihre Attacken nicht einstellten und die Armee als Vergeltung eine Boden- und Luftoffensive im nordwestlichen Waziristan startete.

Reisende stehen in langen Schlangen vor den Check-in-Schaltern (Foto: dpa)

Lange Wartezeit: Alle Flüge wurden in der Nacht zu anderen Flughäfen umgeleitet

Der Flughafen-Angriff am Sonntag sei eine Reaktion auf die Luftangriffe, ließen die Taliban verlauten: "Das Hauptziel des Angriffs war es, der Regierung durch die Entführung von Flugzeugen und die Zerstörung von staatlichen Einrichtungen weh zu tun", sagte Taliban-Sprecher Shahidullah Shahid in einer Erklärung. "Das war nur ein Beispiel dafür, wozu wir in der Lage sind - es werden weitere Angriffe folgen. Die Regierung sollte sich auf noch schlimmere Angriffe einstellen."

Immer einen Schritt voraus?

Der politische Analyst Abdul Sattar aus Pakistans Hauptstadt Islamabad ist der Ansicht, dass die Taliban mit dem Anschlag die Botschaft an die Welt geschickt hätten, "dass sie lebendig, aktiv und gewillt sind, zuzuschlagen". Die Behauptungen der pakistanischen Behörden, die Taliban seien inzwischen schwächer worden, seien falsch. Im Gegenteil, sagt der afghanische Journalist und Dokumentarfilmer Sabin Agha, der in dem Angriff gar einen Beweis für die Überlegenheit, Disziplin, und Planung der Taliban sieht: "Sie sind den Sicherheitsbehörden immer einen Schritt voraus", meint er. "Wie sonst konnte eine Handvoll Terroristen Pakistan für mehr als 13 Stunden vom Rest der Welt abschneiden?" Der Südasien-Experte an der Universität von Texas, Snehal Shingavi, ist anderer Meinung. Die Taliban seien nicht in hohem Maße organisiert, sagt er der DW.

Überreste eines ausgebrannten Busses (Foto: Reuters)

Selbstmordattentat auf einen Bus: Die Taliban haben tausende Menschen in Pakistan getötet

Auch Pakistans Wirtschaft ist massiv von dem Konflikt betroffen. "Es reicht so langsam mit dem Versteckspiel zwischen der Regierung und den Taliban", sagt der Geschäftsmann Tahir Ahmed aus Karachi im Gespräch mit der DW. ''Unsere Unternehmen sind ruiniert worden."

Analyst: Unwahrscheinlich, dass Regierung ihren Kurs ändert

Trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen befürchten einige Experten, dass Pakistans Regierung nicht verstärkt gegen die Taliban vorgehen wird. "Die pakistanischen Taliban hätten durch militärische oder polizeiliche Aktionen ohnehin schon lange vertrieben werden können", sagt Südasien-Experte Shingavi im DW-Gespräch. Das, glaubt Dokumentarfilmer Agha, sei aber der falsche Weg. Stattdessen müsse nun eine entschiedene militärische Aktion gegen die Taliban folgen: "Ich glaube nicht, dass man mit ihnen nach solch einem dreisten Angriff auf die Souveränität Pakistans noch einen Dialog führen sollte."

Auch Analyst Abdul Sattar hält es für unwahrscheinlich, dass die pakistanischen Sicherheitsbehörden aus dem Flughafen-Angriff Schlüsse ziehen: "Pakistanischen Generäle haben langfristige Ziele in der Region. Wenn sie nichts nach Angriffen auf ihre Marinestützpunkte tun, werden sie auch jetzt nichts tun."

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