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Politik

Pakistan ruft einseitige Waffenruhe aus

Bis heute ungelöst: Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um die Kaschmir-Region. Jetzt hat Pakistan überraschend den einseitigen Waffenstillstand erklärt.

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Pakistaner (Vordergrund) wollen Frieden mit ihren indischen Nachbarn (Hintergrund)

Die Ankündigung kam überraschend: In der Fernseh-Ansprache zum ersten Jahrestag seiner Regierung erklärte Pakistans Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali einen einseitigen Waffenstillstand mit dem Nachbarland Indien. Auch die Armee habe bereits Anweisung erhalten, sagte der Regierungschef in seiner Ankündigung vom Sonntag (23.11.): Am Mittwoch (26.11.) geht der muslimische Fastenmonat Ramadan zu Ende und zeitgleich sollen von da an die Waffen an der so genannten Kontrolllinie in Kaschmir schweigen. Islamabad hoffe nun auf eine "positive und konstruktive Reaktion" aus Neu Delhi, so Jamali.

Der pakistanische Außenamtssprecher Massod Khan sagte in Islamabad, seine Regierung habe dem verfeindeten Nachbarland "einmal mehr" die Hand entgegengestreckt. "Jemand sollte den Mut haben, aufzustehen und sie zu ergreifen."

Reaktionen aus Indien

Indien hat die pakistanische Ankündigung eines einseitigen Waffenstillstands in Kaschmir begrüßt und eine "positive Antwort" in Aussicht gestellt. Außenamtssprecher Navtej Sarna wollte sich am Montag (24.11.) in Neu Delhi aber nicht darauf festlegen, ob damit ein indischer Waffenstillstand an der so genannten Kontrolllinie in der geteilten Unruheregion gemeint sein könnte.

Sarna betonte erneut, vor einem dauerhaften beiderseitigen Waffenstillstand müsse das Eindringen muslimischer Separatisten über die Kontrolllinie aus Pakistan gestoppt werden. Die indische Regierung schlug allerdings einen Waffenstillstand in Siachen vor, einer anderen umkämpften Stelle Kaschmirs, die nicht an der Kontrolllinie liegt.

Seit 1989: mehr als 65.000 Tote auf beiden Seiten

Seit ihrer Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft im Jahr 1947 haben Indien und Pakistan bereits zwei Kriege um das zwischen beiden Staaten geteilte Kashmir geführt. Beide Atom-Staaten erheben Anspruch auf die umstrittene Region. Die so genannte Kontrolllinie will weder die pakistanische noch die indische Regierung als internationale Grenze anerkennen. Allein seit 1989 sind mehr als 65.000 Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen ums Leben gekommen.

An der Grenze zum pakistanischen Teil Kaschmirs errichtet Indien derweil einen Stacheldrahtzaun. Geplante Gesamtlänge: 745 Kilometer. Fast ein Fünftel des elektrisch geladenen Zauns sind nach Angaben von Armeechef N.C Vij bereits fertig gestellt. Bis Mitte 2005 soll die Sperranlage entlang der gesamten Grenze stehen. Rund 4.000 Soldaten seien am Bau beteiligt, so Vij. Mit der Anlage solle das Eindringen militanter Islamisten aus Pakistan verhindert werden. In den vergangenen drei Monate sind nach Angaben der indischen Armee 300 bewaffnete Extremisten getötet worden, die versucht hätten, in den indischen Teil Kashmirs zu gelangen.

"Frieden mit Indien"?

Seit April dieses Jahres bemühen sich die Regierungen von Indien und Pakistan um eine Entspannung der Lage. Der Prozess der Annäherung war jedoch aufgrund der zunehmenden Gewalt im indischen Teil Kaschmirs zum einem Stillstand gekommen. Um wieder Bewegung in den Friedensprozess zu bringen, hat Neu Delhi der Regierung in Islamabad vor kurzem ein Zwölf-Punkte-Paket vorgelegt. Den jetzt angekündigten einseitigen Waffenstillstand nennt Pakistan selbst eine "historische Initiative". Man wünsche sich "Frieden mit Indien", so Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali.

(sü)

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