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Politik

Grenzfall Kaschmir

Wenn der indische Premierminister nach Kaschmir reist, ist das von politischer Bedeutung: Seit über 50 Jahren streiten dort Indien und Pakistan um die Macht in der Region. Eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.

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Festgetretene Pfade: indische Soldaten patrouillieren in Kaschmir

Indien hat sich mit Vorbehalten zu Gesprächen mit Pakistan über die Unruheprovinz Kaschmir bereit erklärt. Zunächst müsse Islamabad "konkrete Schritte" unternehmen, um die Kämpfe islamischer Extremistem in der Region zu beenden, forderte der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in Kaschmir (19.4.). "Es ist möglich, einen neuen Anfang zu machen, aber das hängt von Pakistan ab."

Die Regierung in Islamabad begrüßte das Angebot des indischen Premiers. Pakistan nehme "von ganzem Herzen" die von Vajpayee ausgestreckte "Hand zur Freundschaft" an, sagte Außenminister Khurshid Mahmud Kasuri der Nachrichtenagentur AFP. Sein Land sei stets der Überzeugung gewesen, dass der Kaschmir-Konflikt nur durch Dialog beigelegt werden könne.

Indien wirft dem benachbarten Pakistan vor, die islamischen Extremisten zu unterstützen, die für eine Loslösung Kaschmirs von Indien kämpfen. Wegen des Konfliktes hatten die beiden Atommächte im vergangenen Jahr am Rande eines Krieges gestanden. Seit 1989 wurden im Kaschmir-Konflikt nach amtlichen Angaben mehr als 37.500 Menschen getötet.

Zugehörigkeit unklar

Als der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um das prestigeträchtige Gebiet im Norden der beiden Länder 1989 wieder eskalierte, waren bereits drei Kriege um die Region geführt worden. "Die Auseinandersetzungen gehen zurück auf das Jahr 1947, als Indien und Pakistan aus Britisch-Indien hervorgingen", erklärt Christian Wagner von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

Beide Länder erhoben zu dieser Zeit Anspruch auf das Fürstentum Kaschmir, das von einem Hindu-Maharaja regiert wurde. Dieser herrschende Prinz hatte offiziell den Anschluss seines Landes an die Indische Union erklärt, worauf sich Indien bis heute beruft. Da allerdings die Bewohner Kaschmirs in großer Mehrheit nicht der hinduistischen Religion angehören, sondern Muslime sind, sah auch Pakistan sein Anrecht auf das Gebiet begründet. Nach dem Prinzip der Religionszugehörigkeit war bereits der Rest von Britisch-Indien aufgeteilt worden.

Kontrolllinie als Grenze

Soldat der pakistanischen Armee in Gefechtsbereitschaft im pakistanisch kontrollierten Kaschmir

Soldat der pakistanischen Armee in Gefechtsbereitschaft im pakistanisch kontrollierten Kaschmir

Eine vorläufige Lösung des Problems brachte erst ein Krieg zwischen den beiden Ländern: Seit 1949 bildet eine Kontrolllinie die Grenze zwischen einem pakistanischen und einem indischen Teil. Die Volksabstimmung, die laut einer Resolution der Vereinten Nationen (UN) die Zuordnung der Region endgültig regeln sollte, kam jedoch nie zu Stande. Auch der vereinbarte pakistanische Truppenabzug lässt weiter auf sich warten.

Die neuerliche Eskalation Ende der 80er Jahre gründete indes auf einem regionalen Zwischenfall. Wahlfälschungen im indischen Teil Kaschmirs hatten zu heftigen muslimischen Protesten geführt. "Diese Bewegung hat Pakistan dann aufgegriffen und von außen unterstützt", erläutert Südasien-Experte Wagner. Seitdem dringen immer wieder muslimische Rebellen in den indischen Teil ein und verüben dort terroristische Anschläge, wie zuletzt im Dorf Nadimarg, wo Rebellentruppen 24 Hindus ermordeten. Indien wirft Pakistan die umfangreiche Unterstützung dieser Gruppierungen vor und setzt massiv Soldaten zu ihrer Bekämpfung ein.

Dialog ist gefragt

Trotz mancher Anstrengung, den politischen Prozess wieder in Gang zu bringen, bleiben die beiden Atommächte weit entfernt von einer friedlichen Lösung. Immer wieder liefern sie sich Artilleriegefechte entlang der Kontrolllinie und drohen mit dem Einsatz von Nuklearwaffen.

Für die Zukunft sieht Wagner nur ein realistisches Lösungsszenario: "Die Kontrolllinie sollte als feste Grenze anerkannt werden. Damit müssten alle Beteiligten einen Teil ihrer Ansprüche aufgeben." Diese Lösung werde offenbar auch von den USA bevorzugt. Die fehlende Trennung von Hindus und Muslimen sieht er nicht als Problem. "Ein Großteil der Gewalt ist von außen in das Land getragen worden. Trotz mancher Konflikte wäre es wohl immer möglich, ein normales Nebeneinander der Bürger zu erreichen."

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